Mutter* und andere Zustände  Ma Qiusha – Was es bedeutet (d)eine Tochter zu sein

Ma Qiusha – Was es bedeutet (d)eine Tochter zu sein Wonderland-Eros No. 1 (Detail), 2019, © Ma Qiusha and Beijing Commune
In der Serie "Mutter* und andere Zustände - Ein Mikro-Fokus auf aktuelle Kunst zum Thema Mutterschaft" stellen wir Ihnen 3 Künstlerinnen vor, die aus unterschiedlichen Perspektiven und mit verschiedenen Materialien ihre Sicht und ihr Erleben von Mutterschaft in ihrer Kunst zeigen, Tabus brechen und so gleichzeitig mit veralteten Geschlechterrollen aufräumen.

------ Es gibt diese Dinge, die ganze Generationen zusammenschweißen, die durch ihre Allgegenwart zu einer bestimmten Zeit zu einem Symbol derselben werden. Für Ma Qiusha (马秋莎) ist eines dieser Symbole die dicken opaken Strumpfhosen, die ihre Mutter, ihre Großmutter, die Nachbarinnen, die Lehrerinnen, die Verkäuferinnen, eigentlich alle Frauen im Stadtbild Pekings in den 80er Jahren trugen. Besonders auf dem Weg zum Kindergarten auf dem Fahrrad ihrer Mutter betrachtete Ma als Kind die Beine der Frauen, die gleichförmig und Prothesenhaft wirkten. Für ihre Wonderland Serie (2015-2019) hat die Künstlerin Betonplatten zerschlagen und die Fragmente mit besagten Strumpfhosen überzogen und sie wiederzusammen gesetzt. Diese Mosaike, die gleichzeitig das Harte und das Weiche evozieren, sind anonyme Porträts einer ganzen Generation von Pekinger Frauen.


Der transgenerationale Ansatz findet sich auch in zwei frühen Videoarbeiten von Ma Qiusha wieder: „From No.4 Pingyuanli to No.4 Tianqiaobeili“ (2007) und „All my sharpness comes from your hardness“ (2011) verhandelt Kindheitserfahrungen der Künstlerin, schaut auf die Erwartungen der Eltern unter dem Druck der Ein-Kind-Politik. Die Künstlerin selbst sagt: „Ich interessiere mich dafür, wie viel von dem, was ich jetzt bin, auf subtile Weise von meinen Eltern geprägt wurde. Diesen Teil zu verstehen, ist wichtig für ein tieferes Verständnis des Selbst, das die Richtung für die Zukunft bestimmt, besonders mit eigenen Kindern!“
 

Ma Qiusha From No.4 Pingyuanli to No.4 Tianqiaobeili, 2007, © Ma Qiusha and Beijing Commune

Ma Qiusha wurde 1982 in Peking geboren. Sie schloss 2005 ihr Studium an der Central Academy of China in Peking ab und erlangte 2008 ihren Masterabschluss in Electronic Integrated Arts an der Alfred University in den USA. Derzeit lebt und arbeitet sie in Peking. Ihre Einzelausstellungen fanden unter anderem im Middlesbrough Institute of Modern Art in Großbritannien, im OCAT Xi'an, im Beijing Commune, im Manchester Chinese Arts Centre, im Ullens Center for Contemporary Art, im Taikang Space in Peking statt. Ihre Arbeiten wurden in renommierten Institutionen ausgestellt, darunter das Daimler Contemporary Art Center in Deutschland, das Los Angeles County Museum of Art, das Hong Kong Museum of Contemporary Art, das Smart Museum of Art der University of Chicago, Para/Site in Hongkong, das Centre Pompidou in Frankreich, das Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe, die Tate Modern in Großbritannien, Borusan Contemporary in der Türkei, das Tampa Museum of Art in Florida, das Groninger Museum in den Niederlanden, das Contemporary Arts Museum Houston und das Stavanger Art Museum in Norwegen.