Stadtgeschichten: Shanghai Die chinesische Bühnenfassung der „Vagina Monologe"

Szene aus „Vagina Monologe“
Szene aus „Vagina Monologe“ | © Fudan Theatergruppe Vagina Monologe

Einige studentische Theatergruppen möchten mit ihren chinesischen Adaptionen des Theaterstücks „Vagina Monologe" sexuelle und geschlechtsspezifische Probleme der modernen chinesischen Frauen in die Öffentlichkeit bringen.

„Es fließt Blut, damit wir auf diese schwierige und faszinierende Welt kommen, auch in der Vagina.” Diese Worte aus dem Stück „Vagina Monologe" erklangen am 16. Dezember 2011 auf einer Bühne im Nordosten Shanghais.

2004 führte das Shanghai Drama Art Center zum ersten Mal das Stück Vagina Monologe der New Yorker Theaterautorin Eve Ensler auf. Für das Stück hat die Autorin 200 Interviews mit Frauen geführt, die von erotischen Fantasien, Leidenschaft, Enttäuschung, ersten sexuellen Erfahrungen bis hin zu Vergewaltigung oder Missbrauch berichten. Nach einer nicht-öffentlichen Voraufführung in Shanghai musste das Stück sofort abgesetzt werden, und von da ab war dem Stück die „Aufmerksamkeit” der Behörden gewiss. Genau im selben Jahr begann aber auch eine an der Fudan-Universität von Studentinnen gegründete Theatergruppe, die Vagina Monologe auf dem Campus der Fudan-Universität inoffiziell aufzuführen. Xiao Yan (小燕), Mitglied des Ensembles und eine der Mitbegründerinnen der „Initiative für eine chinesische Adaption der Vagina Monologe“, meint, bei der Adaption dieses Stückes komme es vor allem darauf an, das Stück an die chinesischen Verhältnisse anzupassen und die reale Situation der chinesischen Frauen herauszuarbeiten.

Xiao Yan:

 “Ich spiele seit 2005, dem zweiten Jahr meines Masterstudiums an der Fudan-Universität, bei diesem Theaterstück mit. Seitdem lässt mich das Stück nicht mehr los.

Zurzeit bin ich mit einigen Freunden, die sich schon lange mit dem Drehbuch beschäftigen, dabei, die „Initiative für eine chinesische Adaption der Vagina Monologe“ zu gründen. In China haben schon viele studentische und private Theatergruppen die Vagina Monologe aufgeführt, aber die meisten brachten die Originalfassung von Eve Ensler auf die Bühne. Für unsere Theatergruppe Vagina Monologe an der Fudan-Universität ist es hingegen schon Tradition, die Originalversion jedes Jahr an die chinesischen Verhältnisse anzupassen und neue Inhalte hinzuzufügen. Das Drehbuch der Vagina Monologe hat eigentlich 10 Akte. Wir ändern jeweils die Geschichten in einigen Akten, sodass sie zu den chinesischen Gegebenheiten passen. So ist das Verhältnis von Original und Adaption von Aufführung zu Aufführung verschieden. Die inhaltlichen Änderungen werden mit allen, die am Theaterstück beteiligt sind, besprochen oder beruhen auf soziologischen Untersuchungen. Zum Beispiel haben wir bereits einen Akt über die Zwangsprostituierten für die japanischen Soldaten im 2. Weltkrieg, die sogenannten „Trostfrauen“, geschrieben. Jetzt schreiben wir gerade an einem Drehbuch über die Ehefrauen von homosexuellen Männern.

Dadurch, dass wir Geschichten von Frauen, die mitten unter uns leben, erzählen, können wir auf die vielfältigen geschlechtsspezifischen Probleme in China aufmerksam machen und sie in den Mittelpunkt des kulturellen Interesses rücken. 

Nach jeder Aufführung der Vagina Monologe sagen uns viele Zuschauerinnen, wie aufgewühlt und inspiriert sie seien. Um den Ausgangspunkt für eine echte Gleichberechtigung der Geschlechter zu erreichen, müssen mehr Menschen die Stimmen von Frauen selbst hören, nicht die von Stellvertretern, nicht verbrämt, sondern ehrlich, mutig und direkt.

In unserer Theatergruppe an der Fudan-Universität kursiert der Satz: ‚Die Vagina Monologe sind eine Brutstätte für Lesben.‘ Aber eigentlich ist damit gemeint, dass, wenn die Frauen anfangen, ehrlich über ihre Körper und sexuellen Wünsche zu sprechen, sich noch ganz andere Alternativen in Bezug auf Sexualität und Geschlechterrolle eröffnen.

Für die Zukunft hoffen wir, dass die Vagina Monologe in einem richtigen Theater gezeigt werden können. Natürlich werden wir sie auch weiterhin auf dem Universitätscampus aufführen. Die nächsten Aufführungen sind für Februar, März 2012 geplant.“