Leben

Umarmen auf Lesbos

Foto: © Nancy Waldmann | Katerina Apostolidi
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Foto: © Nancy Waldmann | Katerina Apostolidi

Es ist September, immer mehr Flüchtende kommen nach Europa. Katerina, eine griechische Freundin aus Berlin, überredet mich, auf die Insel Lesbos zu fahren, da wo die Menschen ankommen. Sie stranden – eine andere Ankunft macht die Europäische Union den Flüchtenden nicht möglich. Die Insel Lesbos liegt im ostägäischen Meer, das türkische Festland ist gut zu sehen. Zwischen 2.000 bis 4.000 Menschen kommen jeden Tag in Gummibooten an den Küsten im Norden und Osten der Insel an. Katerina folgt auf Facebook dem Verein Agkalia, der Flüchtenden hilft und völlig ehrenamtlich ist. „Akgalia“ heißt Umarmen. Wir wollen Agkalia ein paar Tage unterstützen und die Wege der Flüchtenden auf der Insel nachvollziehen.

MONTAG – 40 QUADRATMETER EUROPA

Foto: © Nancy Waldmann | Katerina Apostolidi
Ankunft im Hafen von Mytilini, Foto: © Nancy Waldmann | Katerina Apostolidi

Katerina holt mich ab im Hafen an der „Freiheitsstatue“ von Mytilini, an deren Fuß Zelte Flüchtender stehen. Wir brechen auf gen Norden zu unserem ersten Einsatz bei Agkalia – unvorbereitet, aber es wird ohnehin improvisiert. Wir lernen Sena kennen, die sich allein mit ihrem Sohn durchs Leben schlägt, wir rauchen mit einem syrischen Schriftsteller und befreunden uns mit dem charmanten Yazan.

Montag früh, Mytilini

„Bitte nicht scheißen!“ sagt der Mann vom Motorradverleih auf meine Frage, was die Schilder auf Arabisch bedeuten, die er an seinem Laden angebracht hat. Er ist direkt hinter dem Hafen, bis vor wenigen Tagen haben hier ungefähr 20.000 Menschen in Zelten kampiert, um sich zu registrieren, damit sie mit dem Schiff weiter nach Athen reisen können. Jetzt sei es ja schon besser, sagt er. Vor einigen Tagen kamen die Übergangs-Premierministerin und die Polizeichefin nach Lesbos. Einen Tag lang haben sie Kaffee getrunken und herumtelefoniert, dann gab es mehr Fähren und Geld für Camps. So erzählt man es auf der Insel.

Registrieren müssen sich die Flüchtenden jetzt in den Camps außerhalb der Stadt, nicht mehr am Hafen. Trotzdem sind immer noch viele Zelte und Menschen. Vor den Kassen für die Schiffstickets bildet sich eine Menschentraube. Es stinkt nach Urin.

Kalloni, nachmittags und abends 23 Uhr

Zwischen dem Strand, an dem die Flüchtenden die Insel betreten, und Mytilini im Süden, wo sie sie wieder verlassen, liegen 70 Kilometer. Dazwischen Kalloni, etwas abseits der direkten Route. Hier hat Agkalia sein Quartier, ein Ladenlokal am Ortsrand, 40 Quadratmeter, ausgelegt mit Matten und Matratzen, die nur schmutzig sein können, weil täglich hunderte Menschen darauf rasten. Ein Klo, ein staubiger Garten mit Zelten.

Philip, freundlich, kommunikativ, Brite, steht am „Tresen“, dahinter ein Turm aus Kisten, in denen Essen, Tücher, Decken, Tüten und Desinfektionsmittel lagern. Ein Auto bringt Beutel voll Toast, Käse und Kekse, drei Gurken und Obst. Gewusel. Dunkelhaarige Flüchtende und blonde Freiwillige, dabei einige Spontanhelfer, Reisende aus Nordeuropa. Sie suchen mit Blicken eine Aufgabe. Wo ist Patrick? Patrick, ein bereister Deutscher mit verrauchter Stimme, soll den Hut aufhaben. Er kommt noch, will aber nicht Boss sein. Vania, eigentlich Journalistin, jetzt Helferin, übernimmt, zumindest die Kommunikation. Da sind Christos, der auch ein Tagebuch schreibt für eine griechische Website, und Pepi, eine Rentnerin, extra aus Athen zum Helfen angereist.


„Macht Sandwiches!“, schlägt Philip vor. Wir legen Käsescheiben auf Toastscheiben, ohne Butter. Verstauen sie für das Abendessen, aber eine Engländerin will sie gleich verteilen. Da kippt schräg hinter uns plötzlich ein alter Mann um. Er liegt auf einer staubigen Matte, blutet. Angehörige knien bei ihm, viel zu viele Menschen stehen um ihn herum. Ich halte Ausschau nach einem Helfer, der einen Plan hat. Sehe niemanden. Der Mann liegt nun auf der Seite und wirkt stabil. Wir machen weiter mit den Broten. Nach einer Weile nimmt dann doch ein Krankenwagen von der örtlichen Poliklinik den Mann mit.

