Alltagsroutine

Inzwischen hatte ich mich in Finnland sehr gut eingelebt und eine gewisse Alltagsroutine entwickelt. Meine anfänglichen Ängste, mich in einem fremden Land nicht zurechtzufinden, hatten sich definitiv nicht bewahrheitet. Ich genoss die Zeit in vollen Zügen, auch wenn sie mit Schule, Haushalt und Erkundungen (und das eben alles in einem anderen Land) anstrengender war, als ich gedacht hätte.

Woche 5: Unterricht in Finnland und Naturliebe

Auch in der Schule war ich mittlerweile mit den gängigen Abläufen vertraut. Daher möchte ich einen kleinen Einblick in den Ablauf einer typischen Unterrichtsstunde im Sprachenunterricht geben. Natürlich lief jede Stunde etwas anders ab und die konkrete Gestaltung hing immer auch von der jeweiligen Lehrkraft ab. Daher lassen sich meine Beobachtungen nicht ohne Weiteres verallgemeinern. 

Meine Betreuungslehrerin spielte zu Beginn der Stunde, während die Schüler*innen in das Klassenzimmer kamen, immer einen passenden Song zu den aktuellen Vokabeln oder der Grammatik ab, was ich als ein schönes Ritual für den Start empfand. Dann wurde die Hausaufgabe gemeinsam korrigiert. Die Einführung neuer Grammatik oder Ähnlichem fand in der Regel im Frontalunterricht mit einem erarbeitenden Gespräch mit den Lernenden (auf Finnisch) statt, um eine Wissensbasis für alle zu schaffen. Danach folgten Sprechübungen und Sprachspiele in Partner- oder Gruppenarbeit. Die Schulbücher wurden hierbei in der Regel sehr intensiv genutzt, weil sie meiner Meinung nach eine deutlich bessere Struktur aufwiesen, als die meisten Schulbücher in Deutschland. Anders als ich erwartet hatte, wurde tatsächlich kaum digital gearbeitet. Lediglich die Tafel war ein digitales Whiteboard, die Schüler*innen schrieben ansonsten noch alles auf Papier.
Klassenzimmer in meiner finnischen Schule

Klassenzimmer in meiner finnischen Schule | © Maria Schröther

In meiner Freizeit tauchte ich wieder in die weitestgehend unberührte finnische Natur auf der Lammassaari-Insel und im Sipoonkorpi-Nationalpark ein. An der wunderschönen Küstenlandschaft und den Seen inmitten der Wälder würde ich mich wohl nie sattsehen. Außerdem verbrachte ich noch einen Tag etwas weiter im Landesinneren in der Stadt Tampere. Die Stadt selbst fand ich zwar nicht ganz so schön, wie die anderen Städte, die ich hier bisher gesehen hatte, dafür begeisterten mich die umliegenden Seen umso mehr. Nicht umsonst wird Finnland auch das „Land der tausend Seen“ genannt.
 

 

Woche 6: Videotelefonat mit Deutschland & Schneehose Ende April

In der Schule führten meine Betreuungslehrerin und ich diese Woche mit den deutschlernenden Sechstklässler*innen und den englischlernenden Drittklässler*innen Videotelefonate mit einer deutschen Grundschulklasse in Bremen durch. Dieser Kontakt war durch eine frühere Praktikantin entstanden und ermöglichte den Schüler*innen einen gewinnbringenden interkulturellen Austausch. Sie konnten ihre Deutsch- und Englischkenntnisse praktisch anwenden, was zu einem lebensnahen und authentischen Sprachenlernen beitrug. So war das digitale Treffen für die Lernenden sicherlich eine wertvolle Erfahrung, auch wenn es zwischendurch etwas chaotisch zuging.

In meiner Freizeit tauchte ich diese Woche noch etwas tiefer in die finnische Kunstkultur ein. Unter der Woche besuchte ich an einem Nachmittag das finnische Kunstmuseum, wo sehr deutlich zu sehen war, dass die wunderschöne, finnische Natur viele Künstler inspirierte. Am Wochenende lud mich meine Betreuungslehrerin ein, mit nach Tuusula zu fahren, um dort gemeinsam die bekanntesten finnischen Künstlerhäuser zu besichtigen, die heute als Museen genutzt werden.

Auch eine Wanderung in der finnischen Natur durfte diese Woche natürlich nicht fehlen. Dabei bekam ich allerdings das raue Wetter Finnlands zu spüren. Obwohl es mittlerweile Ende April war, gab es nachts zum Teil immer noch Minusgrade und auch tagsüber hatten wir nur etwa drei Grad. Am Wochenende kamen dann noch sehr starker Sturm und etwas Regen dazu. Ich packte also tatsächlich wieder meine Schneehose aus, um bei einem ganzen Tag im Freien nicht zu erfrieren. So langsam wurde es zwar auch hier in Finnland etwas grüner und die Laubbäume setzen kleine Blätter an, aber von den Temperaturen her war der Frühling leider noch kaum spürbar.  

Autorin

Maria ist angehende Grundschullehrerin (Unterrichtsfach Geographie & Didaktikfächer Deutsch, Mathematik, Kunst) und war vom 11.03. bis 11.05.2026 in Espoo.