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18:00 Uhr
Lost in the 90s - Berlin
Filmreihe | Sechs Filme aus der diesjährigen Retrospektive der Berlinale, kuratiert von der Deutschen Kinemathek.
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Sala Lúcida , CABA
- Sprache Deutsch mit spanischen Untertiteln
- Preis Eintritt 6.000,- Pesos
Das Goethe-Institut und Sala Lúcida präsentieren „Lost in the 90s. – Berlin“, eine Auswahl von sechs Filmen aus der Retrospektive, die in diesem Jahr auf der Berlinale gezeigt und gemeinsam mit der Deutschen Kinemathek kuratiert wurde.
Wie es im Katalog des 76. Internationalen Filmfestivals Berlin heißt: „Die Retrospektive widmet sich einem der einflussreichsten Jahrzehnte der jüngeren Filmgeschichte. Nach dem Ende des Kalten Krieges und der Öffnung der Grenzen erlebte das Kino in den 1990er-Jahren eine künstlerische Aufbruchstimmung – in Berlin, in Osteuropa, aber auch international. Während die krisengebeutelte Filmindustrie in den ehemaligen Sowjetländern sich an die Marktwirtschaft anpassen musste, herrschte in Berlin eine neu empfundene Freiheit. Filmemacher*innen begannen den Osten bzw. Westen zu entdecken und dort Filme zu drehen. Das Medium Video und der Musikfernsehsender MTV eroberten den Markt, die Digitalisierung begann – noch in Kinderschuhen – ihren Siegeszug. Stilistisch war im Film alles möglich.“
Während Deutschland die Wiedervereinigung durchlief und einige Länder Europas abrupt in die Marktwirtschaft integriert wurden, wandelte sich auch Argentinien durch wirtschaftliche Liberalisierung, Privatisierung, Währungskonvertibilität, neue Konsumformen und eine Kultur, die sich selbst als global präsentierte. Die 90er Jahre waren eine Zeit, in der die Zukunft völlig offen schien und deren Folgen unvorstellbar waren. Die Kultur – und insbesondere das Kino – war Teil dieses Wandels. Neue Technologien senkten die Produktionskosten und erweiterten die Möglichkeiten.
Lola rennt
Regie: Tom Tykwer
Deutschland, 1998, 81 Min.
Berlin. Jetzt. Lola und Manni sind Anfang zwanzig und ein Liebespaar. Manni hat sich in letzter Zeit in halbkriminelle Geschichten eingelassen und jobbt als Geldkurier für einen Autoschieber. Doch heute läuft alles schief: Er hat die Geldübergabe komplett vermasselt, weil er auf der Flucht vor Fahrscheinkontrolleuren die Plastiktüte mit dem Geld in der U-Bahn liegengelassen hat. 100.000 Mark! In 20 Minuten will sein Boss das Geld abholen. Manni ist verzweifelt. Er weiß nicht, was er tun soll, und ruft Lola an. Lolas Hirn rast: 20 Minuten, um 100.000 Mark zu besorgen. Da kommt Lola eine Idee und Lola rennt...
Sonntag, 04.10.
Gorilla Bathes at Noon
Regie: Dušan Makavejev
Deutschland, Jugoslawien, 1993, 83 Min.
1991. Mit Regisseur Dušan Makavejev kommt die Jugoslawische Schwarze Welle nach Berlin und zeigt die nun mauerlose Stadt aus der Perspektive von Major Lazutkin. Nach einem Krankenhausaufenthalt muss dieser feststellen, dass die Rote Armee ohne ihn nach Russland abgezogen ist und seine Braut inzwischen einen Ersatz für ihn gefunden hat. In Uniform und mit Sowjetflagge irrt der tumbe Außenseiter durch die wiedervereinigte Stadt samt Zoo. Naiv lässt er sich in Waffen- und Kinderhandel hineinziehen und von einer Lenin-Erscheinung „bestricken”, ehe ihm eine glückliche Zukunft als Familienvater aufscheint.
Unter Einsatz propagandistischer Heldenbilder aus dem stalinistischen Weltkriegsfilm „Der Fall von Berlin” (UdSSR 1949) inszenierte Makavejev die Wechselfälle der Geschichte als absurdes Theater, in dem sich unter den veränderten politischen Vorzeichen eine Neubewertung überkommener Werte vollzieht. Dokumentarische Höhepunkte seiner anarchischen Satire sind Aufnahmen von der unter Protesten durchgeführten Demontage einer überlebensgroßen Lenin-Statue in Berlin-Friedrichshain sowie eine Fahrt entlang der East Side Gallery mit ihren Originalbemalungen inklusive „Bruderkuss”.
