Porträt Miao Xiaochun (缪晓春)

Miao Xiaochun
Miao Xiaochun | © Miao Xiaochun

Im Oktober 2012 wird der vielseitige Künstler an dem Ausstellungsprojekt China Public Art in Kassel teilnehmen.

Der Künstler Miao Xiaochun, 1964 in Wuxi (Provinz Jiangsu) geboren, studierte an der Nanjing University deutsche Sprache und Literatur und erwarb einen M.A. an der China Central Academy of Fine Arts (CAFA). 1996 kam er erstmals nach Deutschland und begann ein Studium an der Kunsthochschule Kassel. Nachdem er dort 1999 einen weiteren Master gemacht hatte, ging er nach China zurück, wo er bis heute an der CAFA unterrichtet. Im Mai 2002 erschien im People's Fine Arts Publishing House sein Buch From East to West and Back to East über die Kunsthochschule Kassel und sein Leben als Auslandsstudent.

In seinen frühen Jahren hat sich Miao Xiaochun vor allem der Ölmalerei gewidmet. In den 1990er Jahren fing er an, parallel in verschiedenen Bereichen wie Fotografie, Malerei und 3D-Computeranimation zu arbeiten. Sein fotografisches Werk setzt sich einerseits mit dem Vergleich und dem Austausch zwischen der westlichen und östlichen Kultur auseinander, andererseits reflektiert es auch den Zusammenprall von Tradition und Moderne im Zuge der rasanten Modernisierungs- und Urbanisierungsprozesse. In den letzten Jahren thematisiert er in einer Serie von auf Digitaltechnik basierenden 3D-Animationen und Bildern unter anderem die Konflikte innerhalb der zivilisatorischen Entwicklungsgeschichte, die menschlichen Sehnsüchte in Gestalt von moderner Technologie und das kulturelle Gedächtnis. Miao Xiaochun ist ein sehr produktiver Künstler, dessen Werke immer wieder auf Gruppenausstellungen weltweit gezeigt werden und in vielen internationalen Sammlungen wie etwa dem Museum of Fine Arts in Boston oder dem Museum of Modern Art in New York vertreten sind.

Im April 2012 moderierte Miao Xiaochun an der Central Academy of Fine Arts in Peking eine vom Goethe-Institut organisierte Diskussionsveranstaltung mit der deutschen Fotografin Hilla Becher.

1) Womit haben Sie sich in der letzten Zeit beschäftigt?

Ich bin 2012 an einer Ausstellung bei der ersten Kiew-Biennale in der Ukraine beteiligt, ebenso stelle ich bei der Themenausstellung der Guangzhou Triennale und der Shanghai Biennale aus. Überall dort werde ich aktuelle, praktisch eigens für die Ausstellungen angefertigte Werke zeigen. Im Oktober wird es noch ein Ausstellungsprojekt zur „China Public Art" in Kassel geben, Teil der Veranstaltungsreihe zum Kulturjahr Chinas in Deutschland 2012.

2) Wann und wie kamen Sie zum ersten Mal in Berührung mit Deutschland?

1982 habe ich an der Nanjing University mein Studium der deutschen Sprache und Literatur aufgenommen. Ich lernte von morgens bis abends Deutsch, das waren die ersten Berührungen mit Deutschland. Ab 1996 habe ich vier Jahre lang ununterbrochen in Deutschland gelebt und studiert, das waren dann tiefer gehende Berührungen mit dem Land.

3) In welcher Weise hat die Begegnung mit Deutschland Ihr Schaffen oder Ihr Leben beeinflusst?

Ich habe gelernt, meinen Schreibtisch ganz fix aufzuräumen.

4) Was war Ihr schönstes Erlebnis in Deutschland?

Praktisch während der gesamten Dauer meiner Abschlussarbeit, die ich 1999 anfertigte, konnte ich auf die Hilfe von Freunden oder auch mir unbekannten Menschen zählen – einfach fantastisch. Das war ein schöner und produktiver Sommer.

5) Was war Ihr unerfreulichstes Erlebnis in Deutschland?

Meine Unverträglichkeit gegenüber allen Speisen, in denen Käse enthalten ist.

6) Haben Sie eine deutsche Lieblingsspeise?

Eisbein mit Sauerkraut und Kartoffelklößen.

7) Was ist für Sie „typisch Deutsch“?

Beharrlich nach Plan vorzugehen, ohne nach rechts oder links zu schauen.

8) Welche Kulturleistung aus Deutschland beeindruckt Sie am meisten?

So manches Werk der klassischen Musik kann man sich ohne Überdruss immer wieder anhören, und in vielen Städten Deutschlands gibt es mindestens ein beachtliches Kunstmuseum, das man ohne Überdruss immer wieder besuchen kann.


9) Mit wem in Deutschland würden Sie gerne für einen Tag tauschen?

Mit Kant. Jeden Tag lesen und nachdenken, essen und spazieren gehen. Ein Tag verginge wie ein Jahrzehnt, ein Jahrzehnt wie ein Tag.

10) Welche Gewohnheit oder Idee aus Deutschland würden Sie gerne in China übernehmen?

Ich fürchte, eine Gewohnheit oder Idee, die ich mir nicht selbst zu eigen gemacht habe, ließe sich kaum nach China mitnehmen; wenn sich etwas bereits zu meiner eigenen Gewohnheit oder Idee entwickelt hat, dann ist es mir schon so zur zweiten Natur geworden, dass sich nicht mehr ausmachen lässt, woher ich es habe.