Genauer müsste man sagen, dass es die Kunstwerke schon lange gab, dass es immer Frauen gab, die ihr Muttersein in ihrer Kunst thematisierten. Diese Kunstwerke jedoch haben es nur selten in Ausstellungen geschafft, wurden selten in Katalogen besprochen. Das ändert sich, endlich und mit Wucht. Weltweit haben Künstlerinnen immer weniger Lust sich durch männlich-patriarchal geprägte Blickwinkel und Wertungen dieses so umfassende und brennende Thema aus ihrer Kunst zu verbannen.
In der Serie "Mutter* und andere Zustände - Ein Mikro-Fokus auf aktuelle Kunst zum Thema Mutterschaft" stellen wir Ihnen 3 Künstlerinnen vor, die aus unterschiedlichen Perspektiven und mit verschiedenen Materialien ihre Sicht und ihr Erleben von Mutterschaft in ihrer Kunst zeigen, Tabus brechen und so gleichzeitig mit veralteten Geschlechterrollen aufräumen.
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Cao Yu sieht in diesem Video aber auch eine Allegorie auf das Leben als Künstlerin im Allgemeinen:
„Manchmal habe ich das Gefühl, dass "Fountain" wie ein Abbild meines eigenen Lebens sein wird. Ein Leben voller Funken, beginnend mit Größe und Vitalität; Inspirationen sprudeln wie ein Springbrunnen, häufige Höhepunkte, das Leben sprüht ununterbrochen, bis das Öl irgendwann ausgeht und die Lampe versiegt. Zum Schluss bildet sich so ein dann ein perfekter Kreislauf.“
Muttermilch ist ein außergewöhnliches Material in der Kunst, selten wurde es von Künstlerinnen in Performances oder als Rohstoff verwendet. Und das, obwohl wenig so stark symbolisch verbunden ist mit dem traditionellen Bild der nährenden, gebenden Mutter, als Muttermilch und der Akt des Stillens.
Mit„Artist Manufacturing“(2016) präsentierte Cao Yu ein weiteres Werk, in dem sie das Potential von Muttermilch als Material in der Kunst zeigte: Sie knetete 18 Liter Muttermilch zu einer festen Masse und stellte die unförmigen, weichen, mit Handabdrücken versehenen Objekte aus. „Diese Arbeit war eine Erinnerung an den Schmerz und das Gewicht der mütterlichen Liebe, die so zu einem Stück Skulptur wurde. Die tiefen Fingerabdrücke sind Spuren der Auseinandersetzung des Körpers mit ihr“, erläutert Cao Yu.
Auch in anderen Kunstwerken wendet sich die Künstlerin der Position der Frau in der patriarchal geprägten Gesellschaft zu, und karikiert mit der Fotoserie „Femme fatale“ Männer, die in der Öffentlichkeit urinieren.
In dem sie die großformatigen Fotografien in barocken goldenen Rahmen ausstellt, gibt sie diese Geste der Absurdität preis. Gespiegelt wird„Femme Fatale“in Cao Yus Selbstporträt„Dragon Head“in dem die Künstlerin im schwarzen Anzug, mit herausforderndem Blick und offenen Haaren breitbeinig auf einem Brunnen sitzt, während das Wasser zwischen ihren Beiden provokant herausspitzt. Cao Yu verbindet mit dem Symbol des kaputten Wasserhahns das einseitige Bild von Normativität in unserer Gesellschaft und sagt: „Jede*r kann das Geschlecht vergessen und mit Hingabe etwas erschaffen. Auch wenn Wasser auch aus einem defekten Wasserhahn spritzt, es wird sich zu einem See erweitern und sich in der Zukunft zu einem Sturzbach sammeln“.
Juli 2024