Interview mit Xue Xinran „Geschichte braucht Ehrlichkeit und Fairness"

Überlandbus mit Arbeitern, Jiangsu 1969
© Xue Xinran

„Es ist für Chinesen nicht einfach, öffentlich über ihre wahren Gefühle zu sprechen“, schreibt die Journalistin Xue Xinran (薛欣然) in ihrem Buch Gerettete Worte: Reise zu Chinas verlorener Generation. Hier spricht Xinran u.a. über seine Entstehung und die Reaktionen von Lesern.

In den vergangenen 100 Jahren hat China dramatische Umwälzungen durchgemacht. Dem Ende der Kaiserzeit 1911 folgten Warlords, japanische Besetzung, Bürgerkrieg und die Gründung der Volksrepublik 1949, die Frieden, aber auch immer wieder neue politische Kampagnen brachte. Die letzten 30 Jahre katapultierten das Land im Zeitraffer in die Moderne, die Ende 1978 postulierte Periode von „Reform und Öffnung“ wurde 2008 medial ausgiebig rekapituliert und bejubelt. Was aber geschah davor? Die physischen Zeugnisse der Vergangenheit verschwinden im anhaltenden Bauboom, es gestaltet sich zunehmend schwieriger, eine Verbindung selbst zur jüngeren Geschichte herzustellen. Angesichts der radikalen Veränderungen in der Gesellschaft und im Stadtbild zweifeln Zeitzeugen an ihren eigenen Erinnerungen, die für ihre Kinder und Enkel kaum noch fassbar sind. In der Übermittlung von Geschichte bleiben die Jahre nach der Gründung der Volksrepublik weitgehend im Dunklen – und die Generation, die sie geprägt hat, verschwindet allmählich.

Deren Lebensgeschichten – ihre Leiden, Opfer, aber auch Freuden und Erfolge – für die nachfolgenden Generationen zu bewahren, war das Anliegen der Journalistin Xue Xinran (薛欣然), als sie die Arbeiten zu dem Buch China Witness – Voices from a Silent Generation begann. 2007 führte sie Interviews mit rund 20 Chinesen im Alter von 70 bis über 90 Jahren, zwischen Shandong im Osten und Xinjiang im äußersten Westen. Unter ihnen ein Polizist, ein Teilnehmer des Langen Marsches, eine Schuhflickerin, eine Generalin, Chinas Erdölpioniere, eine Akrobatin...

Das Projekt war von Ängsten und Zweifeln begleitet, denn, wie Xinran im Vorwort schreibt, „es ist für Chinesen nicht einfach, offen und öffentlich über ihre wahren Gedanken und Gefühle zu sprechen.“ Genau dies aber war der Anspruch des Buches. Sein Zustandekommen zeigt, dass es der Journalistin gelungen ist, sich ihren Interviewpartnern, von denen sie die meisten seit über 20 Jahren kennt, frei von Wertungen anzunähern. So bieten die aufgezeichneten Gespräche authentische, faszinierende und oft sehr bestürzende Einblicke in einzelne Schicksale „ganz normaler Menschen“. Mit ihrer Herangehensweise fordert Xinran ihre Leser auf, es ihr gleich zu tun: sich von etablierten Vorstellungen von „richtig“ oder „falsch“ zu lösen und das Leben in all seinen Schattierungen zu akzeptieren. Die vorliegenden Zeugnisse aus der Vergangenheit sollen einen Beitrag dazu leisten, das heutige China besser zu verstehen.

Unterstützt wurde Xinran während der Interviewreise von einem Team chinesischer Studenten, das Ergebnis sind 100 Stunden Filmmaterial – ein wertvoller Schatz, der hoffentlich noch weiter ausgewertet werden kann. China Witness wurde im Oktober 2008 auf Englisch herausgegeben, die deutsche Ausgabe erscheint im Herbst 2009 unter dem Titel Gerettete Worte: Reise zu Chinas verlorener Generation im Verlag Droemer/Knaur.

