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18:00 Uhr

Alltagspoesie – Die frühen Filme von Helke Misselwitz

Film|Filmvorführung "Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann" (1989, 52´, DDR)

Innenraum eines älteren Geschäfts mit einem Holztresen im Vordergrund. Hinter dem Tresen stehen mehrere Frauen in warmen Wintermänteln. Im Hintergrund sind hohe Holzschränke zu sehen. Rechts im Bild befindet sich eine historische Registrierkasse, auf der ein Schild mit der Aufschrift „nachzuzählen“ liegt. © Heiko Koinzer

Innenraum eines älteren Geschäfts mit einem Holztresen im Vordergrund. Hinter dem Tresen stehen mehrere Frauen in warmen Wintermänteln. Im Hintergrund sind hohe Holzschränke zu sehen. Rechts im Bild befindet sich eine historische Registrierkasse, auf der ein Schild mit der Aufschrift „nachzuzählen“ liegt. © Heiko Koinzer

Das Goethe-Institut, das Bibliotheksnetzwerk der Stadt Buenos Aires und die DEFA-Film Library präsentieren Alltagspoesie: Die frühen Filme von Helke Misselwitz im Rahmen der Filmreihe „Cine para Lectores" (Kino für Leser*innen). Die Reihe umfasst drei Lang-, fünf Kurz- und ein mittellanger Film der großen deutschen Filmemacherin, die in der DDR geboren wurde. Dieselbe Reihe, mit in Argentinien größtenteils unbekannten Filmen, wurde im November 2021 auf dem 36. Internationalen Filmfestival von Mar del Plata gezeigt.  

Jede Vorführung in der Casa de la Lectura y la Escritura bietet eine Einleitung zum Film und eine anschließende Q&A-Runde. Die Idee des Programms ist das Kino aus einer literarischen Perspektive zu betrachten.  

PROGRAMM

Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann (1989, 52´, DDR)

Einblicke in eine kleine private Kohlehandlung, die Haushalte im Ostberliner Bezirk Prenzlauer Berg beliefert. Die energische Firmeninhaberin führt das kleine Unternehmen mit Humor und Wissen, und ihre sieben männlichen Angestellten zollen ihr entsprechenden Respekt. Von außen sehen diese Männer wie hartgesottene Kerle aus, aber wenn sie ihr Leben beschreiben, kommt auch ihre Verletzlichkeit zum Ausdruck. Ihre Gespräche reichen vom Bau der Berliner Mauer und der Möglichkeit, in den Westen zu fliehen, über Kindesmissbrauch, Selbstmord und Gefängnis bis hin zum Alkoholismus. Die Filmhistorikerin Elke Schieber lobte den Film als „erfrischend und neu. [...] Ein schönes und zuweilen extravagantes Dokument der Berliner Arbeiterschaft. [...] Eine filmische Korrektur dessen, was an ostdeutschen Dokumentarfilmen allgemein geschätzt wurde“.

Biografie

Helke Misselwitz

Sie gehört zu den wichtigsten Filmemachern der letzten DEFA-Generation. Sie wird am 18. Juli 1947 in Planitz, bei Zwickau geboren. Sie arbeitete neun Jahre lang als Regieassistentin und Regisseurin beim Fernsehen der DDR und studierte von 1978 bis 1982 in der Hochschule für Film und Fernsehen nach Potsdam-Babelsberg im Fachbereich Regie.

Zum Fernsehen kehrt Helke Misselwitz nach Ende ihres Studiums nicht zurück. Sie arbeitet als freie Autorin und Regisseurin. Im DEFA-Studio für Dokumentarfilme dreht die junge Regisseurin Kurzfilme.  Als Regisseur Heiner Carow sie als Meisterschülerin an der Akademie der Künste der DDR aufnahm, schuf sie den herausragenden Dokumentarfilm „Winter Adé” (1988), der großen internationalen Resonanz weckte.

Der Erfolg der Regisseurin führt 1988 zu einer festen Anstellung im DEFA-Studio für Dokumentarfilme, wo sie wichtige Dokumentarfilme drehte. 1992 drehte Misselwitz ihren ersten Spielfilm „Herzsprung”, 1996 folgte „Engelchen”.

Von 1997 bis 2014 war Helke Misselwitz Professorin für Regie an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam-Babelsberg (heute: Filmuniversität Babelsberg). Nach ihrem Ausscheiden widmete sie sich wieder der Regiearbeit und schuf ein Portrait der (ost)deutschen Fotografin Helga Paris (2019). Ihr letzter Dokumentarfilm ist „Die Frau des Dichters” (2021). Misselwitz ist seit 1991 Mitglied der Akademie der Künste und seit 2018 stellvertretende Direktorin der Sektion für Film- und Medienkunst.