Ich klaube mir Informationen zusammen, die mich nützlicher für die nächsten Ankömmlinge machen. „Experte“ wird man in einem Tag.
Refugees kommen und stellen Fragen, auf Englisch, weil sie denken, ich weiß Bescheid. Wo kann ich eine SIM-Karte kaufen? Warum funktioniert meine SIM-Karte nicht? Kann ich ein Taxi nach Mytilini nehmen? Gibt es kein Internet? Wann kommt der Bus?

Ich frage andere und höre mit, was sie sagen. Klaube mir Informationen zusammen, die mich bald ein wenig nützlicher für die nächsten Ankömmlinge machen. „Experte“ wird man hier in einem Tag.

Zwischendurch kommt ein Australier vorbei, der sich als Kommunikationsexperte vorstellt. Er erkundigt sich, wie Flüchtende auf der Insel an Informationen gelangen.

Es gibt da ein Missverständnis in Kalloni, lerne ich: Ein Infoblatt auf Englisch und Arabisch, das Helfer am Strand an Ankömmlinge verteilen, weist auf das Polizeirevier neben Agkalia hin. Immer wieder laufen Leute 30 Kilometer nach Kalloni in der Hoffnung, sie könnten sich dort registrieren. Aber das ist Quatsch, sie müssen dafür in eins der beiden Camps nahe Mytilini. Deswegen wollen die Leute so schnell wie möglich weiter.

Agkalia bekommt viele Spenden. Von dem Geld werden Busse geordert, damit die Leute in die Camps kommen. Mit dem Taxi oder per Anhalter zu fahren ist nicht unmöglich, aber strafbar für die Fahrer. Denn das gilt als Schmuggel.

So ist die dringendste Frage: „Wann kommt der Bus?“ Aber darauf hat niemand eine präzise Antwort. Heute Abend, angeblich. Es soll Plätze für alle geben, heißt es. Es gibt Abendbrot. Die weichen Käsesandwichs.

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An jenem Montag bei Agkalia, mit Philip, Yazan, Patrick, Vania und all den anderen, Video: © Patrick Waidmann

Der Mann des Abends heißt Yazan, ist 19 Jahre alt und kommt aus Syrien. Er spricht super Englisch, ist hilfsbereit und fröhlich. In kürzester Zeit hat er einen Draht zu allen Freiwilligen, und zu den Flüchtenden.

Warten. Ein älterer Syrer spendiert Zigaretten. Er will nach Berlin zu Verwandten. Wir unterhalten uns in einfachem Englisch. Rumänisch kann er, sagt er, weil er mal ein paar Semester Medizin studiert habe in Bukarest. Noch zu sozialistischen Zeiten (Assads Syrien stand der Sowjetunion nah.) Aber eigentlich ist er Schriftsteller. Als er hört, dass ich in Berlin wohne, freut er sich. Ich könnte ihm meine Telefonnummer geben, denke ich. Aber dann fragt er und fragt, will wissen, ob ich verheiratet bin. Das wird mir zu viel, ich beende das Gespräch.

Nach außen hin kommunizieren meistens die Männer. Aber es gibt auch allein reisende Frauen. Zum Beispiel Sena mit ihrem Sohn Omar aus Syrien. Katerina bemerkt sie, als sie Leute für den Bus zählt. Sie hat lange, dunkelrot gefärbte Haare, trägt Jeans, elegante Sandalen und lackierte Fußnägel. Keine Spur von Flucht an ihr. Kein Rucksack, nicht mal ein Telefon. Pässe und Geld holt sie aus ihrem BH hervor. Mithilfe von Yazan unterhalten wir uns.

Wir sammeln den Müll auf und machen den Boden sauber mit Wasser und Chlor. „Wie nach einer Party“, sagt jemand.
„Omar ist der Mann bei uns“, sagt Sena. Omar ist zehn und sei auf der Überfahrt neben dem Boot hergeschwommen, berichten die beiden. Sie haben eine Weile in der Türkei gelebt, Sena hat als Kellnerin Geld verdient. Seit Omars Geburt lebe sie mit ihm allein, der Vater habe sich aus dem Staub gemacht. Sie will keinen Mann mehr. Sie wollen Deutschland erreichen. Omar will da studieren und Raumfahrer werden. Die beiden bekommen einen Rucksack von Agkalia, Zahnbürsten und Proviant.

Kurz vor 22 Uhr: drei Busse kommen. Einer mehr als gewöhnlich. Jubel bricht los und der Kampf ums geordnete Einsteigen, Familien mit Kindern zuerst. Wer weiß schon, ob der Platz wirklich reicht...

Er reicht.

