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10:00–20:30 Uhr

Stockholm ChoirLAB

Workshops, Gespräch und Konzert|Ein Thementag mit Workshops, Gesprächen, Austausch und Konzerten – rund um zeitgenössische Chorpraxis und feministische Organisierung.

  • Goethe-Institut Schweden, Stockholm

  • Sprache Englisch
  • Preis Freier Eintritt. Anmeldung erfolgt über eventbrite.se.

Tusen Tungor Foto: Christopher Nielsen

Tusen Tungor Foto: Christopher Nielsen

Bei unserem Thementag organisieren wir ein abwechslungsreiches Programm für alle, die sich für Chorarbeit begeistern. Wir laden ein zu Workshops, Gespräche und Konzerten, außerdem gibt es die Gelegenheit zum persönlichen Austausch. Das Event richtet sich u.a. an Sänger*innen, Komponist*innen und Chorleiter*innen.

Das Stockholm ChoirLAB gibt Teilnehmer*innen Einblick in die zeitgenössische Chor- und Musikszene in Schweden und Deutschland. Darüber hinaus haben die Teilnehmer*innen die Chance, Kontakte zu knüpfen und neue Kooperationen anzustoßen.

Mit Stockholm ChoirLAB möchten wir einen offenen Raum schaffen, in dem der Chor als Gemeinschaft und wie in einem künstlerisches Labor erforscht werden kann. Im Mittelpunkt stehen experimentelle Chorarbeit, kollektive künstlerische Prozesse und feministische Formen der Organisierung.
 

Program

10:00 – 13:00
Workshop: Möglichkeiten des Diskantchors erkunden,  mit Linnea Landström und dem Chor Tusen Tungor
Separate Anmeldung erforderlich – mehr Infos unter Programmpunkte.

14:00 – 14:30
Workshop: time out – Musical Practices/Etudes in History, mit Rosa Klee (Teil 1)
Der Workshop beginnt mit einer kurzen Einführung. Danach kann im Laufe des Tages selbstständig weitergearbeitet werden.

14:45 – 15:30
Gespräch: Choir as a Collective
Rosanna Lovell und Stellan Veloce vom Berliner Projekt gather sprechen über feministische Chorarbeit und kollektive Organisierung.

16:00– 16:30
Konzert: Touch / Berühren
Ein interaktives Werk von Lo Kristenson. Unter ihrer Leitung erschaffen wir gemeinsam mit Stimme und Klang etwas Neues.

16:45 – 17:30
Panelgespräch: Feminist Voices - Rethinking Contemporary Choir Practices
Mitwirkende: Rosa Klee, Stellan Veloce, Linnea Landström und Brenda El Rayes. Moderation: Anna Jakobsson.

17:45
Workshop: Musical Practices/Etudes in History mit Rosa Klee (Teil 2)
Wiederzusammenkommen und gemeinsame Reflexion mit Rosa Klee.

18:30 – 19:15
Konzert: Brenda El Rayes & Barbara Chamoun
Musik zwischen Club und Ritual, in der elektroakustische Klänge mit arabischen Einflüssen auf düstere, pulsierende Melodien treffen.

Über den ganzen Tag hinweg gibt es außerdem die Möglichkeit, in unserer Bibliothek eine Kaffepause zu machen und sich auszutauschen.

Anmeldung
Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldung über Eventbrite.

In Zusammenarbeit mit Konstmusiksystrar und Sensus Studieförbund. 
 

Programm

  • Der Workshop hat eine begrenzte Teilnehmerzahl und erfordert eine separate Anmeldung: LINK ZUR ANMELDUNG

    Dieser Workshop wird von der Dirigentin Linnea Landström geleitet und richtet sich an Musikschaffende, Dichter*innen, Choreograf*innen, Chorleiter*innen und andere Künstler*innen die gern Möglichkeiten eines Diskantchors zu erkunden. Linnea Landström und Mitglieder von Tusen Tungor schaffen eine praktische und experimentelle Umgebung, in der ausgewählte Teilnehmende Ideen, Fragmente und kompositorische Ansätze ausprobieren können. Der Fokus liegt auf Klang, Struktur, Improvisation, Text, melodischem Material sowie performativen oder choreografischen Perspektiven.

    Vier bis fünf Ideen werden ausgewählt und während der Session gemeinsam ausprobiert. Für Linnea und Tusen Tungor steht dabei ein offener und inklusiver Ansatz im Vordergrund, in dem die Grenzen zwischen Chor, Dirigentin und Teilnehmener*innen auch einmal verschwimmen dürfen. Gemeinsam wird ausprobiert, gespielt, diskutiert und miteinander gedacht.

    Der Workshop bietet zwei Möglichkeiten zur Teilnahme:

    1. Allgemeine Teilnahme
    Es gibt die Möglichkeit an den allgemeinen Übungen teilzunehmen, ohne eine eigene Idee einzureichen.

    2. Eigene Idee einreichen – Einsendeschluss: 15. April
    Die andere Alternative ist es, ein Materialfragment oder einen künstlerischen Ansatz einreichen, den du gemeinsam mit dem Chor ausprobieren möchtest. Aus den Einsendungen werden vier bis fünf Vorschläge ausgewählt und im Workshop erprobt (ca. 20–30 Minuten pro Vorschlag).

