Genauer müsste man sagen, dass es die Kunstwerke schon lange gab, dass es immer Frauen gab, die ihr Muttersein in ihrer Kunst thematisierten. Diese Kunstwerke jedoch haben es nur selten in Ausstellungen geschafft, wurden selten in Katalogen besprochen. Das ändert sich, endlich und mit Wucht. Weltweit haben Künstlerinnen immer weniger Lust sich durch männlich-patriarchal geprägte Blickwinkel und Wertungen dieses so umfassende und brennende Thema aus ihrer Kunst zu verbannen.
In der Serie "Mutter* und andere Zustände - Ein Mikro-Fokus auf aktuelle Kunst zum Thema Mutterschaft" stellen wir Ihnen 3 Künstlerinnen vor, die aus unterschiedlichen Perspektiven und mit verschiedenen Materialien ihre Sicht und ihr Erleben von Mutterschaft in ihrer Kunst zeigen, Tabus brechen und so gleichzeitig mit veralteten Geschlechterrollen aufräumen.
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Auch die Künstler*innen Anan Fries und Malu Peeters haben sich in ihrer Arbeit„Virtual Wombs und Posthuman Wombs“mit der Frage nach der unbedingten Weiblichkeit von Schwangerschaft beschäftigt. In ihrer Virtual Reality Installation zeigen sie queere Körper, die nicht den vorherrschenden binären Geschlechterrollen entsprechen und fragen: Wie sehr ist Schwangerschaft in unserer Gesellschaft an das Bild des weiblichen Körpers gebunden?
„Das Medium der Virtual Reality hat uns erlaubt, Zustände zu visualisieren, die es bisher so nicht gibt: Die Avatare, die in Virtual Wombs und Posthuman Wombs zu sehen sind, basieren auf 3d-Scans von real existierenden Körpern, die wir digital geschwängert haben. Einige von diesen Körpern können, zum Beispiel aus biologischen Gründen, ausserhalb des virtuellen Raums nicht schwanger werden“,sagt Anan Fries.
In der Arbeit„Ecto Sale“(2023) geht Anan Fries dem Gedanken weiter nach, wie sich Schwangerschaft vom Körper lösen lassen könnte und welche Vorteile das für eine gleichberechtige Aufteilung von Care-Arbeit haben könnte. Die Ectobag sieht aus wie eine Designerhandtasche und funktioniert wie ein externer Uterus. Der Embryo, später das Baby haben darin alles was sie im „Mutterleib“ auch haben würden, nur dass nicht ein Elternteil ihren Körper dauerhaft teilen muss, sondern die Tasche von Elternteil zu Elternteil weitergegeben werden kann.
Anan Fries bekräftigt: „Ich denke, dass Schwangerschaft ein kompliziertes Thema ist, das üblicherweise sehr stereotyp repräsentiert und vereinfacht verhandelt wird, und ich freue mich, wenn meine Arbeit Menschen dazu inspiriert, anders über Schwangerschaft nachzudenken.“
Juli 2024