Plötzlich sind alle weg. Die Helfer bleiben zurück. Wir sammeln den Müll auf und machen den Boden sauber mit Wasser und Chlor. „Wie nach einer Party“, sagt jemand.

Yazan, der Übersetzer, sendet am nächsten Tag eine Whatsapp-Nachricht. Der Bus habe sie in Mytilini am Hafen abgesetzt. Sie mussten auf der Straße übernachten.

* Yazan teilt zehn Tage später, am 24. September, mit, das er bei seinem Bruder in München angekommen ist.



DIENSTAG – DIE BÜHNE DER SCHIFFBRÜCHIGEN

Foto: © Nancy Waldmann | Katerina Apostolidi
Ein Helfer winkt ein ankommendes Boot heran. Foto: © Nancy Waldmann | Katerina Apostolidi

An der Küste von Eftalou erreichen die Flüchtenden in der Rolle der Schiffbrüchigen Europa. Das so vorgeführt zu bekommen, gibt einem das Gefühl von Hilflosigkeit. Auf den Selfies der Gestrandeten bleibt Eftalou das rettende Ufer.

Dienstag, 8 bis 15 Uhr, Eftalou-Küste

Acht Kilometer steinige Küste, ruhige Brandung, Schwimmwesten und kaputte Gummiboote zu Haufen zusammengetragen. Die Sonne scheint. Katerina und ich machen mit dem Motorrad Staubwolken auf der unbefestigten Straße. Eftalou ist wie eine lange Bühne. Die Flüchtenden sind gerade den Bomben, den Terroristen, dem unzumutbaren Leben in Syrien, Afghanistan oder dem Irak entkommen. Hier müssen sie die Schiffbrüchigen spielen, nass aus dem überfüllten Boot steigen, manchmal schlitzen sie es auf den letzten Metern gezielt auf.

Die weiteren Rollen: Helfer mit Autos voller Wasserflaschen, Bananen, Decken oder mit Kindern und Alten beladen; spähende Männer, die die Bootsmotoren holen wollen. Mit leeren Kofferräumen und Laderampen fahren sie die Küste auf und ab.

Weitere vier Männer in zwei Müllautos sollen diese davon abhalten. Eigentlich ist ihr Job, die Schwimmwesten und den Bootsmüll wegzuschaffen; ein paar Journalisten mit Kameras, die jene interviewen, die am wenigsten scheu sind und am besten Englisch können.

Katerina und ich müssen unsere Rolle noch finden.

Ich treffe den verunsicherten Blick eines jungen Mannes. Frage, ob er o.k. ist. „Ja. Aber die Reise... es ist hart.“
Von einer Kuppe aus sehen wir ein ankommendes Boot. Wir fahren hin, es sind 30 bis 40 Personen, viele Männer. Einige reiben sich die Augen, andere wechseln ihre Kleidung. Manche machen Selfies in Schwimmweste, die Türkei im Rücken, viele telefonieren, man hat hier noch türkisches Netz. Ein Müllmann in Warnweste redet auf Griechisch auf die Leute ein, vergeblich, klar. Katerina hilft mit Englisch. Kinder und Frauen sollen auf der Laderampe des Müllautos ins nächste Küstendorf fahren. Dort käme ein Bus, der die Leute in die Flüchtlingscamps bringt. Die anderen müssen die vier Kilometer laufen.

Ich komme mir blöd vor mit meinem Fotoapparat. Treffe den verunsicherten Blick eines jungen Mannes. Frage, ob er o.k. ist. Ja. Aber die Reise... es ist hart, sagt er, nach englischen Vokabeln suchend. Aus seinem T-Shirt guckt ein Schlüsselband mit deutscher Aufschrift hervor: „Damit das Leben junger Menschen gelingt.“ Wie ein Gebet. Daneben das Logo einer Ordensbruderschaft. Er sei selbst ein Mönch, sagt er. Aus Damaskus. Basil heiße er. Basil will zu seinem Bruder nach Frankfurt am Main. Ich überlege, ob er wirklich einen Schlüssel an dem Schlüsselband hat und wenn ja, für welche Tür.

Da kommen die Männer wegen der Bootsmotoren. Der Warnwestenmann tritt ihnen entgegen, sie machen finstere Gesichter. Dann fährt er die Frauen und Kinder weg. Motoren gestrandeter Boote sind öffentliches Eigentum, müssen registriert und dann versteigert werden, erklärt uns die zweite Warnweste, die den Motor bewacht, bis der andere wiederkommt.

Im Dorf: Der Bus kommt nicht. Basil und seine Weggefährten wollen zu Fuß weiter. Ich frage ihn noch nach dem Schlüsselband. Eine Trillerpfeife hängt dran, Geschenk von einem Freund. Ein gutes Geschenk für die riskante Überfahrt übers Meer, denke ich mir.

