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Chinesische Band auf dem Wacken-Festival
Mit der Pferdekopfgeige nach Wacken

Nine Treasures
Nine Treasures | Foto: Johann

Die Band Nine Treasures (九宝) auf Deutschlandreise: Als Sieger des Metal Battle China bekam Nine Treasures die Chance, am weltweit größten Heavy-Metal-Festival teilzunehmen. 

Nine Treasures wurde im Jahr 2011 von ein paar Jungs aus der grünen, weiten Grassteppe der Inneren Mongolei gegründet. Auf der Suche nach den eigenen Wurzeln begann die Band, klassischen Heavy-Metal mit mongolischer Musik zu kombinieren. 2013 traten sie eine weite Reise nach Deutschland an, um auf der Bühne des Wacken-Festivals zu spielen. Dort sicherten sich die Fünf im internationalen Finale schließlich den zweiten Platz.

Welche Bedeutung steckt hinter eurem Bandnamen Nine Treasures?

Die sogenannten „Neun Schätze“ sind in unserer Kultur etwas sehr Geheimnisvolles. Tatsächlich ist bis heute nicht eindeutig geklärt, um welche neun Schätze es sich bei ihnen eigentlich handelt. Im Allgemeinen zählt man zu ihnen Gold, Silber, Bronze, Eisen, Perlen, Achat, Koralle, Bernstein und Jade, doch das wird in vielen Bereichen auch anders definiert. Die Medizin hat ihre eigenen „Neun Schätze“ und in der Poesie gibt es wieder andere. In einem mongolischen Gedicht heißt es, dass einem neun Wünsche erfüllt werden, wenn man neun Schätze weitergibt, sie haben also eine glücksverheißende Bedeutung. Die mongolischen Schriftzeichen in unserem Band-Logo sind die ersten Buchstaben für Gold, Silber, Bronze und Eisen.

Euer erstes Album trägt den merkwürdigen Titel, „Zehn Zhang großer Bronzemund“, Arvan Ald Guulin Hunshoor (十丈铜嘴), wofür steht dieser Name? 

So heißt auch ein Song auf unserem Album. Der Titel geht auf ein Schauermärchen zurück, das man sich im mongolischen Grasland erzählt. Bei dieser Geschichte geht es nicht darum, irgendwelche positiven Energien zu erzeugen oder die Menschen zu belehren. Es soll einfach eine Geschichte erzählt werden, die dann jeder verstehen kann, wie er will.

In eurer Musik gibt es viele mongolische Elemente. Seid ihr für traditionelle mongolische Musik ausgebildet und wie seid ihr darauf gekommen, Heavy-Metal mit mongolischer Volksmusik zu kombinieren?

Tsog (朝克) ist professionell an der mongolischen Pferdekopfgeige, Morin Khuur, ausgebildet, er stammt aus einer Musikerfamilie. Wiils (伟力斯) hat Computer und Aoger (敖瑞峰) Gesang studiert. Ich selbst, Askshan (阿斯汗), habe an der Uni Animation gelernt. Da man in Europa Folk und Metal schon lange miteinander kombiniert, haben wir uns überlegt, dass auch wir mongolische Elemente miteinbeziehen könnten. Nachdem wir solange Musik gemacht haben, wollten wir etwas Eigenes spielen, am besten etwas, das ganz tief in unserer Volksseele wurzelt. So war es nicht weiter verwunderlich, dass wir auf die mongolische Volksmusik zurückkamen.

Das Wacken Open Air ist das größte Metal-Festival der Welt. Dort einmal auf der Bühne zu stehen, ist der Traum jeder Heavy-Metal-Band. Was für ein Gefühl war es für euch, dort aufzutreten?

Als wir auf der Bühne standen, hatten wir das Gefühl, dass das Publikum in Wacken sehr enthusiastisch ist. Die Leute sind toll mitgegangen, so dass uns der Gig nicht schwer fiel. Das Gefühl war unbeschreiblich. Zwar waren die Vorbereitungen sehr hektisch gewesen und beim Sound-Check hatten wir keinen Ton gehört, doch als wir gemeinsam auf die Bühne kamen, lief plötzlich alles wie geschmiert. Als wir uns nach der Show in unseren mongolischen Roben unter das Publikum mischten, wurden wir sofort von Fans erkannt, die uns nach unserer Musik fragten und mit uns in Kontakt bleiben wollen.

