Der Musikethnologe und Direktor des Instituts für Musikwissenschaft Weimar-Jena, Professor Tiago de Oliveira Pinto, ist einer der bekanntesten Forscher im Bereich der transkulturellen Musikwissenschaft. In einem Interview mit „Latitude“ spricht er über die Notwendigkeit der Bewahrung des immateriellen Kulturerbes und die Möglichkeiten, mündlich überliefertes Wissen in Zeiten globaler Migrationsströme und klimatischer Umwälzungen für größere Kreise zu sichern.
Parallel zu den aktuellen Diskursen zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes sollen traditionelle kulturelle Ausdrucksformen und Praktiken zielgerichtet am Leben erhalten werden, so Pinto. Sie sollen nicht nur erhalten und bewahrt werden, sondern auch neuen Interpretationen unterworfen werden, wie es in einer zunehmend globalisierten Welt zu erwarten ist. Er betont, dass immaterielles Kulturerbe nur dann nachhaltig erhalten werden könne, wenn es aktiv praktiziert werde, seien es musikalische Traditionen, Tänze oder Rituale. Er sieht die Hauptverantwortung für den Erhalt des immateriellen Kulturerbes bei den Menschen selbst, die die Traditionen pflegen und weitergeben. Dabei sei ein konstruktiver Dialog auf Augenhöhe vonnöten zwischen den Kulturerbe-Expert*innen und den Gesellschaften, die die Traditionen praktizieren.
Tiago de Oliveira Pinto ist davon überzeugt, dass die Globalisierung keine Gefahr darstellt, sondern den verschiedenen Akteur*innen viele Möglichkeiten bietet, Synergien zu erzielen, die für den Erhalt des immateriellen Kulturerbes unentbehrlich sind. Schließlich haben kulturelle Praktiken, Aktivitäten und indigenes Wissen immer im Austausch mit der Umwelt existiert: „Traditionen sind lebendig und dynamisch – sie gehen auf ihr Umfeld ein und reagieren auf Veränderungen der Umwelt.“
Mehr über den Erhalt des immateriellen Kulturerbes können Sie in diesem Interview mit Tiago de Oliveira Pinto erfahren:
Das Interview führte Eliphas Nyamogo, Online-Redakteur am Goethe-Institut in München.