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Literatur
Stützen für „literarische Brückenbauer“

Das Haus am Wannsee - Literarisches Colloquium Berlin
Das Haus am Wannsee - Literarisches Colloquium Berlin | © Tobias Bohm/LCB

Übersetzer von Lyrik und literarischer Prosa sind die „Brückenbauer“ zwischen den Sprachen und Literaturen dieser Welt. Und da ihre Arbeit anspruchsvoll, ihr Lohn aber häufig karg bemessen ist, gibt es in Deutschland Stipendien, Seminare und Preise, die sie fördern.

Von Dr. Dagmar Lorenz

 

Yang Wuneng (杨武能)aus Chengdu hat zweifellos Schwerstarbeit geleistet: Er hat den „Zauberberg“ nach China versetzt, was heißt: Er hat den dickleibigen Epoche-Roman von Thomas Mann ins Chinesische übersetzt. Eine solche Arbeit erfordert Ruhe, Konzentration – und eine gut bestückte Fachbibliothek. All dies fand Yang Wuneng in Straelen, einer deutschen Kleinstadt am Niederrhein. Hier ist das „Europäische Übersetzer-Kollegium“ angesiedelt, das Literatur- und Sachbuch-Übersetzern aus aller Welt kostenfreie Arbeitsaufenthalte im eigenen Haus gewährt. Neben einer eigenen kleinen Wohnung steht den Stipendiaten eine wohlsortierte Bibliothek zur Verfügung: mit über 110.000 Bänden, darunter 25.000 Lexika. Und nicht zuletzt trägt der Erfahrungsaustausch mit den anderen Übersetzer-Kollegen dazu bei, eine kreative Arbeitsatmosphäre entstehen zu lassen. Um ein solches Aufenthaltsstipendium können sich professionell tätige Übersetzer bewerben, die einen konkreten Übersetzungsauftrag ihres Verlags vorweisen.

Reisen, Arbeiten, Weiterbildung

Das Haus in Straelen bietet aber nicht nur Langzeitaufenthalte. Hier treffen sich auch fremdsprachige Übersetzer mit „ihren“ deutschen Autoren zu sogenannten „Atriumsgesprächen“, finden Fortbildungsseminare für literarische Übersetzer statt. Außerdem kooperiert das vom Land Nordrhein-Westfalen finanzierte Zentrum mit jenen deutschen Institutionen, die durch Stipendien, Förderprogramme und Preise ebenfalls zur Förderung literarischer Übersetzungen beitragen. So schreibt der Deutsche Übersetzerfonds regelmäßig Arbeits- und Reisestipendien für Übersetzer aus, die Werke aus fremden Literaturen – etwa aus dem Chinesischen – ins Deutsche übersetzen. Insbesondere die Reisestipendien sollen dazu beitragen, die landeskundlichen Kenntnisse literarischer Übersetzer aufzufrischen. Und dem Bedürfnis nach ständiger Weiterbildung trägt das „Johann Joachim Christoph Bode-Stipendium“ Rechnung. Dieses Stipendium ist nicht nur mit einem monetären Zuschuss für das eigene Übersetzungsprojekt verbunden – dem erfolgreichen Bewerber wird auch ein erfahrener Kollege zur Seite gestellt, der ihn als Mentor durch die Schwierigkeiten des jeweiligen literarischen Textes lotst.

Literaturen der Welt am Wannsee

Eine wichtige Adresse für Übersetzer deutscher Belletristik ins Chinesische ist zweifellos das „Literarische Colloquium Berlin“, das in einer historischen Villa am Wannsee untergebracht ist – in jenem Haus, in dem einst der Schriftsteller Carl Zuckmayer sein bekanntes Schauspiel Der fröhliche Weinberg verfasst hatte. Das „LCB“ beherbergt auch die Berliner Übersetzerwerkstatt. Hier betreuen erfahrene Übersetzer jüngere Kollegen bei der Arbeit an den jeweiligen Texten. Wochenendseminare werden veranstaltet, in denen Übersetzer ihre Erfahrungen untereinander austauschen können. Für chinesische Übersetzer, die deutsche Texte für das Publikum ihres Heimatlandes erschließen, dürften vor allem zwei Programme interessant sein: die vom „LCB“ veranstaltete Sommerakademie, sowie die „Internationale Übersetzerwerkstatt“. Beide Programme bieten einen einwöchigen Seminaraufenthalt, der mit der Gelegenheit verbunden ist, Kontakte zu deutschen Schriftstellern, Verlegern und Journalisten in Berlin zu knüpfen. Und da die von der Robert Bosch Stiftung mitfinanzierte „Internationale Übersetzerwerkstatt“ alljährlich zur Zeit der Leipziger Buchmesse stattfindet, besuchen die Stipendiaten aus diesem Anlass auch die Buchmesse.

Preise und Auszeichnungen

Da die Honorierung selbst hauptberuflich tätiger Übersetzer meist gering ausfällt, behilft man sich in Deutschland mit der Vergabe von Preisen, die mehr oder weniger üppig dotiert sind. Gestiftet werden solche Preise und Auszeichnungen von recht unterschiedlichen Institutionen: Ministerien einzelner deutscher Bundesländer (Beispiel: Brandenburgischer Literaturpreis) finden sich ebenso unter den Stiftern, wie etwa die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt (mit dem Johann Heinrich Voss-Preis für Übersetzung), namhafte Verlage (Beispiel: Übersetzerpreis des C. H. Beck Verlags) oder auch Banken. Mit 25.000 Euro recht großzügig dotiert ist beispielsweise der DekaBank-Preis des Literaturhauses Frankfurt zur Förderung der deutschen Literatur und Wissenschaft im Ausland. Dieser Preis wurde übrigens im Spätherbst 2008 an den Germanisten und Übersetzer Cao Weidong (曹卫东)vergeben. Cao hat sich vor allem um die Vermittlung zeitgenössischer deutscher Philosophie in China verdient gemacht, übersetzte er doch die Werke von Denkern der Frankfurter Schule (Adorno, Horkheimer, Habermas, Honneth) ins Chinesische.

Ob Übersetzer deutscher Literatur ins Chinesische, wie Cao Weidong und Yang Wuneng, oder Übersetzer aus dem Chinesischen ins Deutsche, wie beispielsweise Wolfgang Kubin oder Susanne Hornfeck: Sie alle ermöglichen ihrem jeweiligen Zielpublikum die Auseinandersetzung mit wichtigen Facetten der jeweils anderen Kultur. Es bleibt zu wünschen, dass in den kommenden Jahren noch mehr literarische Werke ihren Weg nach China bzw. Deutschland antreten mögen. Jürgen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, wies kürzlich darauf hin, dass im Jahre 2004 nur ein einziges Buch aus dem Chinesischen ins Deutsche übersetzt worden sei. 2008 seien es hingegen bereits rund 200 Bücher. Wenn sich 2009 China als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse präsentieren wird, werden es hoffentlich noch einige Bücher mehr sein!

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