Xue Xinran, die unter ihrem Vornamen Xinran publiziert, wurde 1958 in Peking geboren. Nach ihrem Studium arbeitete sie zunächst 3 Jahre für einen Fernsehsender in Henan bevor sie 1992 zu Jiangsu Broadcasting in Nanjing wechselte. Hier wurde sie mit der spätabendlichen Sendung Words on the Night Breeze bekannt, in der sie Hörern und vor allem Hörerinnen für Gespräche zur Verfügung stand. Auszüge aus diesen zum Teil erschütternden Gesprächen erschienen unter dem Titel Verborgene Stimmen 2005 bei Droemer Knaur. Seit 1997 lebt Xinran in England.
 

Maja Linnemann und Zheng Hong sprachen im November 2008 in Peking mit Xinran.

ZH: Haben Sie Ihr Buch Gerettete Worte für die Leser in China oder im Ausland geschrieben?

Xinran: Ursprünglich wollte ich das Buch für mich selbst schreiben. Ich begleite diese alten Leute mittlerweile seit über zwanzig Jahren und habe sie in meiner journalistischen Laufbahn immer als Ratgeber betrachtet, wenn es darum ging, die Gesellschaft zu verstehen oder die aktuelle Situation zu analysieren. Erst als jemand von ihnen starb, merkte ich, dass ihre Kinder ihre Geschichte gar nicht kannten, dass sie die Generation ihrer Eltern sogar als sehr naiv und verblendet ansahen. Das ließ mir keine Ruhe. Ich finde es nicht fair, unsere letzten beiden Generationen so zu beurteilen, auch wenn man sich in China bereits daran gewöhnt hat, die Geschichte einfach in schwarz und weiß, in richtig und falsch einzuteilen. Aber die tatsächliche Geschichte kann so nicht sein. Zu Anfang wollte ich die Erfahrungen und Empfindungen dieser alten Menschen einfach nur dokumentieren, um einige historische Zeugnisse zu ergänzen, die durch die Kulturrevolution vernichtet wurden, und um für mich selbst zu klären, wie die realen Phänomene jener Zeit zu deuten sind.

Nachdem ich nach England emigriert war - und insbesondere nachdem ich in vielen Ländern Vorträge und Lesungen gehalten hatte - war ich schockiert darüber, wie wenig man in den westlichen Gesellschaften über China weiß: An den Universitäten gibt es kaum Fachbücher zur chinesischen Geschichte, chinesischen Kultur oder aktuellen Gesellschaftsentwicklung, die dem Bildungsumfang und dem Bildungsniveau der Hochschulen gerecht würden.

Die China-Berichterstattung der Medien ist überwiegend „Ausschussware“, die Informationen und Vorstellungen sind noch im China der 80er Jahre verhaftet. Chinas fünftausendjährige Geschichte, seine reiche Kunst und Kultur, seine Bevölkerung, die ein Fünftel der Menschheit ausmacht, reduzieren sich bei einem Großteil der Europäer und Amerikaner auf folgendes „China-Wissen“: Chinesische Imbissküche, Stäbchen, grüner Tee und die Kulturrevolution Maos. Auch wenn man uns nicht mehr als Menschen mit langen Zöpfen oder als ein Volk, das nur Fahrrad fahren kann, sieht, haben die Leute doch nicht die geringste Ahnung, was wir Chinesen in den letzten hundert Jahren durchgemacht haben und warum wir ein so andersartiges System und Bewusstsein haben. Dies liegt nicht allein an Kulturunterschieden, sondern vielmehr an den historischen Prägungen des vergangenen Jahrhunderts. Wenn die Menschen im Westen unsere jüngste Geschichte nicht kennen, wie sollen sie dann verstehen, warum die letzten beiden Generationen Chinas dem politischen Extremismus Mao Zedongs ohne Rücksicht auf ihre familiären Bindungen gefolgt sind? Wie sollen sie sich erklären, woher China heute das Potenzial für seine rasante Entwicklung nimmt? Wie sollen sie nachvollziehen, dass die Chinesen seit über hundert Jahren von den Olympischen Spielen träumten? Und wie sollen sie wissen, warum es den Chinesen so schwer fällt, sich offen über ihre Gedanken und Gefühle zu äußern?