Sonntag, 11.10.
Berlin, Bahnhof Friedrichstraße 1990
Regie: Konstanze Binder, Lilly Grote, Ulrike Herdin und Julia Kunert
Deutschland, 1991, 86 Min.
Die Mauer ist gefallen. Nun öffnen sich die Türen und Wände verschwinden. Und noch bevor die D-Mark in den Osten fließt, ergießen sich die Menschenströme durch den Bahnhof Friedrichstraße. Ab Juli 1990, nach Inkrafttreten des Staatsvertrags zwischen den zwei deutschen Staaten, werden die Grenzkontrollen hier immer laxer. Vier Filmemacherinnen aus West und Ost beobachten den Abbau der Grenzabfertigungsstellen, den Abriss der Kontrollkabinen. Im Labyrinth des Tränenpalasts spricht ein Grenzbeamter über Ohrmuschelvergleiche »am Fließband«, es wird von erlebten Schikanen und Devisengeschäften berichtet, und Intershop-Verkäuferinnen sinnieren über ihre ungewisse Zukunft.
Madeleine Bernstorff, damals Aufnahmeleiterin, 2021: „Der Bahnhof als ein unscharfes, hyperbewegliches Bild vom Umbau einer Gesellschaft. Von heute aus realisiert sich in dem Film für mich noch deutlicher als damals die Idee, dass bestimmte historische Ereignisse oder politische Zäsuren am besten multiperspektivisch erzählbar sind. Alle vier Autorinnen/Regisseurinnen bringen selbstverständlich ihre Erfahrungen, Fragen und Arbeitshintergründe in den Film ein. Dies führt zu einem Eindruck voller Tiefe und Zwischentöne.”
Sonntag, 18.10.
Lola und Bilidikid
Regie: Kutluğ Ataman
Deutschland, 1998, 95 Min.
„Die Gastarbeiterinnen” nennt sich eine Truppe türkischer Dragqueens, die auf einer Off-Off-Bühne in Berlin-Kreuzberg Triumphe feiern. Eine von ihnen ist Lola. Lola versteht sich als schwuler Mann. Liiert ist er mit dem Macho Bili, der Lola zur Geschlechtsumwandlung drängt, um mit einer Frau an seiner Seite in der Türkei eine Strandbar zu eröffnen. Schwul ist auch Lolas Bruder Murat, der noch bei der Mutter lebt. Und wie früher Lola wird auch Murat von dem älteren Bruder Osman als Schwuler nicht akzeptiert. Und genau wie Lola wird Murat von einem Neonazi-Trio übelst drangsaliert. Als dann eines Tages Lola tot in der Spree treibt, steht für Bili fest, dass die drei Deutschen ihn ermordet haben. Er nimmt Murat unter seine Fittiche und macht ihn zu seinem Racheengel: „Das ist unser Krieg. Deiner und meiner”. Doch liegt Bili damit richtig …?
Das intensive Familiendrama des UCLA-Absolventen Kutluğ Ataman konfrontiert seine transidentischen Charaktere mit homophoben Einstellungen im „anatolischen” Kreuzberg ebenso wie am gutbürgerlichen Wannsee. Dabei führt es in eine queere Subkultur, deren Angehörige als Schwule und als Türken einer doppelten Diskriminierung ausgesetzt sind.
Sonntag, 25.10.
Sunny Point
Regie: Wolf Vogel
Deutschland, 1995, 97 Min.
Westberlin, Herbst 1989. Victor ist Filmproduzent. Werbefilmproduzent – jedoch mit dem Gebaren eines Hollywood-Tycoons! Tatsächlich aber steht es schlecht um seine Firma Sunny Point. Die Kreditlinie ist weit überschritten, ein Großauftrag platzt. Übrig bleiben Kinospots für kleine Krauter. Allein seine Sekretärin (auf Probezeit) und ein ambitionierter Mitarbeiter halten den Laden am Laufen. Was hier niemand wissen darf: Victor ist ein Flüchtling aus der DDR, er war dort Ingenieur für Plaste und Elaste. Um ein zweites Mal im Westen Starthilfe zu erhalten, springt er noch einmal in die Spree – ausgerechnet am Abend des 9. November.