    LINK ZUR ANMELDUNG
    Im Formular kannst du auswählen, ob du nur teilnehmen möchtest oder zusätzlich eine Idee einreichen willst.
     

  • Der Workshop beginnt mit einer kurzen Einführung und ein paar Anleitungen. Danach arbeiten die Teilnehmen*innen im Laufe des Tages selbstständig weiter undteilen später Erfahrungen und Eindrücke mit einander.

    Ausgangspunkt sind Ideen und Begriffe des Philosophen Walter Benjamin. DieTeilnehmener*innen bekommen kleine Zettel mit Anweisungen und untersuchen auf spielerische Weise und mit Begleitung von Rosa Klee, wie Geschichte und Musik zusammenhängen.

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    time out

    Musical Practices/Etudes in History

    with Rosa Klee

    We will think musically with ideas and notions of philosopher Walter Benjamin, and playfully practice making history through music.

    wind / storm / progress / disruption / breath / memory / repetition / reclaim / (re)turn

    We will walk around the house and outside, individually or in small groups, trying out musical practices, singing, listening, and facing one another. You will recieve slips of paper with instructions for musical actions involving voice, breath, and movement (directions). After a brief introduction and a joint start, you can use them independently throughout the day.

    What should be repeated (wiederholen), and what disrupted? What do we want to reclaim (wieder holen) / remember? What should be reversed / returned? What happens to songs that move forward when we move backward while singing them? Or up or down stairs? Should a feminist protest song storm forward, or can it also turn? What if we inhale a song instead of singing (exhaling) it? Are we running out of time? When do our bodies go on strike? How does our direction of walking or singing relate to the current wind direction? What does all that sound like? What kind of music emerges in such a collective, polyphonic music installation?

    Afterwards, we will share what we experienced. What interesting / funny / memorable / sad / random / absurd moments were there? What did we find out about history, and what about music? What would you like to try again sometime?

  • Gemeinsames Singen hat in feministischen Bewegungen schon lange eine politische Rolle gespielt, etwa in Protestchören oder in experimentellen, oft sehr intimen vokalen Praktiken innerhalb von Gruppen. In diesem Gespräch teilen Rosanna Lovell und Stellan Veloce vom Berliner Projekt gather ihre Erfahrungen und sprechen darüber, wie feministische Chorarbeit als Form kollektiver Organisierung funktionieren kann.

    Außerdem geht es um wichtige Momente feministischer Musikgeschichte, zum Beispiel um das Ensemble Sonic Meditations von Pauline Oliveros oder die Arbeit von Giovanna Marini und ihrem Quartetto Vocale. Im Austausch mit heutigen feministischen Kollektiven wird darüber nachgedacht, wie chorische und gesangliche Praktiken Räume für Solidarität, Wissensaustausch, Empowerment und neue Formen der Zusammenarbeit im Musikbereich schaffen können.

  • Ein interaktives Werk von Lo Kristenson. Unter Los Leitung entstehen gemeinsam mit Stimme und Klang neue musikalische Momente.

    Hast du eine Beziehung zu den Klängen um dich herum? Gibt es eine Stimme, die du besonders gern magst? Wie fühlt sich die Luft um deine Ohren an? Was haben deine Hände heute berührt? Singe in deine Handflächen.

    Touch / Beröra ist ein teilnehmerbasiertes Werk der Komponistin Lo Kristenson und richtet sich an Menschen, die neugierig auf Klang, Stimme und darauf sind, wie sich diese im Raum bewegen. Es sind keinerlei Vorkenntnisse erforderlich. Touch / Beröra wird nach deinen eigenen Bedürfnissen und in deinem eigenen Tempo durchgeführt und gibt dir die Möglichkeit, sowohl Klänge zu erzeugen als auch sie zu erfahren. Alle Handlungen und Bewegungen erfolgen mit dem Bestreben, langsam zu sein – du selbst spürst, was langsam für dich und deinen Körper bedeutet.

  • Musik zwischen Club und Ritual, in der elektroakustische Klänge mit arabischen Einflüssen auf düstere, pulsierende Melodien treffen.

Mitwirkende

  • Linnea Landström ist Chorleiterin, Komponistin und Vokalistin aus Luleå und lebt in Stockholm und Den Haag. Ihre künstlerische Arbeit bewegt sich rund um akustische Musik mit der Stimme im Mittelpunkt, oft mit Bezügen zu Folk-Traditionen und älteren Musikformen. Sie hat Komposition an der Musikhochschule Örebro studiert und absolviert seit 2023 ein Studium der Chorleitung an der Königlichen Musikhochschule in Stockholm.

  • Tusen Tungor ist ein Diskantchor aus Stockholm mit rund 30 Sänger*innen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Der Chor entstand im Frühjahr 2024 aus dem Wunsch heraus, erfahrene Vokalist*innen zusammenzubringen, die nicht unbedingt klassisch ausgebildet sind oder Noten lesen, aber in einem offenen Umfeld mit Gleichgesinnten Musik machen wollen, mit viel Raum für Experimentelles und einem künstlerischen Anspruch. Die Gruppe arbeitet häufig spartenübergreifend mit performativen Elementen und hinterfragt klassische Chortraditionen.