Katerina fährt zurück zur Küste, um mehr Ankünfte zu sehen. Mir reicht’s. Ich bleibe im Dorf und inspiziere Dinge am Wegesrand: nasse Schuhe, aufgestellt zum Trocknen für die Nächsten, Zettel mit Namen und Telefonnummern, SIM-Karten, leere Tablettenpackungen mit türkischer oder arabischer Beschriftung, eine gefütterte Lederjacke für den europäischen Winter, nass geworden bei der Überfahrt, zu schweres Gepäck.


Irgendwann gehe ich doch wieder entlang der Küste. Eine Gruppe Männer sitzt in einem großen Kreis und zählt das übrige Geld, 1.000 bis 1.600 Dollar pro Person kostet die Überfahrt. Bilder von Ankünften prägen sich ein an diesem Tag: Eine Frau, die türkische Lira in die Luft wirft. Eine Frau, die nach der Ankunft betet. Leute, die baden gehen, nachdem sie angekommen sind.

Katerina kommt mir entgegen. Gerade kam ein Boot an, das sei auf halber Strecke von der Türkischen Küstenwache angehalten worden. Die hatten Geld verlangt, erzählten die Leute bei der Ankunft. Weil sie keins gaben, schossen die Beamten in die Luft und irgendwie fiel dabei ein Mann ins Wasser. Sein Freund war verzweifelt. Aber es ging gut aus: Ein anderes Boot rettete ihn.

Ich tue das einzige, was mir sinnvoll erscheint: Ich grüße alle, die ich für Flüchtende halte.
Ein geübtes Auge kann sehen, wenn drüben in der Türkei ein Boot startet. Erst ist es ein schwarzer Punkt, der sich im Wasser von einem weißen Strich abhebt (die Welle). Wenn sich das Boot nähert, kommt ein orangener Fleck dazu (die Schwimmwesten). Das erklären uns drei Einheimische in einer einsam gelegenen Taverne direkt am Wasser. Die Tische stehen unmittelbar an der Küstenstraße. Von Zeit zu Zeit wandern Flüchtende an den Gästen vorbei. Viele grüßen.

Kurz nach 14 Uhr fahren die Müllmänner vor. Die Männer aus der Taverne feixen: „Na, habt ihr endlich Feierabend?“ Die Warnwesten fahren langsam weiter. Das Boot, das eben noch ein Punkt war, ist nah. Die Männer winken es zu sich und zerlegen es in einem Affenzahn. Die meisten Boote und Motoren sind von Yamaha. Muss ein glänzendes Geschäft sein in diesem Jahr.

Einer Frau geht es schlecht, sie kauert auf den Steinen in der Sonne, umringt von ihrer Familie. Ich frage, ob sie was brauchen, und hoffe, dass sie Nein sagen. „She is very sick“, sagt der Mann. Ich gucke mich um, ein paar Minuten später kommt ein Helfer. Ich sage ihm, dass jemand transportiert werden müsste. Der ist genervt und sagt, ja, müssten die alle. Ich führe ihn zu der Frau, dann hieven sie sie ins Auto, auch die Kinder.

Katerina und ich machen uns auf den Rückweg. Wir verlassen die Bühne mit dem Motorrad und ich tue, was ich schon den ganzen Tag mache (das einzige, was mir sinnvoll erscheint): Ich grüße alle, die ich für Flüchtende halte.

14 Boote habe ich gezählt. Aber das sind nicht alle.

* Durch stürmische See ist im Oktober und November die Zahl derer, die auf der Überfahrt nach Lesbos ertrunken sind, stark angestiegen. Der Bürgermeister Spyros Galinos sagte Anfang November in internationalen Medien, die Friedhöfe auf der Insel seien überfüllt. Für mehr als 50 Leichname ertrunkener Menschen fehlten zu diesem Zeitpunkt Begräbnisorte.



MITTWOCH – ZWEI CAMPS – ZWEI KLASSEN

Foto: © Nancy Waldmann | Katerina Apostolidi
Polizisten weisen Flüchtende im Camp Moria an, sich auf den Boden setzen. Foto: © Nancy Waldmann | Katerina Apostolidi

Basil aus Syrien und Alireza aus Afghanistan – zwei Klassen von Flüchtenden. Während Syrer zügig zur Registrierung vorgelassen werden, stauen sich alle anderen in Moria, wo sich die Polizei mit Schildern und Schlagstöcken aufgestellt hat. Bürgermeister Galinos will die Camps in die Türkei verlegen. Und Giorgos von Agkalia steckt in einem Dilemma.

Mittwoch, beim Bürgermeister in Mytilini

Spyros Galinos hat als Flüchtlingskrisen-Manager einen guten Ruf, selbst Leute vom anderen politischen Ufer sagen, er tue mehr, als er könne. Dabei gehört er zu der rechtspopulistischen Partei ANEL. Galinos sagt uns: „Die Leute sollten eine Chance auf Schutz bekommen.“ Das überrascht mich zunächst. Allerdings stehen die Leute auch schon direkt vor der Tür. Von seinem Fenster kann Galinos hinüber zum Hafen gucken.