Die Satire um einen mit allen kapitalistischen Wassern gewaschenen Bitterfelder Selfmademan mit kriminellem Businessplan entstand ganz ohne Fördergelder, dafür mit Improvisationsgeschick und kreativem Input. Neben Filmzitaten und Mauerfallbildern, Videogame-Schnipseln und lokaler Lichtspielwerbung ließ der Regisseur Wolf Vogel in sein Spielfilmdebüt eigene Branchenkenntnisse und DDR-Erfahrungen einfließen. Mit west-östlichem Team und Cast gedreht, unterläuft Sunny Point lieb gewonnene Klischees von den hilfsbedürftigen „Brüdern und Schwestern im Osten”.
Sonntag, 01.11.
Im Glanze dieses Glückes
Regie: Johann Feindt, Jeanine Meerapfel, Helga Reidemeister, Dieter Schumann y Tamara Trampe
Deutschland, 1990, 83 Min.
Rheinwein in Sachsen! Ausgeschenkt wird er an einem Infostand der CDU, kurz vor der ersten und einzigen freien Wahl zur Volkskammer der DDR, die der Westpartei in Ostdeutschland 40,8 % der Stimmen beschert. Doch während die Ostdeutschen trotz des süßen Gesöffs durchgehend ernüchtert wirken, sind es die Menschen aus dem Westen, die sich während des Wahlkampfs im Februar/März 1990 berauschen. „Der Sozialismus ist aus. Niemand will ihn mehr haben”, triumphiert Helmut Kohl. An seiner Stelle macht sein Finanzminister ein „erweitertes Wirtschaftsgebiet” aus. Und recht bald nimmt ein Nazibanner die deutschen „Ostgebiete“ als nächstes Ziel einer „Wiedervereinigung” ins Visier.
»Wie erleben die verschiedenen Generationen die Unsicherheit, die Desorientierung und die Infragestellung der alten Werte der DDR?« wollte das ost-westdeutsche Dokumentarfilmkollektiv „Blick ins Land” in dieser Situation wissen. Indem es Arbeiter*innen, Schüler*innen, Grenz- und Volkspolizisten, eine Lehrerin und einen Stasi-Offizier nach ihren Erfahrungen und Empfindungen befragte, hielt es dem „Glanze dieses Glückes” eine ungeschönte Kehrseite entgegen.
Wie es im Katalog des 76. Internationalen Filmfestivals Berlin heißt: „Die Retrospektive widmet sich einem der einflussreichsten Jahrzehnte der jüngeren Filmgeschichte. Nach dem Ende des Kalten Krieges und der Öffnung der Grenzen erlebte das Kino in den 1990er-Jahren eine künstlerische Aufbruchstimmung – in Berlin, in Osteuropa, aber auch international. Während die krisengebeutelte Filmindustrie in den ehemaligen Sowjetländern sich an die Marktwirtschaft anpassen musste, herrschte in Berlin eine neu empfundene Freiheit. Filmemacher*innen begannen den Osten bzw. Westen zu entdecken und dort Filme zu drehen. Das Medium Video und der Musikfernsehsender MTV eroberten den Markt, die Digitalisierung begann – noch in Kinderschuhen – ihren Siegeszug. Stilistisch war im Film alles möglich.“
Während Deutschland die Wiedervereinigung durchlief und einige Länder Europas abrupt in die Marktwirtschaft integriert wurden, wandelte sich auch Argentinien durch wirtschaftliche Liberalisierung, Privatisierung, Währungskonvertibilität, neue Konsumformen und eine Kultur, die sich selbst als global präsentierte. Die 90er Jahre waren eine Zeit, in der die Zukunft völlig offen schien und deren Folgen unvorstellbar waren. Die Kultur – und insbesondere das Kino – war Teil dieses Wandels. Neue Technologien senkten die Produktionskosten und erweiterten die Möglichkeiten.
Die Filme
Sonntag, 27.09.Lola rennt
Regie: Tom Tykwer
Deutschland, 1998, 81 Min.
