Berlinale-Blogger 2015 Kafka trifft auf die Innere Mongolei: „K“

Szene aus „K", Regie: Emyr ap Richard, Darhad Erdenibulag
Szene aus „K", Regie: Emyr ap Richard, Darhad Erdenibulag | © Berlinale

Auf Grundlage von Kafkas Roman „Das Schloss“ lässt der chinesische Film „K“ ein räumliches Labyrinth bürokratischer Absurdität entstehen.

K ist neben River Road (家在水草豐茂的地方) der Beitrag einer Minderheit Chinas auf der diesjährigen Berlinale. Das beeindruckende Projekt geht über nationale und ethnische Grenzen hinaus. Die zweite filmische Zusammenarbeit der Regisseure Darhad Erdenibulag aus der Inneren Mongolei und Emyr ap Richard aus Wales überträgt Kafkas deutschsprachige Romanvorlage Das Schloss auf einen mongolischen Kontext. Produziert wurde der Film von dem bekannten chinesischen Underground-Regisseur Jia Zhangke (賈樟柯), für Kamera und Schnitt zeichnet der Franzose Matthieu Laclau verantwortlich. Im Gegensatz zu dem verschneiten österreichischen Schauplatz in Michael Hanekes Fernsehadaption des kafkaschen Stoffes, durchquert der lockenköpfige Landvermesser K dieses Mal die grenzenlose innermongolische Steppe und erreicht das Dorf bei grellem Sonnenschein. Geschildert wird der einsame Kampf eines von zwielichtigen Gestalten und unverständlichen Regeln umgebenen Mannes, der sich der Willkür der Bürokratie nicht unterwerfen will. Diese Auseinandersetzung wird von der räumlichen Ästhetik des Filmes widergespiegelt, als K sich in einem Labyrinth aus geschlossenen Räumen verliert. Aneinandergereihte Hotelzimmer, Flure, Wirtshaus und Schule werden von der unsichtbaren, geheimnisvollen Macht des Schlosses kontrolliert und bilden ein Netz, in dem der Landvermesser sich allmählich verfängt. Oft findet sich K in einem Gang mit Räumen auf beiden Seiten wieder, zu denen er keinen Zutritt hat. Zusätzlich verstärken ästhetische Dissonanzen das Unbehagliche und Befremdliche des Ortes. Hellblaue Wände, dunkelblaue Ohrringe, grüne Blätter, rote Teppiche und gelbe Türen sorgen für eine Kulisse, die sowohl bezaubernd, als auch unheimlich ist. Ausgedehnte erotische Szenen sind mit Bigband-Jazz unterlegt. K schwankt zwischen Traum und Wachheit, beide Realitäten sind jedoch gleichermaßen verworren und bedrohlich. Liegt da nicht der Gedanke nahe, dass diese kafkaeske Version der Inneren Mongolei vielleicht eine Art politische Parabel ist.