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Porträt
Wang Jiaxin (王家新)

Wang Jiaxin
Wang Jiaxin | © Wang Jiaxin

Im März 2011 stellt Wang Jiaxin in Deutschland eine Auswahl seiner von Wolfgang Kubin übersetzten Gedichte vor.

Der Lyriker und Literaturwissenschaftler Wang Jiaxin wurde 1957 als Sohn eines Mittelschullehrers in der Provinz Hunan geboren. Schon als Schüler begann er, Gedichte zu schreiben. Nachdem er während der Kulturrevolution als sogenannter „gebildeter Jugendlicher“ für drei Jahre zur körperlichen Arbeit aufs Land verschickt worden war, konnte er 1977 ein Literaturstudium an der Universität Hunan aufnehmen. Wang Jiaxin ist heute als Professor für Literaturwissenschaft an der Renmin University of China in Peking tätig.

Wang Jiaxin zählt als Vertreter der posthermetischen Schule zu den derzeit einflussreichsten Lyrikern Chinas. In seiner schlichten Sprache erreicht er eine emotionale Tiefe, aus der heraus er Alltägliches wie Politisches verhandelt und immer wieder Bezüge außerhalb des chinesischen Kulturkreises sucht. Darüber hinaus hat sich Wang Jiaxin auch als Kritiker zeitgenössischer Lyrik und als Übersetzer, vor allem von Paul Celan, verdient gemacht. Wang Jiaxins Lyrik wurde bereits in zahlreiche Sprachen übersetzt. Im März 2011 stellt er in Deutschland einen Band mit einer Auswahl seiner von Wolfgang Kubin übersetzten Gedichte vor.

1) Womit haben Sie sich in der letzten Zeit beschäftigt?

Ich schreibe Aufsätze und Gedichte, unter anderem ein Vorwort für einen Band mit Gedichten des Sinologen und Lyrikers Wolfgang Kubin. Der Gedichtband erscheint in Kürze in Taipei. Außerdem sitze ich an einem Manuskript für einen Verlag, einer Monographieüber den deutschsprachigen jüdischen Dichter Paul Celan.

2) Wann und wie kamen Sie zum ersten Mal in Berührung mit Deutschland?

Zum ersten Mal fuhr ich 1992 für eine Lesung an der Universität Köln nach Deutschland. Die ersten Berührungspunkte gab es aber schon, als ich in meiner Jugend mit deutscher Literatur in Kontakt kam.

3) In welcher Weise hat die Begegnung mit Deutschland Ihr Schaffen oder Ihr Leben beeinflusst?

Auf alle Fälle haben mich die deutsche Literatur, Philosophie und Musik geprägt. Jene die deutsche Literatur durchdringende Ernsthaftigkeit, die sprachliche Prägnanz und die metaphysische „Frage nach dem Sein“ haben mich in meinem Denken und Schreiben gleichermaßen beeinflusst.

4) Was war Ihr schönstes Erlebnis in Deutschland?

Am schönsten waren die Tage, die ich schreibender Weise in der Akademie Schloss Solitude bei Stuttgart sowie im Künstlerhaus Villa Waldberta am Starnberger See bei München verbracht habe. In den letzten zwei Jahrzehnten war ich immer wieder in Deutschland und bin jedes Mal mit wunderschönen Erinnerungen zurückgekommen. Für mich war das jedes Mal ein „Fest“.

5) Was war Ihr unerfreulichstes Erlebnis in Deutschland?

Die unerfreulichste Erfahrung war die Ausländerfeindlichkeit mancher Deutscher. Ich habe das bei einer mit mir befreundeten ostdeutschen Künstlerin erlebt. Wir hatten darüber eine heftige Diskussion, doch keiner konnte den anderen überzeugen.

6) Haben Sie eine deutsche Lieblingsspeise?

Mir schmeckt deutsches Bier und deutsches Brot. Auch die Münchener Schweinshaxe gilt zu Recht als einmalig, die kriegen selbst die Chinesen so nicht hin.

7) Was ist für Sie „typisch deutsch“?

Für mich ist die Musik von Beethoven und Brahms „typisch deutsch“.

8) Welche Kulturleistung aus Deutschland beeindruckt Sie am meisten?

Die deutsche Musik, Philosophie und Lyrik haben mich natürlich am tiefsten beeindruckt. Sie sind die Essenz der deutschen Kultur.

9) Mit wem in Deutschland würden Sie gerne einen Tag tauschen?

Wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich gerne einen Tag mit einem freischaffenden Künstler in Berlin tauschen.

10) Welche Gewohnheit oder Idee aus Deutschland würden Sie gerne in China übernehmen?

Ich würde gerne die Gewissenhaftigkeit der Deutschen und ihr Streben nach Perfektion und Absolutheit in unser Leben einbringen.

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