Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt
Filmemachen an der queeren Grenze
Westdeutschland / 1971 / 67'
Auf Deutsch mit chinesischen und englischen Untertiteln
Regie: Rosa von Praunheim
Cast: Berryt Bohlen, Bernd Feuerhelm, Ernst Kuchling
Nur wenige Filme können von sich behaupten, eine Revolution ausgelöst zu haben. Zwei Jahre nachdem Westdeutschland Homosexualität entkriminalisiert hatte, ließ Rosa von Praunheim diese bissige Agitprop-Fabel im nationalen Fernsehen explodieren. Der provinzielle Daniel kommt nach Berlin und driftet durch die schwulen Subkulturen – vom bürgerlichen Paarleben bis zu den Cruising-Gründen –, während eine gnadenlose Stimme aus dem Off schwule Männer für ihre Anpassung, ihren Selbsthass und ihre Gleichgültigkeit geißelt und zum Coming-out und zur Organisierung aufruft. Der Skandal war gewaltig: Debatten, Zuschauerproteste, Dutzende neu gegründete Aktivistengruppen. Die moderne deutsche Schwulenbewegung führt ihre Geburtsstunde auf diesen Film zurück. Queeres Kino als Molotowcocktail – sein Schlussruf hallt bis heute nach: „Raus aus den Toiletten, rein in die Straßen!“