Penghao-Theater in Peking Peking: Vorhang auf für junge Talente

Aufführung im Penghao Theater
Aufführung im Penghao Theater | © Penghao Theater

Das vom Zahnarzt Wang Xiang (王翔) gegründete erste private Non-Profit-Theater in Peking bietet vor allem jungen Theatermachern eine Chance, ihre Stücke aufzuführen.

Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet ein Zahnarzt das erste Privattheater in Peking gründen würde! Nachdem er bereits drei private Zahnarztpraxen aufgebaut hatte, eröffnete Wang Xiang (王翔) im September 2008 in einem traditionellen Siheyuan-Wohnhof im Pekinger Zentrum auf eigene Kosten das Penghao-Theater. Es ist Pekings erstes privat und ganz und gar unkommerziell geführtes Theater und verfügt über 86 Sitzplätze. Für die Stücke, die hier gegeben werden, wird grundsätzlich keine Saalmiete verlangt und auch die Eintrittspreise sind äußerst günstig. So geht für viele tolle Stücke, die sonst aus Geld- oder Platzmangel in der Schublade bleiben würden, doch der Vorhang auf.

Initiiert und organisiert durch Wang Xiang und die nahe beim Theater gelegene Central Academy of Drama findet nun vom 10. Mai bis 13. Juli 2011 das zweite Pekinger Nanluoguxiang Theater Festival statt. Im Penghao-Theater und an über zehn weiteren Spielorten werden 40 Theaterstücke zu sehen sein.

Wang Xiang, Gründer des Penghao-Theaters:

Der Name des Penghao-Theaters stammt aus einem Gedicht des Tang-Dichters Li Bai (李白), das dieser schrieb, als er vom Kaiser in die Hauptstadt berufen wurde (Anm. d. Übers.): ‘Lachend und erhobenen Hauptes gehe ich hinaus in die Welt, kann doch nicht immer ein Penghao-Mensch bleiben’; ein Penghao-Mensch ist also ein einfacher Mann. Doch hier ist es genau andersherum gemeint als bei Li Bai. Ich liebe das Theater und ich hatte schon immer einen Traum: Noch mehr „ganz normale Menschen“ ins Theater zu holen. Damit ist nicht allein gemeint, dass man sich ein Stück ansehen kann, sondern auch, dass man sein eigenes Theaterstück auf die Bühne bringen kann.

Von September 2009 bis heute haben wir um die 50 Stücke aufgeführt. Ich kann mit Stolz behaupten, dass diese Zahl die Anzahl der Stücke, die im gleichen Zeitraum an den meisten großen staatlichen Theatern inszeniert wurden, bei weitem übersteigt. Das alles ist unserer Liebe zum Theater zu verdanken sowie auch einem Betriebsmodell, das nicht auf Gewinn ausgerichtet ist.

Neben den Eigenkreationen unseres künstlerischen Ensembles, die im Penghao-Theater gespielt werden, entwickeln wir auch Stücke mit anderen Theatermachern und Theaterliebhabern, und manchmal bringen wir auch Stücke auf die Bühne, die ganz unabhängig vom Penghao-Theater entstanden sind. Auch von diesen Ensembles verlangen wir keine Saalmiete, wir haben nur eine einzige Forderung: Ihre Bühnenwerke müssen Substanz, also einen literarischen und inneren Gehalt haben.

Da gibt es zum Beispiel einige sehr talentierte Theaterleute und junge Studenten an der Central Academy of Drama, die sich Jahr für Jahr eine Vielzahl herausragender Stücke einfallen lassen. Doch aus Platz- und Geldmangel, oder weil sie einfach keine Aufführungsgenehmigung bekommen, können ihre Werke kaum öffentlich gespielt werden. Doch das Penghao-Theater gibt ihnen die Möglichkeit, ihre Stücke kostenlos zu realisieren. Da wir schon einen recht festen Publikumsstamm haben, sind unsere Sitzplätze im Normalfall etwa zu 60% ausgebucht, deshalb müssen die Stücke auch gar nicht groß beworben werden, sondern können sich einfach so dem Publikum präsentieren.

Darüber hinaus arbeiten wir mit zahlreichen ausländischen Theaterautoren, Regisseuren und Institutionen zusammen, übersetzen fremdsprachige Stücke ins Chinesische und lassen sie von unseren chinesischen Schauspielern spielen. Auf diese Weise bringen wir den Zuschauern auch ausländisches Theater näher.

Um unsere Außenwirkung auszuweiten, beteiligen wir uns auch an Aktionen, die von der Regierung finanziert werden, so zum Beispiel am Nanluoguxiang Theatre Festival. Da die Regierung diese Veranstaltung finanziert, will sie natürlich Einfluss nehmen. Wir versuchen dabei, bei den Inhalten der Aufführungen möglichst unabhängig zu bleiben. Was die zukünftige Entwicklung des Penghao-Theaters anbelangt, so ist es unser Wunsch, mehr internationale Kontakte zu schaffen. Wir hoffen, dass wir mehr Kulturinstitutionen für uns gewinnen können, und so die Abhängigkeit vom Staatssponsoring reduzieren können. Natürlich ist es mein Traum, ein noch größeres Theater mit vielleicht 150 Sitzplätzen zu eröffnen. Dann könnte man ein noch größeres und unabhängigeres Theaterfestival veranstalten, man könnte noch mehr Zuschauern noch mehr gutes Theater vorführen.“