Wir sitzen vor seinem antiken Schreibtisch im Rathaus. Das schwere Möbelstück kommt mir vor wie eine Barrikade zum Selbstschutz gegen den „Ausnahmezustand“ auf der Insel, wie Galinos es nennt. Seit April mache er seine eigentliche Arbeit nur noch zwischendurch, sagt er. Die wichtigen Fragen sind: Was brauchen sie in den Camps? Wie viele kommen heute an? Und er muss Geld finden. Eine Million Euro an Kosten haben sich seit Frühjahr angehäuft. Müll, Strom und Wasser in den Camps, Busse. Jetzt bemüht sich Galinos um eine Ausnahme für Lesbos. Denn wegen der Finanzkrise darf im öffentlichen Dienst eigentlich niemand mehr eingestellt werden. Aber irgendwie muss die ganze Arbeit bewältigt werden. Die Sekretärin platzt mit einer guten Nachricht herein: Eine Baufirma hat ein Reinigungsfahrzeug gespendet.

Wegen der Finanzkrise darf im öffentlichen Dienst eigentlich niemand mehr eingestellt werden. Aber irgendwie muss die ganze Arbeit bewältigt werden.
Galinos trägt Igelschnitt und Geheimratsecken, er wirkt wie ein gewiefter Politiker, nicht wie ein Lokalpolitiker. Er hat einige Interviews gegeben. Seine Strategie: Stress machen in Athen und Brüssel. Und dennoch Europa beschwören: Die EU, die ihm mit ihrem Grenzregime und ihrer Sparpolitik fast das Rückgrat bricht, nennt Galinos immer noch „die Familie“, die sich um „bedürftige Kinder“ wie seine Gemeinde kümmern wird. Er hat schon mal was ausgedacht: Man sollte die Flüchtlingscamps in die Türkei verlegen und die Leute nach einer ersten Prüfung geordnet nach Europa einreisen lassen. Mit seinen Bürgermeister-Kollegen auf türkischer Seite hat er schon gesprochen.

Draußen vorm Rathaus treffen wir zufällig Basil, den Mönch. Es läuft gut bei ihm. Er hat sich schon registriert, mit seinen Brüdern in einer Kirche in Mytilini übernachtet und das Ticket für die Fähre nach Athen heute Abend in der Tasche.

Camp Kara Tepe


Ein offenes Feld am Standrand von Mytilini, ein paar Olivenbäume und viele Zelte. Zelte, weiß, in Reihen, von internationalen Hilfsorganisationen. Da, wo ein Wasserhahn ist, waschen Leute sich oder ihre Kleidung. Es gibt keinen Abfluss, deswegen läuft das Wasser in Rinnsalen in die trockene Erde. Paletten mit Wasserflaschen, Zäune sind Wäschetrockner, Kleiderbörsen auf dem Boden. Ein Euro fürs Smartphone laden. Vor einem Bereich mit drei Zelten warten einige Dutzend Menschen, Einlasskontrolle von gestressten Ordnern. Alles relativ geordnet. Die, die vom dritten Zelt weggehen, haben ein Papier in der Hand, das ihnen sechs Monate Aufenthalt in Griechenland erlaubt. In Kara Tepe registrieren sich nur die Syrer. Wer etwas erfahren will über das Camp, hat es schwer. Helfer haben entweder keine Zeit oder wissen nicht Bescheid.

Plötzlich steht der Schriftsteller vom Montag in Kalloni vor uns, neben einem Getränkekiosk. Registriert hat er sich nicht. Warum auch, er wolle ja nach Deutschland. Er hat ein Flugticket nach Thessaloniki für den nächsten Tag gekauft, im Reisebüro, war einfach. Wir staunen.

Camp Moria

Moria war einmal eine Art Hochsicherheitsgefängnis, in dem man Flüchtlinge monatelang einsperrte. Jetzt liegen diese EU-finanzierten Containertrakte mit Zäunen und Überwachungskameras verwaist da, die Syriza-Regierung hat sie geschlossen. Die Flüchtenden hausen nun drum herum in Zelten oder unter Sträuchern.

Mir wird erst später klar, was uns da vor Augen geführt wurde: die Zweiklassengesellschaft der Flüchtenden, die man am Zustand der beiden Camps ablesen kann. Nach Moria müssen die, die nicht aus Syrien sind. Wir sehen keine Stände von Hilfsorganisationen, die Zelte sind schlechter und stehen ungeordneter als in Kara Tepe, die Registrierung geht nicht voran, es stinkt nach Urin.