Als Heavy-Metal-Fan hatte ich mir schon früh überlegt, dass ich einmal im Leben unbedingt nach Wacken will. Im Nachhinein war es noch besser als ich es mir vorgestellt hatte. Wir haben nicht nur viele Bands spielen sehen – noch wichtiger war die Atmosphäre, die entsteht, wenn viele Leute einen gemeinsamen Traum haben. Unter den Besuchern herrschte eine große Harmonie. Während des gesamten Festivals habe ich keine einzige ungute Situation beobachtet, keinen einzigen Streit erlebt. In jedem Moment eröffnete sich uns eine neue Welt. Um viele schöne Dinge weiß man erst, wenn man sie selbst erlebt hat. Für uns war das unsere erste Auslandserfahrung.

Auf dem diesjährigem Wacken Open Air wurden einige Bands ausgewählt, um an der Produktion einer 3D-Dokumentation mitzuwirken. Auch ihr wart unter den Auserwählten. 

Ja, wir wurden von Anfang an mit der Filmkamera begleitet. Der für uns zuständige Regisseur, hat uns gemeinsam mit Anvil, einer Band aus Kanada, aufgenommen. Anvil ist schon eine sehr alte Band mit einer ziemlich wechselhaften Geschichte, unsere Band hingegen ist noch ganz jung; die anderen kommen aus Nordamerika, wir aus China. Daraus könnte sich auf der Leinwand ein interessanter Kontrast ergebenDer Film soll im April 2014 in Europa gezeigt werden.

In China sind viele der Ansicht, dass chinesische Bands was Originalität und Technik betrifft mit ausländischen Bands nicht mithalten können, wie seht ihr das?

Wenn man über Leistungsunterschiede sprechen will, sollte man beide Seiten zumindest in ihrem entsprechenden Umfeld betrachten, erst so macht ein Vergleich Sinn. Chinesische Bands sind nicht unbedingt schlechter als ausländische Gruppen, sie brauchen einfach mehr Chancen, international aufzutreten.

Werfen wir einen Blick in die Zukunft und sprechen wir über euer neues Album. Werdet ihr euch mit eurem zweiten Album am Stil des ersten Albums orientieren oder wird es Veränderungen geben?

Wir arbeiten schon seit dem letzten Jahr an unserem neuen Album, das Ende dieses Jahres erscheinen soll. Natürlich werden wir die Stärken des ersten Albums komplett übernehmen und zu einem noch reiferen Ergebnis bringen. Das wird quasi die Upgrade-Version 2.0 von Nine Treasures. Als das erste Album gerade erschienen war, war die Kombination von mongolischer Musik und Heavy-Metal weltweit noch etwas Einzigartiges. Wir waren von diesem Stil begeistert, hatten aber keine Ahnung, wie das ankommen würde. Doch unsere Musik hat Anerkennung gefunden. Mit dem zweiten Album wollen wir uns noch mehr auf unseren Stil festlegen und ihn noch weiter ausbauen. Wir wollen noch mehr von dem zeigen, was Nine Treasures ausmacht.

Konzentriert ihr euch mit eurer Musik auf den innerchinesischen Markt oder habt ihr ein internationales Publikum im Auge?

Wir schreiben unsere Stücke nicht für ein Publikum aus einem bestimmten Teil der Welt, so ein Gedanke liegt uns fern. Wenn Musik und Sprache miteinander harmonieren, rückt die Sprache für die Zuhörer in den Hintergrund. Rammstein ist dafür ein gutes Beispiel. Die meisten Menschen in China verstehen die Texte von Rammstein nicht und trotzdem ist die Sprache kein Hindernis.

Welche Ziele habt ihr noch, nachdem ihr nun auf dem Festival in Wacken gespielt habt?

Eines Tages auf der Hauptbühne in Wacken zu stehen.

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