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18:00 Uhr

Alltagspoesie – Die frühen Filme von Helke Misselwitz

Film + virtuelles Interview|Vorführung "Herzsprung" und virtuelles Interview mit Helke Misselwitz. Referentin: Julia Bonetto.

Zwei Frauen mit langen, lockigen Haaren stehen in einem Innenraum und halten brennende Zigaretten in den Händen. Sie tragen dunkle Kleidung, und Rauch steigt sichtbar in die Luft. © DEFA Stiftung, Helga Paris

Zwei Frauen mit langen, lockigen Haaren stehen in einem Innenraum und halten brennende Zigaretten in den Händen. Sie tragen dunkle Kleidung, und Rauch steigt sichtbar in die Luft. © DEFA Stiftung, Helga Paris

Das Goethe-Institut, das Bibliotheksnetzwerk der Stadt Buenos Aires und die DEFA-Film Library präsentieren Alltagspoesie: Die frühen Filme von Helke Misselwitz im Rahmen der Filmreihe „Cine para Lectores" (Kino für Leser*innen). Die Reihe umfasst drei Lang- fünf Kurz- und ein mittellanger Film der großen deutschen Filmemacherin, die in der DDR geboren wurde. Dieselbe Reihe, mit in Argentinien größtenteils unbekannten Filmen, wurde im November 2021 auf dem 36. Internationalen Filmfestival von Mar del Plata gezeigt.  

Am Ende dieser letzten Filmvorführung der Reihe wird Helke Misselwitz an einem virtuellen Interview teilnehmen, das von Julia Bonetto moderiert wird.

PROGRAMM

Herzsprung (1992, 87´, Deutschland). 
Der kleine Ort Herzsprung irgendwo im Norden Ostdeutschlands, kurz nach der Wiedervereinigung. Johanna, eine junge Mutter, die verwitwet ist und ihre Arbeit verliert, wird zum Opfer der allgemeinen wirtschaftlichen Auflösung. Sie verliebt sich in einen fremden, dunkelhäutigen Mann, der gerade in die Stadt gekommen ist und in einem Imbisstand an der Autobahn arbeitet. Die Bewohner von Herzsprung werden auf das Paar aufmerksam, einige lehnen die Beziehung ab, und Rassismus und Ressentiments führen schließlich zu einer dramatischen Eskalation der Ereignisse. Der Film, der 1992 in San Sebastian uraufgeführt und 1993 für die Berlinale ausgewählt wurde, war der letzte Film des DEFA Studios für Dokumentarfilme, bevor die Filmgesellschaft aufgelöst wurde.

Biografie

  • Helke Misselwitz

    Sie gehört zu den wichtigsten Filmemachern der letzten DEFA-Generation. Sie wird am 18. Juli 1947 in Planitz, bei Zwickau geboren. Sie arbeitete neun Jahre lang als Regieassistentin und Regisseurin beim Fernsehen der DDR und studierte von 1978 bis 1982 in der Hochschule für Film und Fernsehen nach Potsdam-Babelsberg im Fachbereich Regie.

    Zum Fernsehen kehrt Helke Misselwitz nach Ende ihres Studiums nicht zurück. Sie arbeitet als freie Autorin und Regisseurin. Im DEFA-Studio für Dokumentarfilme dreht die junge Regisseurin Kurzfilme.  Als Regisseur Heiner Carow sie als Meisterschülerin an der Akademie der Künste der DDR aufnahm, schuf sie den herausragenden Dokumentarfilm „Winter Adé” (1988), der großen internationalen Resonanz weckte.

    Der Erfolg der Regisseurin führt 1988 zu einer festen Anstellung im DEFA-Studio für Dokumentarfilme, wo sie wichtige Dokumentarfilme drehte. 1992 drehte Misselwitz ihren ersten Spielfilm „Herzsprung”, 1996 folgte „Engelchen”.

    Von 1997 bis 2014 war Helke Misselwitz Professorin für Regie an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam-Babelsberg (heute: Filmuniversität Babelsberg). Nach ihrem Ausscheiden widmete sie sich wieder der Regiearbeit und schuf ein Portrait der (ost)deutschen Fotografin Helga Paris (2019). Ihr letzter Dokumentarfilm ist „Die Frau des Dichters” (2021). Misselwitz ist seit 1991 Mitglied der Akademie der Künste und seit 2018 stellvertretende Direktorin der Sektion für Film- und Medienkunst.

  • Julia Bonetto

    Ist Soziologin, Drehbuchautorin, Regisseurin und audiovisuelle Produzentin. Sie wurde in Córdoba, Argentinien, geboren und lebt in Buenos Aires. Ihre Arbeit untersucht die Erfahrungen, Identitäten und Veränderungen von Frauen durch eine sensible und intime Filmsprache.