Polizisten mit Schildern und Helmen versuchen die Schlange zur Registrierung zu kontrollieren, indem sie den Menschen befehlen, sich auf den Boden zu setzen. Manche stoßen mit dem Kopf an die Schilder der Polizisten, so eng ist es. Von hinten und von der Seite drängen einige aggressiv nach vorn Richtung Polizeisperre, andere drückt es deswegen gegen den Zaun. Ein Handgemenge zwischen zwei Männern, kein Polizist greift ein. Katerina, ich und viele andere sehen das alles von einem Erdhügel aus, der die Fläche begrenzt.

Alireza aus Afghanistan wartet schon den dritten Tag. Nichts gehe voran. Wir werden die Registrierung vereinfachen, sagten sie ihm. Alireza zeigt seine Nummer auf einem kleinen Papierzettel, dreistellig, aber die wird nie aufgerufen. Er verliere nur Zeit. Alirezas Ziel: Deutschland. Es sei das einzige Land, das mitgeteilt hat, dass es Flüchtlinge akzeptiere. Alle anderen Länder hätten schließlich gar nichts gesagt. Und er denkt, dass er da beruflich Fuß fassen kann. Alireza ist 24, hat Informatik in Kasachstan studiert. Er spricht Russisch und Englisch und wollte diese Fächer nach seiner Rückkehr in seine Heimatstadt Masar-i-Sharif unterrichten. Aber er wurde bedroht, weil er „christliche Sprachen“ verbreiten würde, immer wieder. Er floh als einziger aus seiner Familie, mehr konnten sie sich nicht leisten. Jetzt ist er mit ein paar Weggefährten unterwegs. An der Grenze Iran-Türkei wurde auf sie geschossen, erzählen sie.

Abends, zurück in Kalloni

Viel los vor dem Quartier von Agkalia. Wir lösen Christos am Tresen ab, verteilen Brote, schenken Milch in Becher ein. Aber nur für die Kinder und nur für die, die noch nichts hatten. Schwierig bei so vielen Gesichtern. Blöd zu sagen: Du kriegst nichts mehr. Im Zweifelsfall gebe ich. Oder reiche Kekse statt Brot. Ich fühle mich allmählich wohl hinter dem Tresen.

Busse kommen, aber nicht alle können fahren. Vania und Patrick müssen das regeln, irgendwie. Jetzt weiß ich, wie es in den Camps aussieht, und denke, es ist doch besser die Nacht hier zu verbringen.

Beim Souvlaki-Essen der Agkalia-Freiwilligen im Nachbarort herrscht missmutige Stimmung. Am Kopf des Tisches sitzt Giorgos, der Agkalia mit seiner Frau und dem Pfarrer in Kalloni vor zehn Jahren gegründet hat. Ich kannte ihn bis dahin nur von seinen anrührenden Facebook-Postings. Er betreibt einen Supermarkt in Kalloni, eigentlich ist er Wissenschaftler, Ägyptologe. Agkalia war immer ein kleiner ehrenamtlicher Sozialverein, nun stehen jeden Tag hunderte Menschen vor der Tür. Seit Monaten hatte er keinen freien Tag. Eigentlich wollte er heute angeln gehen mit einem Freund. Giorgos scheint unter seinem eigenen Charisma zu leiden, das viele Freiwillige anlockt. Aber die erhebten Anspruch auf seine Zeit.

Drei Leute von der Hilfsorganisation Islamic Relief sitzen mit am Tisch. Sie haben heute bei Agkalia geholfen, besonders als Übersetzer. Ja, eigentlich bräuchten wir Leute, die Arabisch können, sagt Giorgos.

Eigentlich, eigentlich – das ist das Dilemma! Wird Agkalia professionell, wäre es doch das falsche Signal, sagt Giorgos. Denn ohnehin halten wir das Problem von den eigentlichen Verantwortlichen fern. Die Regierung lässt Freiwillige die Arbeit machen, für die sie zuständig ist. Schließen geht auch nicht, soll man die Flüchtlinge vielleicht auf der Straße schlafen lassen?

So bleibt Agkalia ein gewolltes Provisorium. Und Vanias Frage, ob Patrick nun der Chef für alle Freiwilligen ist, unbeantwortet.

* Moria wurde Mitte Oktober zu einem europäischen „Hotspot“ erklärt. Nach Berichten der Organisation ProAsyl bedeutet dies, dass Flüchtende mithilfe von Frontex-Beamten identifiziert, registriert und gescreent werden. Die Prozedur dauert deutlich länger als zuvor. Die Lebensbedingungen haben sich dort im Herbst enorm verschlechtert. Menschen harren zeitweise bei Regen und Sturm im Schlamm aus, weil es an Unterbringungsmöglichkeiten mangelt. 12000 Flüchtende halten sich laut UNHCR Mitte November auf Lesbos auf, während es nur für 2800 feste Unterkünfte gibt. Durch Streiks von Mitarbeitern in der Schifffahrt verzögert sich außerdem die Weiterreise vieler Flüchtender per Fähre.



DONNERSTAG – HAT DAS HIER SINN?

