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Web 2.0
„About me“ - Identitätskonstruktion im Social Web

The facebook version of you – the Realistic version of you
The facebook version of you – the Realistic version of you | Foto: Nathan Batson

Vor einem Meeting, vor einem Date oder vor anderen Situationen, in denen wir auf fremde Menschen treffen, mit denen wir beruflich oder privat zu tun haben werden, hat es sich durchgesetzt: Google ist die moderne Variante der Visitenkarte. Die Suchmaschinentreffer einer Personenrecherche formen das erste Bild, das wir von einem Menschen gewinnen. Je nach bisheriger Aktivität im Netz kann die zugeschriebene Identität höchst unterschiedlich ausfallen, genauso, wie sich die Häufigkeit des eigenen Namens auf die Trefferquote auswirken kann. „Susanne Meier“ und „Michael Schmidt“ werden ganz eigene Strategien entwickeln müssen, wenn sie gefunden werden möchten.

Von Kixka Nebraska

Und genau das wird in Zukunft zunehmen: Die suchmaschinelle Auffindbarkeit der eigenen Person wird ein Schlüsselfaktor in professionellen Zusammenhängen sein. Berufliche Biografien, die sich über mehrere Jahrzehnte bis zur Rente innerhalb einer Firma bewegen, werden in Deutschland immer seltener. Der Jobwechsel ist die Regel, genauso, wie Freiberuflichkeit zunehmen wird. In dieser Situation wird es entscheidend sein, mit seinen Qualifikationen und Kompetenzen bei einer Suchmaschinenrecherche bei den ersten Treffern dabei zu sein.

Doch was genau gehört dazu, eine digitale Identität aufzubauen? 

Für Laurel Papworth fängt es mit dem Einrichten eines Profils an: Die Identität wird mit der Auswahl des Fotos oder Avatars ausgebaut, genauso wie mit der Auswahl der Kontakte, Freunde und derer, denen z. B. bei Twitter gefolgt wird. Zeige mir, für wen Du Dich interessierst und mit wem Du befreundet bist, und ich sage Dir, wer Du bist. Die Reputation ergibt sich durch die eigenen Aktivitäten im Netzwerk: Die Tonalität und die Qualität der Kommentare und Diskussionsbeiträge bestimmen das Bild, das andere sich über uns machen. 

Ist jemand hilfsbereit? Meldet sich jemand nur dann, wenn er Hilfe vom Netzwerk erwartet? Auch diese Nuancen werden im Netzwerk sehr genau registriert. Vertrauen im Netz basiert entsprechend auf dem Zusammenspiel von Profil, Identität und dem eigenen Ruf im Netzwerk. Das Ganze ist als selbstverstärkender Zyklus angelegt: Jede Station wirkt sich auf die nächste aus und wirkt parallel modifizierend zurück. Wird beispielsweise das eigene Profilbild aufgrund von kritischen Anmerkungen geändert, führt das neue Bild wiederum zu Kommentaren und Feedback aus dem eigenen Netzwerk.

Identität im Wechselspiel von Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung

Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung greifen auf verschiedenen Ebenen ineinander, wenn es darum geht, die eigene Identität zu definieren. Dabei spielt es allerdings in den allermeisten Fällen keine Rolle, ob das nun online oder offline geschieht, die Mechanismen bleiben dieselben! 

Das Selbst ist weder statisch, noch fest umrissen oder unveränderbar. Identität ergibt sich im Zusammenspiel meiner Selbstwahrnehmung, der Fremdwahrnehmung durch andere und meinen Annahmen darüber, was andere vermutlich über mich denken. Dieser Prozess läuft im digitalen genauso ab, wie in meinem Leben außerhalb des Social Webs.

Inzwischen liegen erste Studien vor, die belegen, dass sich die Persönlichkeit, die innerhalb von Social Networks wie Facebook dargestellt wird, im Wesentlichen nicht von dem unterscheidet, wie sich jemand im Alltag außerhalb des Netzes darstellt. Wer bei Facebook dazu neigt, dick aufzutragen und anzugeben, der wird das in vordigitalen Zeiten entsprechend abends in der Bar oder auf der Party auch schon gemacht haben.

Digitale Identität im eigenem Stil entwickeln

Für alle, die sich beruflich im Netz bewegen, ist eine der wichtigsten Fragen, die jeder für sich bei der Identitätskonstruktion im Netz heute beantworten muss, die nach dem eigenen, unverwechselbaren Stil. Der gesunde Menschenverstand, gelernte Normen und verinnerlichte Selbstkontrolle stecken in der Regel die Grenzen, in denen sich der Einzelne im Netz bewegt. Dreht es sich also um eine bühnenwirksame Inszenierung im Sinne Erving Goffmans? Und ergibt sich daraus der Ratschlag, professionelles Personal Branding für den eigenen digitalen Auftritt in Anspruch zu nehmen? Der gezielte Aufbau einer Personenmarke im Netz wird nicht durch Aktivität auf allen vorhandenen Kanälen erreicht – sondern nur darüber, wie jemand konkret handelt: Entscheidend sind die tatsächlichen Aktivitäten, die so unverwechselbar, kreativ, hilfreich und lösungsorientiert sein sollten, dass andere von sich aus über die Person sprechen werden. 

Unverwechselbar und mit hohem Wiedererkennungswert hat sich zum Beispiel Hendrik Mans positioniert. Porträt mit Bürste: Irritierend und es bleibt in Erinnerung! Kennengelernt hat die Autorin Hendrik Mans anlässlich eines Twittagessens in Hamburg: Uhrzeit und Restaurant waren gesetzt, die Teilnehmenden fanden via Twitter zueinander, um sich zum gemeinsamen Mittagessen zu verabreden. Damals posierte er mit einer nicht weniger irritierenden Schnitzelpfanne auf seinen Social-Network-Fotos. Wie ich beim Essen herausfand, ist er nicht nur ein hervorragender Schnitzelkoch, sondern hat ein ganzes Schnitzel-Universum mit über 1.600 Google-Treffern um sich herum aufgebaut, so dass die Optik einer eigenen Logik folgt. Das optische Alleinstellungsmerkmal wird auf der semantischen Ebene unterstützt und betont, so dass sich ein stimmiges Gesamtbild ergibt. Eine ungewöhnliche aber durchaus vorbildliche Strategie.
 

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