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Berlinale
Globale Ambitionen: „Gone with the Bullets“

Yi bu zhi yao | Gone With The Bullets
Yi bu zhi yao | Gone With The Bullets | Foto: © Beijing Buyilehu Film & Culture Co., Limited

Der einzige chinesische Film im Rennen um den Goldenen Bären auf der Berlinale 2015 ist eine postmoderne Melange und könnte als Blaupause dafür dienen, wie man dem chinesischen Kino Hollywoodflair verleiht, findet Yun-hua Chen.

Von Yun-hua Chen (陈韵华)

Jiang Wens (姜文) Gone with the Bullets (Yi Bu Zhi Yao, 一步之遥) ist der einzige chinesische Wettbewerbsbeitrag in diesem Jahr und ein ambitionierter Film voller aufwändig gedrehter, spektakulärer Szenen. Wie der Vorgänger Let the Bullets Fly (让子弹飞) spielt der zweite Teil der Bullets-Trilogie in den 1920er-Jahren, einer chaotischen und faktisch anarchistischen Zeit, die Antihelden, Fantasie und Surrealismus genügend Raum bot. Jiang Wen ist in der Rolle des heruntergekommenen Adligen Ma Zouri (马走日) zu sehen, der gemeinsam mit dem Polizisten Xiang Feitian (项飞田) in Shanghai Geldwäsche durch die Organisation eines Schönheitswettbewerbs betreibt. Nach dem überraschenden Tod der Gewinnerin erwartet die beiden ein ausgedehntes Versteckspiel.Die Risikobereitschaft des Produzenten, der geschäftliche Weitblick und der experimentelle Geist sind bewundernswert. Durch den Einfluss von Hollywood kann das chinesische Kino sich filmtechnisch weiterentwickeln, dem Wunsch einheimischer Zuschauer nach spannungsgeladener Unterhaltung nachkommen und sich wie Bollywood an ein weltweites Publikum wagen.

Der bunte Genremix aus Musical, Liebeskomödie, Film noir und Science-Fiction lässt keinen Zweifel an Jiang Wens Absicht, den chinesischen Film zu globalisieren. Die Inszenierung verbindet Altmodisches mit Futuristischem, antiquierte und moderne Sprache stehen nebeneinander. Gleichzeitig zitiert der Film eine Fülle von Stilrichtungen und -elementen, von Stummfilm über Attraktionsmontage bis zu Nouvelle Vague. Diese postmoderne Melange kinematografischer Referenzen  ist optisch beeindruckend, doch die gekonnte Zurschaustellung filmkünstlerischen Wissens ist zugleich die Schwachstelle. Dem Werk fehlt es an Eigenständigkeit, der Film mit Staraufgebot wirkt bedenklich wie ein Abbild von Jiang Wens Narzissmus und Geltungssucht. Obwohl ich die Frische und schonungslose Ehrlichkeit von Jiang Wens Frühwerk vermisse, trifft er mit seiner in Gestalt eines historischen Films verpackten Kritik an Politik, Showbusiness und einer von Geld bestimmten Kultur noch immer ins Schwarze.

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