In die Recherchen und die Entstehung des Buches waren über hundert chinesische Studenten eingebunden. Fast alle zeigten sich sehr überrascht, ja konnten kaum glauben, was sie in den Interviews zu hören bekamen. Die Studenten sagten erstens, dass sie viele Lebensumstände jener Zeit nicht verstünden; zweitens wüssten sie mit den Namen der historischen Persönlichkeiten und Ereignisse, von denen sie niemals gehört hatten, nichts anzufangen; und drittens seien die von den alten Leuten verwendeten Ausdrücke im Computer oft nicht zu finden. Erst da wurde mir bewusst, dass die junge Generation durch den Computer zu einer Generation genormt wurde, die nur in den Kategorien von „Treffer“ oder „kein Treffer“ denkt, aber Geschichte lässt sich in ihrer Grenzenlosigkeit ja nicht in einen Computer packen, Menschen, Dinge und Ereignisse der weit zurückreichenden Geschichte spielen sich in unendlich vielen einzelnen Biographien ab. Als ich das Material auswertete, kam ich also zu der Auffassung, das Buch solle von den jungen Menschen in China gelesen werden, denn dadurch könnten sie etwas über die Geschichte der eigenen Eltern- und Großelterngeneration erfahren. Wenn sie nichts über diese wahre Vergangenheit wissen, können sie ihre Vorfahren nicht verstehen und nicht respektieren und können auch nicht begreifen, dass wir die Geschichte nicht nach unseren Vorstellungen manipulieren, kontrollieren oder verändern können.

ML: Warum wissen die jungen Leute in China Ihrer Ansicht nach so wenig über die Geschichte ihrer Elterngeneration?

Xinran: Das hat erstens mit unserer traditionellen Kultur zu tun. Ein wichtiger Aspekt der konfuzianischen Sitten und Konventionen ist die hierarchische Rangordnung zwischen den Menschen. Das erste, was wir im Laufe unseres Heranwachsens und unserer Erziehung lernen, ist, dass man ältere und ranghöhere Menschen nicht anzweifelt. In modernen Zivilisationen wird diese Tradition nicht mehr für gut befunden, aber für uns Chinesen ist sie so selbstverständlich wie der Wechsel der Jahreszeiten oder die Tatsache, dass die Sonne im Osten auf- und im Westen untergeht. So haben sich auch heute viele Auslandschinesen, selbst wenn sie im „demokratischen“ und „freien“ Amerika leben, noch nicht daran gewöhnt, Dinge zu hinterfragen. Dieses Problem ist nicht, wie der Westen meint, auf die gegenwärtige Regierungspartei zurückzuführen, es ist ein Teil der chinesischen Tradition. Bei meinen Gastvorlesungen an über zwanzig internationalen Universitäten wurde ich immer wieder von Professoren gefragt, wie sie damit umgehen sollten, dass chinesische Studierende keine Fragen stellen. Ich habe ihnen geantwortet, es sei nicht so, dass chinesische Studenten keine Fragen stellten, sondern dass ihr Bewusstsein darauf getrimmt sei, den Lehrer zu respektieren, wobei die Fähigkeit, zu hinterfragen, verloren gegangen sei. Im westlichen Bildungssystem soll der Schüler die Ansichten des Lehrers unbedingt in Frage stellen. Bedauerlicherweise scheint nur wenigen Menschen klar zu sein, wievielen Jugendlichen durch unser vereinfachtes „gut und schlecht“ der Mut genommen wurde, nachzudenken und die Zukunft neu zu erfinden.

