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Fokus: Hochschulbildung
Wege zur Erschließung des kreativen Potenzials

Bu Xiting
Bu Xiting | © Bu Xiting

Bu Xiting (卜希霆) von der Communication University of China identifiziert verschiedene Gründe, weshalb Kreativität und Innovation an chinesischen Universitäten derzeit wenig Chancen haben.

Die Universitäten sind Chinas wichtigster Ort zur Ausbildung von Spezialisten, wobei das Wesensmerkmal von Spezialisten in der Kreativität liegt. Im 21. Jahrhundert wird die Nachfrage nach Fachleuten mit kreativem Potenzial absolut zentral sein. In der Ära der Wissenswirtschaft zählen Pioniergeist, Innovationsbewusstsein und Kreativität zu den wichtigsten Qualitäten der Menschen. Daher ist es die gemeinsame und heilige Pflicht der chinesischen Universitäten und auch von Hochschulen weltweit, Fachkräfte auszubilden, die über Innovationsgeist und Kreativität verfügen.

Gegenwärtig wird kreatives Denken an chinesischen Universitäten zu wenig trainiert und geschult. Demzufolge ist der Mangel an Schöpfergeist und Innovationsbewusstsein für die chinesischen Studenten das vordringlichste Problem. Es sind vor allem die folgenden Aspekte, die zu dieser Situation geführt haben:

Zunächst unterscheidet sich das chinesische Bildungssystem fundamental von jenen im Ausland. Seit geraumer Zeit hat das in China praktizierte prüfungsorientierte Bildungssystem, welches Sieger nach Noten bestimmt, Phantasie und Einfallsreichtum der Schüler bis zu einem gewissen Grad eliminiert. Zweitens führt die Aufteilung der oberen Sekundarstufe der Mittelstufe in einen sprachlichen und einen naturwissenschaftlichen Zweig dazu, dass interdisziplinäre Experten, welche den Entwicklungsbedürfnissen des 21. Jahrhundert entsprächen, gar nicht erst groß werden; drittens lässt der durch traditionelle Vorstellungen geprägte Unterricht der Lehrenden eine lockere und lebendige Lernatmosphäre vermissen. Den Studierenden wird keine Gelegenheit gegeben, ihre Intelligenz und ihre Talente zu zeigen, und der traditionelle Unterrichtsstil hemmt die Persönlichkeitsentwicklung der Studierenden und die Entfaltung ihres kreativen Potenzials; viertens hindern die unflexiblen Lernmethoden, nach denen man nur Fakten lernt und sich nicht mit Ursachen beschäftigt, die Studenten daran, ihre Fähigkeiten zum Wissenserwerb zu entwickeln.

All das oben Genannte steht in krassem Gegensatz zu dem Modell, nach dem man an internationalen Spitzenuniversitäten Fachleute ausbilden sollte. Dort „baut man Brücken, um unbekannte Welten zu erforschen, indem man Wert darauf legt, die Studenten zum Denken anzuregen, ihren Intellekt zu entfalten, ihre Kreativität zu erschließen und ihr Wissensspektrum stetig zu vergrößern.“

Die Frage ist nun, auf welche Weise unsere Universitäten das kreative Potenzial der Studenten fördern sollten.

In der Hochschulbildung müssen sich die Vorstellungen von Bildung und Lehre gründlich wandeln. Um kreative Studenten auszubilden, müssen die entsprechenden Kettenglieder von Erziehung und Lehre umfassend optimiert werden. Das heißt, der Irrweg einer prüfungsorientierten Bildung muss korrigiert, die Trennung zwischen sprachlichem und naturwissenschaftlichem Zweig aufgehoben und ein kreativer Lehrkörper geschaffen werden.

