Schnelleinstieg:
Direkt zum Inhalt springen (Alt 1)Direkt zur Sekundärnavigation springen (Alt 3)Direkt zur Hauptnavigation springen (Alt 2)

Stadt- und Landgeschichten: Shanghai
Museum der Lebensjahre

„Von Alt zu Jung“
„Von Alt zu Jung“ | © Xintu Center for Community Health Promotion

Im „Museum der Lebensjahre“ in der Altstadt von Shanghai dreht sich alles um alte Leute. Hier gibt es auch „Geschichtsunterricht“ von Zeitzeugen.

Von Zhu Xiaoshu (朱小澍)

Apricotfarbene Wände, der Boden aus Holz und das Mobiliar aus vergangenen Tagen, durch das Fenster sieht man die Dächer des Viertels. Wir befinden uns in einer winzigen Gasse der Shanghaier Altstadt, im „Museum der Lebensjahre“: Hier dreht sich alles um alte Menschen. 

Das „Museum“ ist das Projekt einer Nichtregierungsorganisation, des Shanghaier Xintu Center for Community Health Promotion. Hier gibt es nicht nur Ausstellungen, wie derzeit mit alten Fotos, die in der Gasse ausgelegt sind oder an Wäscheleinen hängen, hier finden auch Salonveranstaltungen statt, in denen Senioren im Mittelpunkt stehen. Yu Xiaoyan (虞孝衍), der Leiter und derzeit einzige Mitarbeiter des Museums, ist der Überzeugung, dass alte Menschen nicht nur körperliche und geistige Zuwendung brauchen, sondern dass sie als Individuen ein reiches und wertvolles Erbe in sich tragen. Gerade in der stark überalterten Metropole Shanghai sei es, so Yu, enorm wichtig, die Geisteswelt der alten Menschen zu erschließen und nach außen zu tragen, um so in der Bevölkerung mehr Interesse für alte Menschen zu wecken. 

Yu Xiaoyan:

„Unser Projekt ist im Januar 2011 gestartet. Das Gebäude, in dem unser „Museum der Lebensjahre“ untergebracht ist, nennt sich „Loblied auf den Lebensabend“. Im Haus gibt es außerdem noch eine Seniorentagesstätte und ein Fortbildungszentrum für Senioren. Wir verfolgen ein stufenweises Konzept, angefangen bei der physischen Versorgung der Alten über die Vermittlung verschiedener Fertigkeiten bis hin zur Entfaltung ihres geistigen Reichtums.

Mindestens einmal im Monat wird hier eine Veranstaltung organisiert, bei der die Senioren Geschichte mündlich überliefern, wir nennen dieses Programm „Von Alt zu Jung“. Einer erzählt vielleicht von seiner Laufbahn als Kapitän, andere von der Zeit, als sie als junge Intellektuelle aufs Land verschickt wurden oder von ihrer Kindheit im Krieg. Weil es um ihre persönlichen Erfahrungen geht, sind das sehr lebendige Erzählungen. Die Zuhörer sind vor allem junge Leute, die im Internet von den Veranstaltungen erfahren.

Neben dieser mündlichen Geschichtsüberlieferung organisieren wir außerdem „Tanzpartys im Shikumen“, das heißt, wir ermöglichen es jungen und alten Menschen aus dem Viertel, gemeinsam das Tanzbein zu schwingen. Viele ältere Shanghaier haben ein Faible für Standardtänze, während die jungen Leute moderne Tanzformen wie Hip-Hop bevorzugen. Durch die Interaktion des gemeinsamen Tanzens möchten wir die Kluft zwischen den Altersgruppen überbrücken und den Austausch zwischen Jung und Alt fördern.

Momentan zeigen wir außerdem die Fotoausstellung Gassenleben auf der Wäscheleine. Das ist unsere erste Online-Aktion, bei der wir Fotos aus dem Internet gesammelt und dann in den Gassen rund um das Museum ausgestellt haben. Wir sind schon gespannt, wie die Bilder in ein paar Monaten aussehen, wenn sie Sonne und Regen abbekommen haben. Die Fotos sind wie die Bewohner dieses Viertels, deren Leben sich mit den Prozessen der Urbanisierung verändert hat. Derzeit hat unser Museum eine Kooperation mit dem Organisationskomitee des Bundes von Shanghai. Eigentlich hoffen wir, dass das „Museum der Lebensjahre“ zu einer stadtteilübergreifenden Aktion wird und in vielen Wohnvierteln Shanghais, in denen alte Menschen leben, Nachahmer finden wird. “

Top