Porträt Maya Fanke

Maya Fanke
Maya Fanke | ©Kammerspiele Paderborn

Im Frühjahr 2011 inszeniert sie in Qingdao das Stück Das weiße Zimmer des Autors Andreas Sauter mit deutsch-chinesischer Besetzung.

Maya Fanke wurde in Singen am Hohentwiel geboren. Von 1983 bis 1987 studierte sie außereuropäische Theaterformen, vor allem japanisches Theater. Von 1987 bis 1990 folgte eine Schauspielausbildung an der Hochschule der Künste Berlin. Von 1991 bis 1994 war sie als Hausregisseurin in Wilhelmshaven tätig. Seit 1994 arbeitet sie als freischaffende Regisseurin und Autorin hauptsächlich in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Außerdem lehrte sie mehrere Jahre an der Universität der Künste Berlin, an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock und der ETH Bern.

An den Kammerspielen Paderborn brachte Maya Fanke unter anderem Shakespeares Ein Sommernachtstraum, Wedekinds Frühlings Erwachen, Büchners Leonce und Lena, Goldonis Der Diener zweier Herren, Liliom von Franz Molnar und Bernarda Albas Haus von Federico Garcia Lorca auf die Bühne.

Für ihre Inszenierungen wurde Maya Fanke mit zahlreichen Einladungen zu Theaterfestivals und Preisen geehrt.

Im Frühjahr 2011 inszeniert sie das Stück Das weiße Zimmer des Theaterautors und Regisseurs Andreas Sauter in Qingdao. Hierbei handelt es sich um eine Kooperation des Qingdao Drama Theatre mit den Kammerspielen Paderborn, gefördert durch den Fonds Wanderlust der Kulturstiftung des Bundes.

1) Womit haben Sie sich in der letzten Zeit beschäftigt?

Seit Ende April 2011 erarbeite ich in China im Rahmen einer Kooperation zwischen dem Qingdao Drama Theatre und dem Theater Paderborn die Inszenierung des zweisprachigen Theatertextes Das weiße Zimmer. Mit zwei deutschen und drei chinesischen Schauspielern versuche ich dabei täglich, die Gratwanderung zwischen den unterschiedlichen Arbeitsweisen und den sehr verschiedenen theaterästhetischen Auffassungen der beteiligten Länder in der Inszenierung widerzuspiegeln bzw. sichtbar zu machen. Der diesem Abenteuer zugrunde liegende Probenprozess ermöglichte einen von Überraschung, Staunen und Unverständnis aber auch Begeisterung begleiteten Weg einer kulturellen Annäherung, der wahrscheinlich so nur im Theater möglich ist.

Die große Unterstützung der Mitarbeiter des Qingdaoer Theaters, ihre Herzlichkeit und Gastfreundschaft halfen uns über manche anstrengende Strecke und wir freuen uns jetzt alle auf die Premiere am 11. Juni.

2) Wann und wie kamen Sie zum ersten Mal in Berührung mit China?

In meiner Kindheit durch das Märchen Die chinesische Nachtigall.

3) In welcher Weise hat die Begegnung mit China Ihr Schaffen oder Ihr Leben beeinflusst?

Es gab viele Situationen hier, in denen ich – völlig auf mich selber zurückgeworfen – feststellen konnte, dass alle gewohnten Denk- und Verhaltensmuster keine Hilfe mehr sind. Die Erfahrung, dass nur große Offenheit dem Fremden, dem Anderen gegenüber und das Vertrauen, dass auch Wege, die ich nicht kenne, die ich mir nicht einmal vorstellen kann, zu einem gemeinsamen Ziel führen, wird mein Leben sicher beeinflussen.

4) Was war Ihr schönstes Erlebnis in China?

Momente während der Proben, bei denen die Verständigung zwischen den chinesischen Schauspielern und uns Deutschen schneller war als die Übersetzung. Diese Erfahrung, dass es eine Sprache jenseits der Sprache gibt, ist sehr beglückend.

5) Was war Ihr unerfreulichstes Erlebnis in China?

Der Anblick meines Rückens nach der ersten Schröpfbehandlung hier in China.

6) Haben Sie eine chinesische Lieblingsspeise?

Quallensalat nach Qingdao-Art.

7) Was ist für Sie „typisch chinesisch“?

Die große Aufmerksamkeit jedes Einzelnen auf das Wohlergehen des Anderen.

8) Welche Kulturleistung aus China beeindruckt Sie am meisten?

Die Vielfalt der chinesischen Küche, das Essen an runden Tischen und das Teilen jeder Speise, die aufgetragen wird.

9) Mit wem in China würden Sie gerne einen Tag tauschen?

Mit dem Wind.

10) Welche Gewohnheit oder Idee aus China würden Sie gerne in Deutschland übernehmen?

Die meist unbeschwerte Heiterkeit im Sein.