  • Rosa Klee ist Musikerin und Philosophin: Sie singt, spielt und schreibt. Als freischaffende Klavier- und Gesangspädagogin ermutigt sie ihre Schüler*innen, Improvisation und Komposition auszuprobieren und sich kritisch mit Musikgeschichte auseinanderzusetzen. Als Künstlerin und Komponistin arbeitet sie interdisziplinär und mit einem klaren Blick auf Klassen- und Machtverhältnisse. Ihr Engagement für Queer-Feminismus und Antifaschismus in Ostdeutschland bildet einen wichtigen Hintergrund ihrer künstlerischen Praxis. Als Autorin hat sie unter anderem Texte über Chormusik in der Zeitschrift Positionen – Texte zur aktuellen Musik veröffentlicht.

  • Rosanna Lovell ist Musikerin, Pädagogin, Radioproduzentin und Klangkünstlerin mit Sitz in Berlin. Ihre Arbeit beschäftigt sich mit feministischen und postkolonialen Perspektiven in klassischer und neuer Musik. Sie produziert Radioprogramme für Colaboradio / Freie Radios Berlin-Brandenburg zu Musik, Gender und Zugänglichkeit und ist Teil der Kollektive Gender Relations in New Music (GRiNM) und gather. Sie studierte klassische Musik und Sprachen an der University of Adelaide und Kunst im Kontext an der Universität der Künste in Berlin. Zurzeit arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Dozentin für Musikvermittlung an der Universität Hildesheim.

  • Stellan Veloce ist ein in Berlin lebender Multi-Instrumentalist und Komponist. Dey studierte Cello am Konservatorium in Cagliari sowie Komposition an der Universität der Künste in Berlin und am California Institute of the Arts. Neben Live-Performances schreibt Stellan Musik für Ensembles und Tanz, häufig in kollaborativen Arbeitsprozessen. Zu den regelmäßigen Schaffenspartner*innen zählen die Choreografin Sheena McGrandles, der Komponist Neo Hülckerund die Filmemacherin Silvia Maggi. Dey ist Mitbegründer*in der Plattform Y-E-S.org und Teil des feministischen Kollektivs gather.

  • Lo Kristenson ist Klangkünstlerin und Komponistin und entwickelt Musik, in der Widerstand, Härte und Unbeholfenheit neben Zärtlichkeit und Verletzlichkeit stehen können. Für Lo ist Zuhören eng verbunden mit der körperlichen Erfahrung, gemeinsam mit anderen präsent zu sein. Arbeiten von Kristenson wurden unter anderem im Kunstzentrum Artipelag sowie bei den Festivals Sound of Stockholm, Borealis (Norwegen) und KLANG (Dänemark) präsentiert.

  • Brenda El Rayes ist elektroakustische Komponistin und Klangkünstlerin und arbeitet in den Bereichen Performance, Theater, Tanz, Film und Installation. Ihre Kunst erforscht kollektives Hören, Ritual sowie tranceerzeugende musikalische Strukturen und schöpft aus Choraltraditionen, sakraler Musik und Clubkultur. Häufig übersetzt sie Forschung und soziale Kontexte in klangliche Erfahrungen und schafft Werke, die zu Intimität, Körperlichkeit und vertieftem Zuhören jenseits westlicher Musiktraditionen einladen.

  • Anna Jakobsson ist Kuratorin und Produzentin im Bereich Kunstmusik und Klangkunst in Stockholm und hat einen Master in Curatorial Practice von der Universität Bergen. Sie hat einen Hintergrund in den darstellenden Künsten, im Projektmanagement und in den Geisteswissenschaften und ist seit 2021 Geschäftsführerin von Konstmusiksystrar, einem Verein für Frauen und trans Personen, die als Komponistinnen oder Klangkünstlerinnen arbeiten. Sie möchte Kunstmusik einem breiteren Publikum zugänglich machen und mehr Berührungspunkte zwischen Künstler*innen und Publikum schaffen, oft durch kollektive und spartenübergreifende Arbeitsprozesse.

  • Konstmusiksystrar wurde 2015 von Marta Forsberg und Lo Kristenson gegründet und zählt heute rund 210 Mitglieder in 23 Ländern. Das Netzwerk versteht sich als Plattform für künstlerische Entwicklung und zugleich als Ressource für Veranstalterinnen und Auftraggeberinnen, die nach neuen Stimmen suchen.

    Um die Entwicklung hin zu einer vielfältigeren und gleichberechtigten Musikszene voranzubringen, organisiert Konstmusiksystrar Workshops, Konzerte, Festivals und Vorträge. Das Netzwerk beteiligt sich außerdem aktiv an der öffentlichen Debatte über Gleichstellung und Kunstmusik – in Schweden wie auch international. Im Jahr 2024 erhielt Konstmusiksystrar den Preis Musikens Möjliggörare der Föreningen Svenska Tonsättare.