Zweitens war das letzte Jahrhundert das unruhigste und unfassbarste innerhalb der chinesischen Geschichte. Das liegt daran, dass wir Chinesen, als wir uns nach einer beinahe zweitausendjährigen Herrschaftsgeschichte auf einmal gewahr wurden, dass der Kaiser nicht weiter der Messias sein würde, Panik davor hatten, nun ganz ohne Richtschnur Urteile über „richtig“ oder „falsch“ zu fällen. Seit jeher war in China der Kaiser das Gesetz, die Untertanen wurden beim kleinsten Fehltritt einen Kopf kürzer gemacht und in Sippenhaft genommen. Deshalb hatten die Chinesen große Angst, etwas Falsches zu sagen oder zu tun. In der Vergangenheit fürchteten viele Familienoberhäupter, ihre Kinder könnten in jugendlichem Leichtsinn moralische Konventionen verletzen und die ganze Familie oder sogar die ganze Sippe mit hineinziehen. Dieser tief verwurzelte Einfluss des Politischen auf die Kultur überschattet noch heute einen Teil der Chinesen, insbesondere die älteren Generationen. Wer das vergangene Jahrhundert mit seinen Kriegen und Katastrophen, den unsicheren Zeiten, in denen das Leben an einem seidenen Faden hing, überlebt hat, dem kann in jedem Fall Weisheit und Mut nachgesagt werden, aber die Mehrheit von ihnen traut sich nicht, die wahren Geschichten von damals offen zu legen. Es geht um einen Teil der Geschichte, der mit heutigen Wertvorstellungen nicht zu interpretieren und zu würdigen ist. Chinesen können Hab und Gut verlieren, aber nicht das Gesicht.

Drittens meine ich persönlich, dass die Modernisierung der Industrieländer seit den 1950er Jahren bis heute noch an Fahrt gewonnen hat, während die Führungskader der Kommunistischen Partei in China nach 1949 – nach beinahe einem halben Jahrhundert der Kriegswirren – überwiegend ungebildete Arbeiter, Bauern und Soldaten waren. Dies blockierte ganze Führungsgenerationen in China: Viele Kader verstanden nichts von modernen Systemen und modernem Management, ihr Denken blieb einem bäuerlichen Bewusstsein verhaftet. Auch die westlichen Industriestaaten kämpften 250 Jahre lang, bis sie zu einem modernen demokratischen Republikanismus fanden. Aber die chinesische Reform- und Öffnungspolitik gibt es erst seit dreißig Jahren. Ein so kurzer historischer Prozess kann unmöglich eine vollständige Rationalisierung des Bewusstseins und des Systems bewirken.

ML: Ganz am Anfang der Buchidee war Ihr erstes Gefühl: Das ist ein Ding der Unmöglichkeit, weil die Interviewpartner ihre wahren Empfindungen über die Geschichte nicht publik machen wollen. Wie haben Sie das Unmögliche möglich gemacht?

Xinran: Ich habe niemals aus der Warte dessen, was wir heute als „richtig“ und „falsch“ ansehen, mit ihnen über ihre persönlichen Erfahrungen gesprochen. Ich habe sie einfach gebeten, ihre Erinnerungen und damaligen Empfindungen zu schildern. Ich wusste, dass unser Dialog auch den in der Geschichte vergrabenen Hass und Gram lösen würde, dass es ihnen leichter ums Herz würde, wenn sie es ausgesprochen hätten. Aber den meisten fiel es sehr schwer, ihre „wahren“ Gedanken und Gefühle öffentlich zu äußern. Früher lebten die Menschen in der Angst, für aufrichtige Worte politisch bestraft zu werden, heute möchten sie nicht, dass ich ihre persönlichen Erfahrungen nach außen trage, weil sie befürchten, sie könnten sich von ihren Kindern den Vorwurf der Dummheit einhandeln.