Beim Durchbrechen der prüfungsfixierten Bildungsbarriere hat die South University of Science and Technology in Shenzhen als Pilothochschule im Rahmen der Generalreform der staatlichen Hochschulbildung einen mutigen Vorstoß gewagt. Auch wenn eine einzelne Universität an der Gesamtsituation einer prüfungsorientierten Bildung noch nichts zu ändern scheint, ist das doch immerhin ein Auftakt zum Wandel. Bei den Bildungsreformen von Hunan, Shandong und anderen Provinzen hingegen wurde die Aufhebung der Trennung zwischen Sprache und Naturwissenschaften zu einem wichtigen Test. Gleichzeitig ist es an den Dozenten, Missstände in der Lehre auszuräumen, etwa wenn man „nur auf Wissensvermittlung, aber nicht auf die Ausbildung von Methoden und Kompetenzen Wert legt; wenn man nur das Ergebnis betont, aber dabei den dynamischen Prozess der Problemlösung außer Acht lässt oder wenn man nur auf die Anhäufung von Wissen setzt und dabei die Kreativität des Wissens ignoriert“.

Man sollte die Studierenden vor allem dazu anzuleiten, ihre Kreativität in der Praxis zu entfalten. Schon im 19. Jahrhundert hatte der deutsche Pädagoge Humboldt den Schulterschluss von Hochschullehre und wissenschaftlicher Forschung gefordert. Wenn sich Studierende unter Anleitung und Unterstützung der Lehrenden der wissenschaftlichen Forschung widmen, macht das die Lehre de facto zu einem Prozess, bei dem Kreativität in der Praxis gefördert und realisiert wird. Die praktische Umsetzung ist per se ein wertvoller Weg, um Kreativität zu schulen. Deshalb müssen die Studierenden dazu ermutigt und dahingehend organisiert werden, sich aktiv an der praktischen Feldforschung zu beteiligen, um einerseits das erworbene Wissen in der Praxis anzuwenden und andererseits über die praktischen Aktivitäten Neues zu erfahren und neue Kenntnisse zu erwerben, die nicht in Büchern stehen, um sich schließlich selbst zu verbessern, zu bereichern und die eigene Kreativität zu entwickeln.

Bei den Studierenden sollte man Wert auf die Ausbildung der „fünf Quotienten“ legen. IQ und EQ bilden bei den Studenten das Fundament ihrer kreativen Fähigkeiten, wohingegen FQ, SQ und AQ Garanten für die Entwicklung des kreativen Potenzials sind. IQ steht für den Intelligenzquotienten. Dieser repräsentiert Auffassungsgabe, Gedächtnisleistung, Intellekt, Vorstellungsvermögen, Kreativität sowie das Vermögen, Probleme zu analysieren und zu lösen. EQ ist die Abkürzung für den Emotionalen Quotienten und bezeichnet die Fähigkeit eines Menschen, die eigenen Empfindungen einzuordnen, mit Affekten und Wut kontrolliert umzugehen, rational zu handeln und bei allen Herausforderungen eine gelassene und positive Einstellung zu bewahren. FQ steht im Englischen für den „Financial Quotient“. Im ursprünglichen Wortsinn bezieht er sich auf den Intelligenzquotienten in finanziellen Dingen, doch bei den Studierenden zeigt er sich eher in ihrer Kalkulations- und Planungskompetenz. SQ ist die Abkürzung für den „Scientific Quotient“ und bezeichnet summa summarum die Kompetenzen einer wissenschaftlichen Betriebsführung. AQ leitet sich von dem „Artistic Quotient“ ab, als die Methode des Menschen, die Welt über die Kunst zu erkennen, wahrzunehmen und zu bewerten. Der AQ bezieht sich auf ein gewisses künstlerisches Wahrnehmungs- und Urteilsvermögen und bildet außerdem die Basis der Kreativität. Indem die „Fünf Quotienten“ universal gefördert werden, kann bei den Studierenden ein solides Fundament für die Ausbildung ihrer kreativen Kompetenzen gelegt werden.

Innovation ist die Seele des nationalen Fortschritts. Noch mehr bilden Phantasie, Kreativität und Innovationskraft eine unerschöpfliche Triebkraft für die Prosperität und den Fortschritt eines Landes. Auch sind sie eine wichtige Messlatte für die Qualität der Spezialisten in unserer neuen Zeit. Das 21. Jahrhundert ist eine Epoche, die gleichermaßen Chancen und Herausforderungen bereithält. Daher ist es wünschenswert, dass die chinesischen Universitäten in der Lage sind, sich den Erfordernissen der Zeit anzupassen und ihren Beitrag zur Ausbildung innovativer Fachkräfte zu leisten.

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