Foto: © Nancy Waldmann | Katerina Apostolidi
Am Abend vor dem Quartier von Agkalia, Foto: © Nancy Waldmann | Katerina Apostolidi

Je mehr kommen, desto weniger Zeit bleibt, mit einzelnen zu sprechen. Die Busse sind abgefahren. Um Mitternacht liegen Schlafgäste auf Isomatten bis draußen an den Straßenrand und es treffen immer noch Neuankömmlinge ein. Ein Mann aus Syrien hat Mitleid mit uns und übernimmt die Nachtwache.

Donnerstag, abends in Kalloni

Ich gebe Brote aus wie am Fließband. Trinkpäckchen sind rar, die bekommen nur Kinder. Die Kinder kommen allerdings immer wieder. Überall sitzen erschöpfte Leute, wunde Füße werden wie jeden Abend mit Jod von freiwilligen Krankenschwestern behandelt. Gegen neun Uhr heißt es: es kommen noch 600 Leute. Es muss sich jetzt immer jemand kümmern, dass die Straße frei bleibt. So ein Ordnerjob ist nicht schön. Einige halten Ausschau nach Angehörigen, die nachkommen sollen.

Wir bitten die Leute, sich auf Matten und Kartons zu setzen. Aber viele wollen sich in Stellung bringen für den Moment, wenn die Busse kommen.

Die Kunst ist es, auch die Leisen und Schüchternen im Blick zu haben.
Die sind wieder das größte Thema. Es ist klar, dass heute nicht alle mitfahren können. Familien und Freunde sollen zusammen bleiben, aber manchmal weiß man nicht, wer Freund ist und wer nur so tut. Die Kunst ist es, auch die Leisen und Schüchternen im Blick zu haben. Vania und Patrick verteilen „Tickets“, diskutieren, versuchen Reihen für den Einstieg zu bilden. Aber es gibt Unstimmigkeiten im Team, zum Beispiel, ob und wie der Rollstuhlfahrer mitfahren soll. Die Busse kommen und damit der schwierige Moment: Where is Nr 52? Where is Nr 31? Vania versucht die Menge zu übertönen. Da klinkt sich Patrick beleidigt aus und raucht eine. Du hast nur noch geschrien, sagt er später zu Vania.

Auch am späten Abend treffen immer neue Leute in kleinen Gruppen ein. Das ist neu im Vergleich zu den letzten Tagen. Nebenan vor dem Polizeirevier kampiert eine Familie. Dem Jungen ist schlecht. Aber er darf nicht weg, weil die Polizei einen Schmuggler vernimmt, der die Familie hergefahren hat. Sinnfragen sollte man vermeiden, besser im Aktionsmodus bleiben. Welchen Sinn hat der Zug all dieser Menschen angesichts dessen, was sie noch erwartet? Welchen Sinn hat es, wenn wir Leuten staubige Matten zum Schlafen neben der Straße anbieten? Solche Frage kommen manchmal beim Rauchen unter den Freiwilligen auf.

Sinnfragen sollte man vermeiden, besser im Aktionsmodus bleiben.

Es ist spät, wir führen Leute in den dunklen Garten, damit sie sich schlafen legen können. Aber es ist kein Platz mehr. Nur noch vorn an der Straße.

Ich stelle Obst, Kekse und Trinken auf den Tresen für Leute, die noch kommen, lege Zahnbürsten und Seife hin. Katerina verabschiedet sich lange von Pepi, Christos und den anderen. Sie reist morgen früh ab. Sie wird das Gemeinschaftsgefühl vermissen, sagt sie mir später.

Ich reise morgen erst später ab, kann den Abschied zum Glück verschieben. Irgendwann sind Katerina und ich die letzten, es ist ein Uhr.

Ein junger Typ sitzt noch da und schaut uns zu. Physiker, aus Syrien, sagt er. Wir suchen eine Matte für ihn. „Nicht nötig, ich kann sowieso nicht schlafen.“, sagt er freundlich. „Seid ihr alle Freiwillige hier?“ Wir nicken. Von der Straße nähern sich wieder Neuankömmlinge. „Geht ruhig nach Hause, ihr seht müde aus!“, sagt er. „Ich bin hier, ich hab alles im Blick.“ Wir zeigen ihm die Vorräte und die Medikamentenkiste. Wir drücken ihm eine Matte und eine Decke in die Hand. Wenigstens für unser Gefühl.

FREITAG – GEMEINSAM NACH ATHEN

Foto: © Nancy Waldmann | Katerina Apostolidi
Flüchtende auf dem Schiff nach Athen, Foto: © Nancy Waldmann | Katerina Apostolidi

Mein letzter Tag. Als ich mich verabschieden will, muss sich Agkalia von einem kurzen Kollaps erholen. Die Türen sind geschlossen, für ein paar Stunden. Auf dem Schiff nach Athen treffe ich Alireza wieder. Ein Flüchtender „entschuldigt“ sich bei mir – ich glaube für die Flucht.