Ich habe ein Interview mit einer Familie aus der Erdölbranche geführt, das Ehepaar gehörte im „Neuen China“ zu den Erdölspezialisten der ersten Generation. Um sich ganz ihrer Arbeit, der Suche nach Öl, widmen zu können, schickten sie ihre noch ganz kleinen Kinder während der ersten Jahre der Volksrepublik aufs Land, um sie dort von den Großeltern aufziehen zu lassen. Als die Eltern in den 80er Jahren die Möglichkeit hatten, ihre Kinder zu sich zu holen, waren diese bereits über dreißig und hatten kaum ein Mindestmaß an Bildung genossen. Wie schmerzhaft muss es für die so erfolgreichen Eltern sein, mit dem Versäumnis an ihren Kindern konfrontiert zu werden. Jede Mutter, jeder Vater weiß, dass die meisten Eltern ihrem Nachwuchs nur das Allerbeste zukommen lassen wollen. Am wenigsten wollen sie, dass es ihre Kinder schlechter haben als andere. Aber jenes alte Ehepaar hat nicht nur das eigene Leben für die Erfordernisse des Staates gegeben, sondern auch das Lebensglück der eigenen Kinder geopfert. Welcher junge Mensch könnte heutzutage ihren täglichen Gram darüber wirklich nachempfinden? Auch im Ruhestand ist es ihnen unmöglich, ihren Lebensabend in Frieden zu genießen, denn um das Versäumnis an ihren Kindern wieder gutzumachen, hilft das alte Pärchen tagtäglich die Enkelkinder zu betreuen. Sie gehen niemals auf Reisen, sondern überlassen das Beste in ihrem Leben – Essen, Wohnraum und andere Dinge – komplett ihren Kindern. Die beiden Alten erzählten mir, dass sie oft von Außenstehenden gefragt würden, ob es denn gerecht sei, dass sie, als sie jung waren, alles für das Land gegeben hätten und sich nun für die Kinder abrackerten. Sie haben darauf keine Antwort, denn Hingabe und Liebe sind bedingungslos.

Der Bildungsstand der Kinder trägt hingegen gar nichts dazu bei, für die eigenen Eltern Verständnis aufzubringen. „Wir sind doch auch Menschen“, beklagen sie sich, „alles Schöne, was uns in unserem Leben zugestanden hätte, ist uns durch ihr Opfer vorenthalten worden. Ist das etwa fair uns gegenüber?“ Als ich das hörte, war mir klar, auch sie haben das Recht, sich zu beschweren. Genau das ist meiner Meinung nach der Grund, weshalb wir Chinesen uns über die „wahre Vergangenheit“ aussprechen müssen. Wie kann es denn gegenseitiges Vertrauen und Liebe geben, wenn zwischenmenschliches Verständnis und Empathie fehlen? Welche Familie auf der Welt will schon mit Angst und Vorwürfen leben?

ML: Warum können viele Studenten nicht glauben, was die alten Leute berichten?

Xinran: Wie wir alle wissen, werden nicht nur in den Großstädten viele Einzelkinder von den Eltern mit dem Auto zur Schule kutschiert und wieder abgeholt, sogar in kleineren Orten werden manche Oberstufenschüler noch von Familienmitgliedern über die Straße begleitet. Ich finde das einfach unvorstellbar. Jedoch ist das noch nicht das Beunruhigendste. Was mir am meisten Sorgen bereitet, ist, dass die Kinder weder im Unterricht, noch in der Gesellschaft, in der sie leben, noch in den Familien, in denen sie aufwachsen, ausreichend über die Geschichte informiert werden und auch die Familiengeschichte nicht vermittelt bekommen. Die Geschichte ist das Fundament für die Gegenwart und die Zukunft, ohne historisches Grundwissen weiß man nicht, woher man kommt, wie können wir also sicher sein, dass sich die Fehler und Katastrophen der Vergangenheit in Zukunft nicht wiederholen? Die Defizite der Geschichtserziehung sind eine Art Deformation der heutigen Gesellschaft. Unsere chinesische Gesellschaft will den materiellen Fortschritt zu sehr und zu schnell und hat es darüber versäumt, den Menschen ein Umfeld für die Aufarbeitung der Geschichte zu schaffen. Und da in den Familien der Großteil der Eltern in der Vergangenheit viel Not erlitten hat, wollen sie nun für ihre Kinder nur das Beste auf der Welt. Das ist auch der Grund, warum viele chinesische Jugendliche ihre Vorfahren nicht verstehen können, warum sie das, was dem heutigen China zugrunde liegt, nicht achten und warum sie das Glück, am Leben zu sein, weder wahrnehmen noch wertschätzen.