Ausstellung Michael Schmidt

Michael Schmidt. Berlin-Wedding, Müller-Ecke Seestraße, 1976-78 © Stiftung für Fotografie und Medienkunst mit Archiv Michael Schmidt

Mittwoch, 22.09.2021 - Montag, 28.02.2022

Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía - Madrid

Fotografien 1965-2014

Das Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía in Madrid zeigt die erste Retrospektive von Michael Schmidt (Berlin, 1945-2014) nach dessen Tod. Sein Werk zeichnet die Spuren der zeitgenössischen Gesellschaft nach, durchsetzt mit Momentaufnahmen der Stadtlandschaft und ihrer Bewohner*innen. Die fünf Jahrzehnte umspannende Karriere des Künstlers macht ihn neben Bernd und Hilla Becher zu einem der einflussreichsten Figuren der deutschen Nachkriegsfotografie.

Geboren am Ende des Zweiten Weltkriegs in Ost-Berlin, flüchtete Schmidt 1955 mit seiner Familie in den Westen, wo er die Viertel der Stadt in einem nüchternen, an die amerikanische Dokumentarfilmtradition angelehnten Stil fotografierte. Als Autodidakt begann er 1965 zu fotografieren, vier Jahre nach dem Bau der Berliner Mauer. 1976 war er an der Gründung der Werkstatt für Photographie in der Volkshochschule in Kreuzberg beteiligt, die zu einem Forum für den Austausch von Praktiken und Wissen unter europäischen Fotografen wurde.

Seine Projekte und die Beziehung seiner fotografischen Arbeit zu seiner Heimatstadt begannen mit den Serien über die Bezirke "Berlin-Kreuzberg" (1969-1973) und "Berlin-Wedding" (1976-1978), die zusammen mit "Berlin nach 45" (1980 entstanden, aber erst 2005 veröffentlicht) einen dokumentarischen Charakter haben. In "Waffenruhe" (1985-1987) nutzt er das Medium als Mittel des subjektiven Ausdrucks und entwirft das Psychodrama einer immer noch geteilten Stadt inmitten des Kalten Krieges, die Teil einer deutschen Generation "ohne Zukunft" darstellt. Die expressionistische Unmittelbarkeit von "Waffenruhe" führt zu dem dichteren, komplexeren und anspruchsvolleren Projekt, "Ein-heit" (1989-1994), das im MoMA in New York in der ersten Ausstellungen, die seit Jahrzehnten einem deutschen Fotografen gewidmet, präsentiert wurde.

Schmidts aufmerksamer Blick entfernte sich in Serien wie "Frauen" (1997-1999) und "Irgendwo" (2001-2004) von der Stadt Berlin und konzentrierte sich auf die deutsche Landschaft. In seinem letzten Projekt, der Serie "Lebensmittel" (2006-2010), die ihm internationale Anerkennung einbrachte und ihn dazu veranlasste, durch Europa zu reisen, um die Lebensmittelindustrie zu fotografieren, wandte er sich globalen Themen zu.

Schmidt nähert sich den fotografischen Serien mit Blick auf das Medium, in dem sie präsentiert werden sollen, und betrachtet sie als Installationen für den Ausstellungsraum oder als sorgfältig gestaltete Fotobücher, in die er seine detaillierte künstlerische Vision einbringt. Die Ausstellung umfasst rund dreihundertfünfzig Porträts, Landschaften, Stillleben und Stadtansichten, die zusammen mit Buchvorlagen und Archivmaterial die künstlerische Produktion des Fotografen in ihrer Gesamtheit präsentieren.

 

Michael schmidt

Michael Schmidt © Albrecht Fuchs

Der 2014 verstorbene Michael Schmidt gehört mit Bernd und Hilla Becher zu den stilprägenden Fotografen der deutschen Nachkriegsfotografie. Er ist mit seinen Werken in nationalen und internationalen Sammlungen vertreten und hat sein Werk in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen präsentiert. Im Museum of Modern Art in New York hat Michael Schmidt 1996 sein Projekt „EIN-HEIT“/ “U-NI-TY“ in einer Einzelausstellung präsentiert. Mit seinen Buch- und Ausstellungsprojekten wie u.a. „WAFFENRUHE“ (1987), „EIN-HEIT“ (1996), „FRAUEN“ (2000) und „LEBENSMITTEL“ (2012) hat Michael Schmidt Fotografiegeschichte geschrieben. 2014 erhielt er den renommierten Prix Pictet.

 
Organisation: 
Stiftung für Fotografie und Medienkunst mit Archiv Michael Schmidt, in Zusammenarbeit mit dem Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía

Kurator: 
Thomas Weski

Ausstellungsstationen: 
Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart, Berlin: 23. August 2020 – 17. Januar 2021

Galerie nationale du Jeu de Paume, Paris: 8. Juni – 29. August 2021

Albertina Museum, Wien: 24. März – 12. Juni 2022
 
 

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