Freitagnachmittag, auf dem Weg zum Hafen

Die Räume von Agkalia sind geschlossen, als ich mich verabschieden will. Der Anblick schockiert mich. Ist doch nicht alles gut gegangen in der vergangenen Nacht? Refugees warten davor, es ist nicht die Gruppe von gestern. Zwei Freiwillige, eine Britin und eine Holländerin, deren Gesichter ich von gestern kenne, halten die Stellung, aber viel mehr als Abwarten können sie nicht. Keine Schlüssel, keine Telefonnummern, Patrick sollte längst da sein.

Es habe Spannungen gegeben, erzählt die Britin. Auseinandersetzungen unter Refugees. Sie weiß nichts Genaues. Ich drücke sie zum Abschied und mache mich auf zum Schiff nach Mytilini.

Foto: © Nancy Waldmann | Katerina Apostolidi
Schwimmwestenverkauf in Izmir/Türkei. Katerina reiste über Izmir. Foto: © Nancy Waldmann | Katerina Apostolidi

Abends auf dem Schiff

Auf dem Deck des Schiffs nach Athen erkennt mich Alireza aus dem Camp wieder. Das Papier zur Weiterreise hat er ohne Foto und ohne Fingerabdruck erhalten, kurz nachdem wir am Mittwoch in Moria waren. Man musste lediglich seinen Namen sagen, kein Dokument vorlegen.

Ein Mann tritt an uns heran. „Syria“, sagt er und entschuldigt sich in gebrochenem Englisch dafür, dass „wir alle hier sind“.
Wir unterhalten uns eine Weile. Er redet über Afghanistan und Krieg. Er spricht über die Deutschen, die Amerikaner, die Briten und die Russen. Den Deutschen vertraue er doch am meisten. Vorsichtig versuche ich ihn auf ein paar unschöne Dinge in Deutschland vorzubereiten: Fremdenfeinde und Bürokratie. Ja, wisse er. Und vielleicht überlegten es sich die Deutschen doch wieder anders und machten die Grenzen zu...

Ein Mann tritt an uns heran. Ich frage, ob er ein Freund von Alireza sei. Nein nein. „Syria“, sagt er. Dann beginnt er sich in gebrochenem Englisch bei mir zu entschuldigen. Bei mir, wahrscheinlich weil ich die blonde Deutsche bin, von weitem die andere. Dafür, dass „wir alle hier sind“. Es ist mir peinlich, ich schüttele den Kopf. Bedeute ihm, dass wir Verbündete sind. Ich weiß nicht, ob er verstand.

Auf dem unteren Deck, noch ein bekanntes Gesicht. Einer, der bei Agkalia war. Er sieht mich zuerst. Ich erkenne ihn an seinem T-Shirt, das mich an die US-Flagge erinnert. Wir sprechen keine gemeinsame Sprache. Also rauchen wir eine. Ich lerne das Wort „Cigar“, Farsi für Zigarette.

Nancy Waldmann

Copyright: jádu | Goethe-Institut Prag
November 2015

    Lesbos

    Lesbos oder Lesvos (griechisch Λέσβος) ist mit einer Fläche von rund 1635 Quadratkilometern die drittgrößte Insel Griechenlands und die achtgrößte im Mittelmeer. Die türkische Küste ist von Lesbos aus mit bloßem Auge gut zu erkennen. Die kürzeste Entfernung beträgt nur neun Kilometer. Nach der Volkszählung von 2011 hatte Lesbos insgesamt 86.436 Einwohner. In Mytilini, dem Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum der Insel, lebten 37.890 Einwohner. Laut UNHCR strandeten im Jahr 2015 bis Mitte November knapp 420.000 Flüchtende auf Lesbos.

    Überall auf der Welt leben Menschen für eine bessere Zukunft. Wir sammeln ihre Geschichten und zeigen, was heute schon möglich ist. jadumagazin.eu/zukunft

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    … liegt die Schönheit. Da liegt aber auch die Hässlichkeit – und alles dazwischen. Als Betrachter sind wir jedoch nur selten allein. Und als Betrachtete sowieso nicht. Mehr...

    Höher, schneller, weiter
    Gewinnen. Besser werden. Den inneren Schweinehund überwinden. Verlieren. Aufgeben. Scheitern. Warum Sport? In einem gesunden Körper ein gesunder Geist? Klar, wollen wir alle. Ein paar Geschichten vom Sport. Mehr...

    Dazugehören
    Seit gesellschaftliche Akteure jeder Couleur ihre Forderung nach Integration einem Mantra gleich herunterbeten, gerät viel zu oft in Vergessenheit, dass Integration ein individueller Prozess ist, der auch von uns selbst etwas verlangt. Mehr...

    Themenarchiv
    Ältere jádu-Schwerpunkte findest du im Themenarchiv. Mehr...