Berlin. Jetzt. Lola und Manni sind Anfang zwanzig und ein Liebespaar. Manni hat sich in letzter Zeit in halbkriminelle Geschichten eingelassen und jobbt als Geldkurier für einen Autoschieber. Doch heute läuft alles schief: Er hat die Geldübergabe komplett vermasselt, weil er auf der Flucht vor Fahrscheinkontrolleuren die Plastiktüte mit dem Geld in der U-Bahn liegengelassen hat. 100.000 Mark! In 20 Minuten will sein Boss das Geld abholen. Manni ist verzweifelt. Er weiß nicht, was er tun soll, und ruft Lola an. Lolas Hirn rast: 20 Minuten, um 100.000 Mark zu besorgen. Da kommt Lola eine Idee und Lola rennt...
Sonntag, 04.10.
Gorilla Bathes at Noon
Regie: Dušan Makavejev
Deutschland, Jugoslawien, 1993, 83 Min.
1991. Mit Regisseur Dušan Makavejev kommt die Jugoslawische Schwarze Welle nach Berlin und zeigt die nun mauerlose Stadt aus der Perspektive von Major Lazutkin. Nach einem Krankenhausaufenthalt muss dieser feststellen, dass die Rote Armee ohne ihn nach Russland abgezogen ist und seine Braut inzwischen einen Ersatz für ihn gefunden hat. In Uniform und mit Sowjetflagge irrt der tumbe Außenseiter durch die wiedervereinigte Stadt samt Zoo. Naiv lässt er sich in Waffen- und Kinderhandel hineinziehen und von einer Lenin-Erscheinung „bestricken”, ehe ihm eine glückliche Zukunft als Familienvater aufscheint.
Unter Einsatz propagandistischer Heldenbilder aus dem stalinistischen Weltkriegsfilm „Der Fall von Berlin” (UdSSR 1949) inszenierte Makavejev die Wechselfälle der Geschichte als absurdes Theater, in dem sich unter den veränderten politischen Vorzeichen eine Neubewertung überkommener Werte vollzieht. Dokumentarische Höhepunkte seiner anarchischen Satire sind Aufnahmen von der unter Protesten durchgeführten Demontage einer überlebensgroßen Lenin-Statue in Berlin-Friedrichshain sowie eine Fahrt entlang der East Side Gallery mit ihren Originalbemalungen inklusive „Bruderkuss”.
Sonntag, 11.10.
Berlin, Bahnhof Friedrichstraße 1990
Regie: Konstanze Binder, Lilly Grote, Ulrike Herdin und Julia Kunert
Deutschland, 1991, 86 Min.
Die Mauer ist gefallen. Nun öffnen sich die Türen und Wände verschwinden. Und noch bevor die D-Mark in den Osten fließt, ergießen sich die Menschenströme durch den Bahnhof Friedrichstraße. Ab Juli 1990, nach Inkrafttreten des Staatsvertrags zwischen den zwei deutschen Staaten, werden die Grenzkontrollen hier immer laxer. Vier Filmemacherinnen aus West und Ost beobachten den Abbau der Grenzabfertigungsstellen, den Abriss der Kontrollkabinen. Im Labyrinth des Tränenpalasts spricht ein Grenzbeamter über Ohrmuschelvergleiche »am Fließband«, es wird von erlebten Schikanen und Devisengeschäften berichtet, und Intershop-Verkäuferinnen sinnieren über ihre ungewisse Zukunft.
Madeleine Bernstorff, damals Aufnahmeleiterin, 2021: „Der Bahnhof als ein unscharfes, hyperbewegliches Bild vom Umbau einer Gesellschaft. Von heute aus realisiert sich in dem Film für mich noch deutlicher als damals die Idee, dass bestimmte historische Ereignisse oder politische Zäsuren am besten multiperspektivisch erzählbar sind. Alle vier Autorinnen/Regisseurinnen bringen selbstverständlich ihre Erfahrungen, Fragen und Arbeitshintergründe in den Film ein. Dies führt zu einem Eindruck voller Tiefe und Zwischentöne.”
Sonntag, 18.10.
Lola und Bilidikid
Regie: Kutluğ Ataman
Deutschland, 1998, 95 Min.
