Perspektiven aus der Residenz  Mehr Respekt und Wertschätzung für den öffentlichen Raum

 © Matthias Petsche

Im Rahmen des Residenzprogramms, das das Goethe-Institut China in Kooperation mit dem A4 Residency Art Center organisiert, reiste der Komponist für Filmmusik Matthias Petsche im September 2024 nach Chengdu, um dort einen zweimonatigen Aufenthalt zu absolvieren. Im Interview mit dem Goethe-Institut China berichtet er von seinen Eindrücken der Stadt und ihrer Bewohner*innen – und davon, welche Aspekte des Lebens in China er sich auch für Deutschland wünschen würde.

Was hat dich dazu motiviert, an einem Residenzprogramm in China teilzunehmen? 

Neugierde. Ganz allgemein an Kulturen und Gesellschaften, die ich nicht oder nicht gut kenne, aber insbesondere an China. Der Wille, mir selbst ein Bild zu machen und mit Menschen vor Ort zu kommunizieren. 

Was war dein erstaunlichstes Erlebnis in China?

Der Besuch im Jiuzhaigou-Nationalpark. Die Natur war beeindruckend schön. Die Menschenmassen sowie die damit verbundene ausgeklügelte Logistik und Infrastruktur haben auf andere Art einen mindestens genauso tiefen Eindruck hinterlassen. 

 © Matthias Petsche

Welche ist deine chinesische Lieblingsspeise? Warum?

Es war gar nicht immer so leicht, als Vegetarier etwas zu finden. Aber bei Streetfood habe ich immer wieder tolle Sachen entdeckt. Mein Favorit waren die frittierten und dann mit verschiedenen Kräutern, Ölen und Gewürzen gemischten Kartoffeln. Sie hatten eine angenehme Schärfe und in der Kombination der einzelnen Zutaten einen exotischen Geschmack.

Welcher Moment während deines Aufenthalts in China hat dich bei deiner Arbeit als Künstler besonders inspiriert?

Ich hatte viele lange und intensive Gespräche mit meiner von A4 gestellten Assistentin, die für mich viel mehr eine gleichgesinnte Künstlerin war.  Sie hat es geschafft, am Tag meines Abflugs aus Peking ein Treffen mit Kollegen und absoluten Profis des chinesischen Films zu organisieren, zu dem sie auch selbst extra angereist ist. 

 © Matthias Petsche

Welchen Ort in China würdest du deinem*r Nachfolger*in unbedingt empfehlen?

Schwierige Frage bzw. schwierige Entscheidung. Ich habe so viele authentische Erlebnisse gesammelt! Sehr beeindruckt hat mich u. a. die Altstadt von Songpan, aber sich in den normalen Alltag zu stürzen, lokale Märkte oder die Mittagsversorgung für Bauarbeiter auszuprobieren, war nicht minder spannend. 

Inwieweit hat das Residenzprogramm deine Vorstellung von China verändert?

Ich würde sagen, meine Vorstellung von China hat sich nicht so sehr in eine bestimmte Richtung verändert. Es ist eher so, dass sie in vielen Punkten einfach nur sehr vage war. Durch meinen Aufenthalt habe ich ein viel konkreteres Bild gewonnen und bin mir trotzdem bewusst, nur einen Ausschnitt gesehen haben zu können. 

 © Matthias Petsche

Welche Gewohnheit oder Idee aus China würdest du gerne in Deutschland übernehmen?

Mehr Respekt und Wertschätzung für den öffentlichen Raum. Auch wenn dieser sicher nicht immer rein aus Überzeugung erfolgt, sorgen die sauberen Straßen, Parks und U-Bahnen für eine hohe Aufenthaltsqualität.

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Nach Abschluss eines Kompositions- und Musiktheoriestudiums bei Professor Gerhard Tittel an der HfM „Hanns Eisler“ Berlin wechselte Matthias Petsche angesichts seiner Leidenschaft für die musikalische Gestaltung bewegter Bilder an die Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf. Neben den erworbenen Abschlüssen als Tonmeister und Filmkomponist waren es vor allem die dort entstandenen Kontakte und Freundschaften, die zu seinen ersten erfolgreichen Arbeiten führten. Zu nennen wären da beispielsweise die Lola-Gewinner „Pianomania“ und „Was am Ende zählt“, aber auch Matthias Luthardts „pingpong“, der 2006 in Cannes den SACD Award gewann, sowie „Der die Tollkirsche“ ausgräbt, Franka Potentes Regie-Debüt.