Leben

Markenzeichen Triple Cork 1440

Foto: © Luca TribondeauFoto: © Luca Tribondeau
Der 17-Jährige Luca Tribondeau ist seit fünf Jahren Slopestyler und kämpft in Sotschi für Österreich um Medaillen. Foto: © Luca Tribondeau

Zwölf neue Wettbewerbe werden bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi ausgetragen. Damenskispringen oder Snowboard-Parallelslalom klingen für Wintersportfans vertraut. Andere Disziplinen hingegen lösen zunächst meist eher Schulterzucken aus. Wenn etwa beim Eröffnungswettbewerb von Back Flips, Mute Grabs und Truckdriver die Rede ist, dann wird im Slopestyle um Medaillen gekämpft.

Luca Tribondeau fährt rückwärts über eine Schanze und springt in die Höhe. Er macht einen Salto, dreht sich mehrmals um die eigene Achse und landet. Ohne Sturz. Er hat soeben einen Switch Misty 1440 gestanden. Luca ist Slopestyler.

„Slopestyle ist ein sehr populärer Sport, mit jungen, spektakulären Athleten. Es bringt noch mehr Jugendlichkeit in unser schon jetzt spannendes Programm der Olympischen Winterspiele“, sagte IOC-Präsident Jaques Rogge, als diese Disziplinen 2011 die Aufnahmebedingungen erfüllt haben und „olympisch“ wurden. Das ändert jedoch nichts daran, dass Slopestyle noch relativ unbekannt ist. Nur wenige wissen, dass dieser Sport existiert. Und noch weniger wissen, was man als Slopestyler überhaupt macht.

Slopestyle galt lange Zeit als Extremsportart und wird offiziell in die Kategorie der Ski-Freestyle-Wettbewerbe eingeordnet. Die Piste der Slopestyler ist der sogenannte Parcours, der mit einem Skatepark beziehungsweise einer Skaterampe verglichen werden kann. Die Athleten müssen mit den Skiern oder dem Snowboard die unterschiedlichen Schanzen (Kicker), Boxen und Geländer (Rails) befahren und möglichst spezielle Tricks und Sprünge zeigen. Es wird nämlich vor allem darauf geachtet, welche Elemente der Athlet einbaut und wie schwierig seine Tricks sind. Wichtig ist zudem noch der Style, also wie diese Tricks ausgeführt werden. Eine Jury vergibt insgesamt bis zu 100 Punkte für die Höhe, Weite, Schwierigkeit, die Variation und den Style.

Von den X-Games zu Olympia

Foto: © Luca Tribondeau
Für die Olympischen Spiele ließ Luca sich von der Schule freistellen. Foto: © Luca Tribondeau

Luca Tribondeau beherrscht diesen Sport perfekt. Der 17-Jährige ist seit fünf Jahren Slopestyler und kämpft in Sotschi für Österreich um Medaillen. In seiner Kindheit war er Ski-Rennläufer. Da er immer alles seinem Bruder nachgemacht hat, habe er mit Freeskiing begonnen, erzählt er. „Mir gefällt die Freiheit in diesem Sport und natürlich das Springen, das Fliegen wie ein Vogel.“

Mit seinen jungen Jahren zählt der Kärntner bereits zur Weltspitze. Auf der größten und wichtigsten Extremsportveranstaltungden, den X-Games, belegte er im Januar in Aspen / Colorado den vierten Platz. Mit seiner Spezialität, dem Triple Cork 1440, hat der junge Slopestyler schon oft für Aufsehen gesorgt: Der Sprung ist sehr selten, nur wenige Athleten beherrschen den dreifach Salto mit vier Schrauben. Die Schwierigkeit des Tricks drückt auch die Zahl in seinem Namen aus: vier vollständige Drehungen, also 4 mal 360 Grad, insgesamt 1440 Grad.

Luca geht noch zur Schule. Für das Projekt Olympia ließ er sich freistellen. Auch seine Freizeit steht ganz im Zeichen des Sports. Luca absolviert etwa 200 Skitage pro Jahr. Wenn er nicht gerade auf Schnee trainiert, übt er auf dem Trampolin oder auf der Wasserschanze. Für körperlich hundertprozentig fitte Sportler ist die Verletzungsgefahr nicht größer als beim herkömmlichen Skifahren, auch wenn so mancher Trick ziemlich waghalsig wirkt.


Vor seinen ersten Olympischen Spielen gibt sich Luca Tribondeau gelassen: „Ich hoffe, ich werde die Spiele genießen können. Ich habe keine großen Erwartungen, sondern lasse alles auf mich zukommen.“ Und falls er seinen Triple Cork 1440 auspackt, kommt vielleicht sogar eine Medaille auf ihn zu.

Das Slopestyle-Wörterbuch

backflip Rückwärtssalto
cork, misty Varianten des seitlichen Flips
double ein Trickelement wird doppelt ausgeführt
double mute wie mute grab, zusätzlich kommt die linke Hand an die gleiche Stelle wie die rechte Hand
double saftety grab rechte Hand wird unter die Bindung des rechten Skis gegeben, gleichzeitig kommt linke Hand unter die Bindung des linken Skis
frontflip Vorwärtssalto
grab der Athlet greift während des Sprunges an seine Ski
slide, grind der Athlet rutscht seitlich oder mit Drehungen über Hindernisse
mute grab Ski vor der Bindung überkreuzen, etwa linker Ski über den rechten Ski, rechte Hand greift zum linken Ski kurz vor der Bindung
nose das vordere Ende des Skis
nose grab Ski wird am vorderen Teil, sprich vor der Bindung, gegriffen
octo grab Ski überkreuzen, linken Ski mit der rechten Hand vor der Bindung greifen und mit der linken Hand hinter der Bindung
rail auf der Strecke installierte Metallschienen
safety grab rechte Hand greift auf Höhe der Bindung unter den rechten Ski
switch rückwärts angefahrener Sprung
switch misty 1440 rückwärts angefahrener Salto mit vier Drehungen
tail das hintere Ende des Skis
tail grab der Griff erfolgt am hinteren Teil des Skis, also hinter der Bindung
truckdriver beide Ski vor der Bindung angreifen, die Füße sind dabei durchgestreckt
true tail grab Griff erfolgt an den hintersten Teil des Skis
triple cork 1440 dreifacher Salto mit vier Schrauben

Slope: Englisch für Abhang / Piste, Anm. d. Red.

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Februar 2014
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Wie wird eine Sportart olympisch?

Über das Programm der Olympischen Spiele bestimmt das Internationale Olympische Komitee (IOC), es kann mit einer Mehrheit der Stimmen neue Sportarten, Disziplinen oder Prüfungen aufnehmen oder ablehnen.

Sportarten können nur dann ins olympische Programm aufgenommen werden, wenn ihr Verband offiziell vom IOC anerkannt ist, etwa der für das Eislaufen verantwortliche Internationale Eislauf-Verband (International Skating Union ISU). Eine Wintersportart muss zudem in 25 Ländern und auf drei Kontinenten verbreitet sein, um ins Programm aufgenommen werden zu können.

Das IOC berücksichtigt für die Aufnahme einer neuen olympischen Disziplin verschiedene Kriterien. Sie soll weit verbreitet sein und sicherstellen, dass Frauen und Männer möglichst gleich vertreten sind. Eine hohe Anziehungskraft auf Jugendliche ist ebenfalls ein ausschlaggebender Faktor.

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