„Die Gastarbeiterinnen” nennt sich eine Truppe türkischer Dragqueens, die auf einer Off-Off-Bühne in Berlin-Kreuzberg Triumphe feiern. Eine von ihnen ist Lola. Lola versteht sich als schwuler Mann. Liiert ist er mit dem Macho Bili, der Lola zur Geschlechtsumwandlung drängt, um mit einer Frau an seiner Seite in der Türkei eine Strandbar zu eröffnen. Schwul ist auch Lolas Bruder Murat, der noch bei der Mutter lebt. Und wie früher Lola wird auch Murat von dem älteren Bruder Osman als Schwuler nicht akzeptiert. Und genau wie Lola wird Murat von einem Neonazi-Trio übelst drangsaliert. Als dann eines Tages Lola tot in der Spree treibt, steht für Bili fest, dass die drei Deutschen ihn ermordet haben. Er nimmt Murat unter seine Fittiche und macht ihn zu seinem Racheengel: „Das ist unser Krieg. Deiner und meiner”. Doch liegt Bili damit richtig …?
Das intensive Familiendrama des UCLA-Absolventen Kutluğ Ataman konfrontiert seine transidentischen Charaktere mit homophoben Einstellungen im „anatolischen” Kreuzberg ebenso wie am gutbürgerlichen Wannsee. Dabei führt es in eine queere Subkultur, deren Angehörige als Schwule und als Türken einer doppelten Diskriminierung ausgesetzt sind.
Sonntag, 25.10.
Sunny Point
Regie: Wolf Vogel
Deutschland, 1995, 97 Min.
Westberlin, Herbst 1989. Victor ist Filmproduzent. Werbefilmproduzent – jedoch mit dem Gebaren eines Hollywood-Tycoons! Tatsächlich aber steht es schlecht um seine Firma Sunny Point. Die Kreditlinie ist weit überschritten, ein Großauftrag platzt. Übrig bleiben Kinospots für kleine Krauter. Allein seine Sekretärin (auf Probezeit) und ein ambitionierter Mitarbeiter halten den Laden am Laufen. Was hier niemand wissen darf: Victor ist ein Flüchtling aus der DDR, er war dort Ingenieur für Plaste und Elaste. Um ein zweites Mal im Westen Starthilfe zu erhalten, springt er noch einmal in die Spree – ausgerechnet am Abend des 9. November.
Die Satire um einen mit allen kapitalistischen Wassern gewaschenen Bitterfelder Selfmademan mit kriminellem Businessplan entstand ganz ohne Fördergelder, dafür mit Improvisationsgeschick und kreativem Input. Neben Filmzitaten und Mauerfallbildern, Videogame-Schnipseln und lokaler Lichtspielwerbung ließ der Regisseur Wolf Vogel in sein Spielfilmdebüt eigene Branchenkenntnisse und DDR-Erfahrungen einfließen. Mit west-östlichem Team und Cast gedreht, unterläuft Sunny Point lieb gewonnene Klischees von den hilfsbedürftigen „Brüdern und Schwestern im Osten”.
Sonntag, 01.11.
Im Glanze dieses Glückes
Regie: Johann Feindt, Jeanine Meerapfel, Helga Reidemeister, Dieter Schumann y Tamara Trampe
Deutschland, 1990, 83 Min.
Rheinwein in Sachsen! Ausgeschenkt wird er an einem Infostand der CDU, kurz vor der ersten und einzigen freien Wahl zur Volkskammer der DDR, die der Westpartei in Ostdeutschland 40,8 % der Stimmen beschert. Doch während die Ostdeutschen trotz des süßen Gesöffs durchgehend ernüchtert wirken, sind es die Menschen aus dem Westen, die sich während des Wahlkampfs im Februar/März 1990 berauschen. „Der Sozialismus ist aus. Niemand will ihn mehr haben”, triumphiert Helmut Kohl. An seiner Stelle macht sein Finanzminister ein „erweitertes Wirtschaftsgebiet” aus. Und recht bald nimmt ein Nazibanner die deutschen „Ostgebiete“ als nächstes Ziel einer „Wiedervereinigung” ins Visier.
»Wie erleben die verschiedenen Generationen die Unsicherheit, die Desorientierung und die Infragestellung der alten Werte der DDR?« wollte das ost-westdeutsche Dokumentarfilmkollektiv „Blick ins Land” in dieser Situation wissen. Indem es Arbeiter*innen, Schüler*innen, Grenz- und Volkspolizisten, eine Lehrerin und einen Stasi-Offizier nach ihren Erfahrungen und Empfindungen befragte, hielt es dem „Glanze dieses Glückes” eine ungeschönte Kehrseite entgegen.
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