Praktikumsstart

Endlich startete mein Schulpraktikum in Espoo! Meine Praktikumsschule war eine relativ kleine finnische Grundschule mit etwa 300 Schüler*innen von der ersten bis zur sechsten Klasse. Die Kinder sind dort ein Jahr älter als in Deutschland, da sie erst mit sieben Jahren eingeschult werden. Ich begleitete die Sprachlehrerin für Deutsch (Saksa) und Englisch (Englanti). Englisch ist ab der ersten Klasse Pflicht, wobei meine Betreuungslehrerin das Fach ab der dritten Jahrgangsstufe unterrichtete. Deutsch kann ab der vierten Klasse gewählt werden.

Woche 1: Praktikumsbeginn & Magic Moments 

Ein Schultag dauert von 8:30 Uhr bis 14:15 Uhr und umfasst sechs Unterrichtsstunden à 45 Minuten sowie zwei halbstündige Pausen. Eine Besonderheit ist, dass die Schüler*innen täglich kostenloses Mittagessen erhalten, das in der vierten Stunde gegessen wird, die somit 60 statt 45 Minuten dauert. Auch ich kam in den Genuss des vielfältigen Essens mit täglich frischem Salat, Knäckebrot sowie einem Fleisch- oder vegetarischen Gericht in Buffetform und musste dafür lediglich einen kleinen wöchentlichen Beitrag bezahlen.

Ich wurde sehr herzlich in der Schule aufgenommen. Auch wenn die Schüler*innen mir gegenüber zunächst noch sehr schüchtern waren, war ich mir sicher, dass sich dies mit der Zeit ändern würde. 
Mein Stundenplan im Schulpraktikum an einer finnischen Grundschule

Mein Stundenplan im Schulpraktikum an einer finnischen Grundschule | © Maria Schröther

Auch in die finnische Kultur konnte ich schon ein bisschen mehr eintauchen und besuchte die älteste öffentliche und traditionell holzbeheizte Sauna Helsinkis. Dort konnte ich mich sehr gut entspannen und entdeckte meine Begeisterung für die finnische Sauna-Kultur.
Kotiharjun Sauna

Kotiharjun Sauna | © Maria Schröther

Am Wochenende stand ein großes Highlight auf dem Programm, denn ich machte eine Husky-Tour im Nuuksio-Nationalpark. Auch ohne Schnee war das ein wunderschönes Erlebnis. Ein weiterer „Magic Moment“ war für mich der Sonnenuntergang über der zugefrorenen Ostsee nach einer Waldwanderung auf einem Aussichtspunkt. Am Sonntag schaute ich mir noch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Helsinki an - eine wirklich sehr schöne Stadt.

 

Woche 2: Sprachbarriere & Rentierliebe 

Mit meinen blonden Haaren wurde ich in Finnland sehr oft für eine Finnin gehalten. Leider musste ich meine Gegenüber dann immer mit dem Ausspruch „in English, please“ enttäuschen, weil ich kein Finnisch konnte. Zum Glück war dies meist kein Problem, da fast alle auch gut Englisch sprachen. Da sich Finnisch stark von den mir vertrauten Sprachen unterscheidet, fiel mir das Erlernen der Sprache nicht leicht. Trotzdem bemühte ich mich, zumindest ein paar Wörter zu lernen. Ein kleiner Crashkurs der wichtigsten Wörter:
  • Hallo = Moi!
  • Tschüss = Heipa!
  • Entschuldigung = Anteeksi!
  • Danke = Kiitos!
  • Ja / Richtig = Kyllä.
  • Nein = Ej. / Falsch = Väärin.
Um einer Konversation zu folgen, reicht das natürlich leider noch nicht. Die Sprachbarriere war dementsprechend auch in der Schule spürbar, weil auch im Fremdsprachenunterricht sehr viel auf Finnisch stattfand. Die Grammatik und auch Arbeitsanweisungen wurden in der Muttersprache erklärt, was es für mich etwas schwieriger machte, dem Unterricht zu folgen. Ich verwendete aber mittlerweile die Gesprächsfunktion der Übersetzungsapp, was sehr gut funktionierte.

Wenn man die großen sprachlichen Unterschiede bedenkt, ist es umso beeindruckender, wie gut die Schüler*innen Deutsch lernen. Dabei hilft ihnen sicherlich auch Englisch, was sie meist schon sehr gut können, weil sie im Alltag immer wieder Englisch benötigen. Denn in Finnland werden zum Beispiel die englischen Filme nicht ins Finnische synchronisiert.

Meine Freizeit nutzte ich natürlich wieder für Erkundungstouren und war am Wochenende in Turku, der früheren Hauptstadt von Finnland. Diese Stadt hat mir vor allem wegen der alten Häuser architektonisch sehr gut gefallen, sodass sich die dreistündige Zugfahrt (einfacher Weg) definitiv gelohnt hat.
Burg von Turku

Burg von Turku | © Maria Schröther

Außerdem besuchte ich einen Rentierpark und war sofort hin und weg von diesen Tieren. Im Norden Finnlands gibt es davon übrigens mehr als Menschen, während sie im Süden eigentlich fast nur in diesem Park anzutreffen sind. Rentierfleisch ist hier auch eine beliebte Delikatesse, die sowohl als Salami im Supermarkt als auch in Gerichten im Restaurant zu finden ist. Es ist sehr mager und hat eine leichte Wildnote. Mir schmeckte es sehr gut.

Autorin

Maria ist angehende Grundschullehrerin (Unterrichtsfach Geographie & Didaktikfächer Deutsch, Mathematik, Kunst) und war vom 11.03. bis 11.05.2026 in Espoo.