Ein einzigartiges Sprachabenteuer
Von Indonesien nach Deutschland
Die Mühen haben sich gelohnt.
Am Montag, dem 6. Juli 2026, kam unsere Reisegruppe bestehend aus acht Schüler*innen aus verschiedenen Regionen Indonesiens endlich in Goslar an. Die Erschöpfung nach dem langwierigen Auswahlverfahren für das Stipendium und der Anreise verflog in dem Augenblick, in dem wir den ersten Schritt in die Stadt setzten. Das Stipendium, das wir im Rahmen der PASCH-Initiative Schulen: Partner der Zukunft erhalten hatten, bot uns die wertvolle Gelegenheit, nach Deutschland zu reisen und das Land hautnah zu erleben. Das Programm brachte uns mit vielen anderen Jugendlichen aus 15 verschiedenen Nationen zusammen.
Der Unterricht in Goslar war von einer Atmosphäre geprägt, die alles andere als langweilig war. Interaktive Lehrmethoden machten jede Unterrichtseinheit spannend und boten keinen Platz für Ängste und Langeweile. Die gemeinsamen Aktivitäten während unserer Freizeit brachten uns noch enger zusammen. Wir gingen joggen, sangen Karaoke oder unterhielten uns einfach mit den neuen Freund*innen aus verschiedenen Ländern in den Pausen.
Nicht nur im Klassenzimmer lernt man Deutsch.
Jedes Wochenende bot die Zeit, um unsere gewohnte Umgebung zu verlassen. Während der Ausflüge waren wir dazu eingeladen, andere Facetten Deutschlands zu erkunden. Unter anderem fuhren wir mit dem Bus zu berühmten Sehenswürdigkeiten. Wir haben das imposante Herkules-Denkmal in Kassel bestaunt, die akademische Atmosphäre an der Universität Göttingen auf uns wirken lassen und uns im interaktiven Science Center und Experimentiermuseum phaeno in Wolfsburg sogar an wissenschaftlichen Experimenten versucht.
Der Aufenthalt in Deutschland war natürlich auf seine besondere Art „gewürzt“. So waren wir aus Indonesien anfangs über die andersartigen Geschmacksrichtungen der deutschen Küche überrascht. Aber wir staunten auch über die langen Tage und das Wetter in Goslar, das oft dramatisch umschlug. Das alles aber machte unser Abenteuer nur noch spannender. Zu unseren schönsten Erlebnissen gehörten die Gelegenheiten, die Stadt Goslar auf eigene Faust zu erkunden. Entspannte Spaziergänge, bei denen wir historische Gebäude wie die Fachwerkhäuser bestaunten, ein Eis aßen, obwohl wir in der Kälte bibberten, oder die ungelenke Bestellung in der Eisdiele – solche Erlebnisse schaffen kleine, aber sehr kostbare Erinnerungen.
Der Höhepunkt der warmherzigen Stimmung war der Länderabend, bei dem die jeweiligen Teilnehmenden aus einem Land etwas Einzigartiges aus ihrer Heimat präsentieren. Unser Team aus Indonesien führte den Saman-Tanz auf und sang Rasa Sayange. Auf einer internationalen Bühne zu stehen, in den traditionellen Trachten der verschiedenen Regionen des Archipels gekleidet, erfüllte uns mit einem Gefühl von Stolz, das sich nur schwer in Worte fassen lässt.
Jetzt konnten wir uns beweisen.
Am Montag der dritten Woche wurde die Atmosphäre im Kurs plötzlich angespannter. An diesem Tag fand die offizielle Prüfung für das Zertifikat Deutsch statt. Sämtliche Kenntnisse der deutschen Sprache, die wir uns während der Zeit in Goslar angeeignet hatten, wurden an einem einzigen Tag geprüft, und zwar in den Bereichen Lesen, Hören, Schreiben und Sprechen.
Nervosität ließ sich nicht vermeiden, vor allem in dem Moment, als wir den Prüfern während des Prüfungsteils Sprechen direkt gegenüberstanden. Aber die Anspannung wich allmählich einem Gefühl der Selbstsicherheit. Die Kommunikation auf Deutsch, die sich anfangs noch so fremd angefühlt hatte, floss nun, aufgrund des intensiven täglichen Austauschs mit unseren Freund*innen aus der ganzen Welt, ganz natürlich. Wir waren gerührt und stolz: Wir erkannten, wie sehr wir uns seit dem Tag, an dem wir den ersten Schritt in diese Stadt gesetzt hatten, weiterentwickelt hatten.
Neue Freundschaft durch die deutsche Sprache.
So wie der Tag der Abreise näher rückte, wurde die Stimmung langsam emotional. Wir verbrachten den letzten Abend damit, uns zu unterhalten, gemeinsam zu lachen und uns gegenseitig Abschiedsbriefe zu schreiben. An diesem letzten Abend erfüllte Ergriffenheit den Hauptraum, in dem wir uns versammelt hatten. Aber die Tränen machten uns bewusst, dass die Schwere des Abschieds uns nur zeigte, wie wertvoll die Momente waren, die wir gemeinsam erlebt hatten.
Das Programm zeigt, dass die deutsche Sprache trotz unserer sehr unterschiedlichen Hintergründe als verbindende Brücke dienen konnte. Wir wurden auf indirekte Art und Weise dazu ermutigt, unsere Unterschiede anzunehmen und zu einer neuen Familie zusammenzuwachsen. Diese Erfahrung hat unseren Blick auf die Welt wirklich erweitert.
Das war eine unvergessliche Reise. Danke, Goslar, für die wertvollen Erinnerungen und bis bald! Tschüss!