Girl Games
Code-A-Thon für digitale Spiele

Girl Games Foto: Goethe-Institut

Digitale Spiele entwickeln: Dafür kommen 13 junge Frauen aus Argentinien, Bolivien, Brasilien, Deutschland, Kolumbien und Peru im November 2018 in São Paulo zusammen.

Mädchen und Frauen stellen die Hälfte derjenigen, die Computerspiele spielen, aber in der Produktion von digitalen Spielen sind sie deutlich in der Minderheit. Besonders gering ist der Anteil an Spieleentwicklerinnen und Programmiererinnen. Digitale Spiele sind ein omnipräsentes Massenmedium und prägen die Wahrnehmung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Die Vielfältigkeit der in digitalen Spielen abgebildeten Narrationen und Charaktere ist jedoch durch die fehlende Diversität auf der Seite der Produzierenden eingeschränkt.
 
Mit dem Projekt Girl Games zielt das Goethe-Institut gemeinsam mit dem SOFA Magazine darauf, die Diversität im Bereich digitale Spiele und die internationale Vernetzung von Frauen in der Spielebranche zu fördern. Während des Codeathons vom 29. Oktober bis 10. November 2018 entwickeln die Teilnehmerinnen aus sechs Ländern in Teams digitale Spiele.

Der Fokus des Programms liegt auf dem Ausbau von Kenntnissen im Bereich Spieleprogrammierung, digitales Storytelling und Game Design. Das Team des Sofa Magazines wird die täglichen Workshops anleiten. Expertinnen aus der Spielebranche begleiten und beraten die Teilnehmerinnen während des Workshops. Girl Games partizipiert zudem am Women Game Jam in São Paulo. Während des São Paulo Urban Digital Festivals werden die Teilnehmerinnen die während des Programms entstandenen Spiele vorstellen.
 

Warum und wie bist du an der Entwicklung von Videospielen interessiert?
Ich mag Videospiele schon seit ich ein Kind war. Mein Bruder und ich spielten Super Nintendo, Play Station, Browserspiele, Emulatorspiele, Game Boy Color, etc. Lange Zeit dachte ich jedoch nicht, dass dieses Hobby eine Karriere sein könnte. Ich erkannte wie erfüllend es war Videospiele zu entwickeln als wir gebeten wurden Flash-Minispiele für ein Projekt in der Computerklasse der Schule zu entwickeln. Dann, ohne es zu merken, tauchte ich in den Prozess ein und verstand, dass dies meine Berufung war.
 
In welchen Bereichen hast du die meiste Erfahrung?
Es ist ein Gleichstand zwischen Design und Programmierung, denn ich war schon an allen möglichen Projekten beteiligt. In dem Videospiel, an dem ich vor kurzem gearbeitet habe, das jetzt in Steam [einer digitalen Vertriebsplattform] ist, habe ich das Experience Design gemacht. In meinen persönlichen Projekten bin ich für die Programmierung, Illustration und das Experience Design  zuständig. Ich arbeite derzeit als Entwicklerin.
 
Bist du jemals von dem Stereotyp betroffen gewesen "Videospiele sind keine Aktivität für Frauen"? Besonders, wenn es darum geht sie zu entwickeln?
Glücklicherweise war ich nie mit diesem Stereotyp konfrontiert. Ich hatte das Glück, Systemingenieure in meinem Haus zu haben, die mir erklären konnten, worum es bei der beruflichen Laufbahn geht. Ich weiß, dass dies bei vielen Frauen nicht der Fall ist. Ich erinnere mich noch, dass als ich mich entschied, Systeme zu studieren mehrere Leute diese Entscheidung seltsam fanden. Sie fragten mich warum und sagten, dass das ein Fach sei, das nicht von Frauen studiert wird, dass es langweilig werden würde oder dass es mir sehr schwierig erscheinen würde. Ich glaube, das Stereotyp betrifft nicht diejenigen Frauen, die daran interessiert sind in die Branche einzusteigen, denn die Branche begrüßt jede Person mit offenen Armen, die Engagement und Leidenschaft dafür zeigt, unabhängig vom Geschlecht. Das Stereotyp betrifft diejenigen jungen Frauen, die diese Karriere in Betracht ziehen, aber anstatt Unterstützung zu erhalten, werden sie von schlecht fundierten Ideen abgeschreckt.
 
Welche Erwartungen hast du an die Tage in São Paulo?
Ich bin eine Person, die schon immer gerne gelernt hat. Ehrlich gesagt, bin ich offen für alles, was mir die Veranstaltung bringen kann, vom technischen Wissen über die Produktion von Spielen bis hin zu Lebensweisheiten, die es mir ermöglichen, als Person zu wachsen. Zum anderen freue ich mich darauf, die anderen Frauen bei der Veranstaltung zu treffen. Ich habe das Gefühl, dass ich eine tolle Gruppe von Freundinnen gewinnen werde. Schließlich möchte ich etwas entwickeln auf das ich stolz sein kann. Etwas, dass ich am Ende des Events zeigen kann und sagen kann: "Sieh dir diese interessante Sache an, die habe ich entwickelt". Ich möchte auch, dass das Endprodukt den Standpunkt meiner Kolleginnen widerspiegelt. Obwohl Teamarbeit Herausforderungen mit sich bringt, habe ich gelernt, dass der Kontakt mit anderen Menschen ein Projekt zu etwas Einzigartigem machen kann.

Ablauf:29. Oktober bis 09. November 2018
Codeathon
Ort: EBAC | Escola Britânica de Artes Criativas
Keynote am 30. Oktober 2018: Brie Code, Ubisoft/True Love Media – „Using Video Games to Imagine the Future We’d Like for Ourselves“ 
 
2. bis 4. November 2018
Girl Games meets Women Game Jam São Paulo
Ort: Goethe-Institut São Paulo
Weitere Informationen: wgjbr.com.br
 
8. November 2018
Women in Industry
Ort: EBAC | Escola Britânica de Artes Criativas
Paneldiskussion mit Teilnehmerinnen von Girl Games und Spieleentwicklerinnen über Frauen in der Spieleindustrie in Südamerika und Deutschland
 
10. November 2018
Girl Games: Showcase der Spiele und Paneldiskussion
Ort: MIS | Museu da Imagem e do Som São Paulo
Teil des Festivalprogramms von São Paulo Urban Digital Festival
Weitere Informationen: SP_Urban Digital Festival
 
10. bis 23. November 2018
Girl Games auf dem São Paulo Urban Digital Festival
Ort: Avenida Paulista | SESI-SP
Screening der Girl-Games-Spiele
Teil des Festivalprogramms von São Paulo Urban Digital Festival