Kuratieren und Rematriieren

Goethe-Institut Rio de Janeiro · Generalkonsulat von Frankreich in Rio de Janeiro
Forschungsstipendium für Kurator*innen
7. Ausschreibungsrunde  — 2026
Stipendium für kuratorische Forschung Brasilien – Deutschland – Frankreich

Zum Projekt

Das Goethe-Institut und der Kulturdienst des Generalkonsulats von Frankreich in Rio de Janeiro schreiben die 7. Ausgabe des Stipendiums für kuratorische Forschung Brasilien – Deutschland – Frankreich aus.

Diese Ausgabe steht im Einklang mit den Dialogen und Debatten des Treffens „Reparar, Reconectar, Rematriar — Transterritoriales Treffen für Strategien der Restitution“, das vom 3. bis 5. November 2025 in Rio de Janeiro stattfand.

Ausgehend von der Erkenntnis, dass Rematriation keine festen Protokolle vorgibt, sondern Praktiken initiiert, die sich mit der Fortführung des kolonialen Erbes auseinandersetzen und neue Formen des Dialogs im Feld der Kunst und Museen vorschlagen:

  • Reparar: Wie kann was durch den Kolonialismus zerstört wurde, anerkannt, benannt und wiedergutmacht werden: Territorien, Wissen, Verbindungen zwischen Gemeinschaften und dem, was ihnen gehört
  • Reconectar: Wie kann die Verbindungen zwischen den Herkunftsgemeinschaften und dem, was ihnen genommen wurde, wiederherstellt werden – nicht nur physisch, sondern auch in Bezug auf Wissen, Praxis und lebendige Erinnerung – und wie können über diese Grenzen hinweg neue partnerschaftliche Netzwerke aufgebaut werden;
  • Rematriar: Wie kann die Gemeinschaft, das Dorf oder das Volk in den Mittelpunkt des Dialogs gestellt werden, in Abstimmung mit institutionellen Prozessen, ohne dass dies negative Auswirkungen auf die Herkunftsgemeinschaften hat.
Die Rematriierung (Rematriação) erkennt den Stellenwert der Herkunftsgemeinschaft für das Schicksal der Objekte und Werke, die in Sammlungen im Ausland sind, sowie ihr Recht auf Erinnerung, Wahrheit und Selbstbestimmung über das, was ihr gehört. „Mátria“ verweist auf die Erde, den Mutterleib und die Mutter und inspiriert Begriffe und Beziehungen der Regenerierung. Rematriação soll somit ein Themenfeld aufmachen, das Kuratieren, Museologie, Kulturrecht, geistiges Eigentum, Diplomatie und zeitgenössische künstlerische Praktiken durchzieht, im Sinne wirksamer Strategien zur Rückgabe von Kulturgütern.

Im Jahr 2024 gab Dänemark den Tupinambá-Umhang an das Nationalmuseum in Rio de Janeiro/Brasilien zurück, nachdem verschiedene Tupinambá-Gemeinschaften jahrzehntelang Forderungen gestellt hatten. Der Prozess verdeutlichte die Komplexität von Rückgabeprozessen und unterstrich die Bedeutung des Dialogs und des gemeinsamen Handelns zwischen Institutionen und den Herkunftsgemeinschaften.

In Deutschland war die Rückgabe der Benin-Bronzen an Nigeria, die 2022 begann, das Ergebnis jahrelangen Drucks von afrikanischen Gemeinschaften, Forschern und Regierungen auf Institutionen, die mehr als tausend von britischen Truppen Ende des 19. Jahrhunderts geraubte Stücke in ihrem Besitz hatten.

In Frankreich ermöglicht das jüngst eingeführte Gesetz von Mai 2026, der Regierung durch Dekret Rückgaben zu veranlassen. Es folgt damit einer jahrelangen Mobilisierung, wobei der Bericht der Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy und des Philosophen Felwine Sarr aus dem Jahr 2018 über die afrikanischen Sammlungen in französischen Museen einen entscheidenden Wendepunkt dafür darstellte.

Angesichts dieser aktuellen Bewegungen möchten die Antworten auf diese dringenden Fragen bezüglich Rückgabe, Wiederaneignung und historischen, kulturellen und territorialen Wiedergutmachungen in wünschenswerter Verbindung mit den Debatten im Bereich der Kunst und der Museen einhergehen, sowie mit anderen dringenden Themen der Gegenwart wie Klimawandel, Verlust der Biodiversität, Kämpfe um Land und Rechte.

Die Institutionen fördern Forschungsprozesse, die Kooperationen, Partnerschaften und Engagements zwischen Brasilien, Frankreich und Deutschland umfassen, wobei stets Brasilien den Ausgangspunkt der Fragestellung bilden. Die Förderung des kulturellen Austauschs und Voneinanderlernen im Schaffen von Kunst und Kultur sind ein kontinuierliches Ziel dieser Initiative.

Diese Ausschreibung richtet sich an Personen und Kollektive, die über eine bis zu fünfjährigen beruflichen Laufbahn verfügen.
Im Rahmen dieser Ausschreibung sind kuratorische Forschungsvorhaben gefragt, die:

● die Rückgabe nicht als logistische Frage der Objekte betrachten, sondern als lebendigen Prozess der Heilung, der Wiederverbindung und der kollektiven Wiedergutmachung;

● die jeweiligen Rollen von Museen, Institutionen, Forscher*innen, Künstler*innen und den Herkunftsgemeinschaften in diesem Prozess hinterfragen;

● die Zusammenhänge zwischen der Ausbeutung des kulturellen Erbes und der Ausbeutung des lebendigen Erbes – Land, Körper, Sprache, Wissen – analysiert;

● die Herkunft, die Biografie oder die Geschichte einzelner Objekte untersucht: wer sie hergestellt hat, woher sie stammen, wie sie entnommen wurden, durch wessen Hände sie gingen, wo sie sich heute befinden und was sie bewahren;

● sich mit kolonialen Archiven und Dokumenten auseinandersetzen und neue Interpretationen und Narrative entwickeln;

● die jeweiligen Logiken der Diplomatie, der Erhaltung und der Aufwertung des Kulturerbes in der heutigen Zeit bewerten;

● Formen des Dialogs und der Partnerschaft vorschlagen, um Zugang und kollektive Wege im Sinne der Rematriierung zu finden.

Es ist von grundlegender Bedeutung, dass die Vorschläge den Austausch und/oder die Zusammenarbeit zwischen Brasilien, Frankreich und Deutschland fördern – jedoch nicht ausschließlich. Andere Länder und Gebiete können je nach ihrer Natur und dem Inhalt des Projekts in das Projekt einbezogen werden.

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