Die Rezeption von Hans Fallada in Spanien Besser spät als gar nicht

Bild:  Hans Fallada – Ausstellung „Leben in Bildern“
Hans Fallada – Ausstellung „Leben in Bildern“ | © Aufbau-Verlag, Archiv Uli Ditzen, Berlin

Spanien schenkte dem Werk von Hans Fallada im letzten Jahrhundert nur geringe Aufmerksamkeit. Die Neuauflage seines Romans „Jeder stirbt für sich allein“ fand nun jedoch Anklang bei den spanischen Lesern. Endlich erhält er die verdiente Anerkennung.

Hans Fallada ist ein Pseudonym, das Rudolf Ditzen (1893-1947) auf Bitten seines Vaters in seinen literarischen Werken verwenden musste. Sie stammen aus der Zeit des Expressionismus, sind jedoch größtenteils der Neuen Sachlichkeit zuzurechnen, einer literarischen Strömung, die nur kurze Zeit andauerte.

Zwischen innerem Exil und Drogensucht

Falladas Werk besteht vor allem aus historischen und sozialen Romanen. Es geht darin um die schwierige Situation der Deutschen nach dem Ersten Weltkrieg und die Probleme regimekritischer Personen während des Nationalsozialismus und im Zweiten Weltkrieg. Viele seiner Werke tragen autobiografische Züge. Sie lassen erkennen, mit welchen Problemen er zu kämpfen hatte, nicht zuletzt aufgrund seiner Alkohol- und Morphiumsucht, die zu mehreren Aufenthalten in Heil- und Strafanstalten und seinem relativ frühen Tod führten. Dennoch schrieb Hans Fallada großartige Romane und Kindergeschichten. Und dies in einer Zeit, in der er wegen des Drucks durch die Kulturbehörden der Nationalsozialisten auf mehr Gesellschaftskritik und stärkeres politisches Engagement verzichten musste.
Auf dem deutschen Literaturmarkt wurde sein Werk seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts stärker rezipiert. In den letzten 30 Jahren erlebte es jedoch eine Renaissance. Viele seiner Romane wurden fürs Kino adaptiert oder in Fernsehserien verwandelt. Und auch auf Theaterbühnen waren sie zu sehen.

Im Schatten der Klassiker

Auf dem spanischen Literaturmarkt hatten die literarischen Werke Hans Falladas zweifellos nicht die ihnen gebührende Präsenz. In den 30er Jahren, kurz nach ihrer Veröffentlichung in Deutschland, erschienen spanische Übersetzungen seiner bekanntesten Romane: Kleiner Mann – was nun? und Der eiserne Gustav. In Spanien waren sie jedoch nicht so erfolgreich, wie die Verlage vermutlich erwartet hatten. Gleiches gilt für die anderen Romane, die im Laufe des 20. Jahrhunderts ins Spanische übersetzt wurden. Dass Hans Fallada in Spanien derart unbekannt ist, lässt sich darauf zurückführen, dass er Zeitgenosse anderer deutscher und österreichischer Schriftsteller war, wie etwa Thomas Mann, Hermann Hesse oder Franz Kafka. Ihnen schenkte der spanische Literaturmarkt größere Aufmerksamkeit, was allerdings auch mit dem mangelhaften Engagement des Verlages zu tun haben kann, der Falladas Werke zu jener Zeit in Spanien vertrieb. Darüber hinaus mag eine Rolle gespielt haben, dass die franquistische Regierung mit Sicherheit kein besonders großes Interesse am Erfolg eines politisch links zu verortenden Autoren hatte. Aber immerhin fielen seine Werke nicht der Zensur zum Opfer.

Das Interesse an Hans Fallada kam erst im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts auf. Gekonnt erfasste er historische und soziale Umstände seiner Zeit, mit denen er zu leben und unter denen er zu leiden hatte, und verwandelte sie in Literatur. Das Interesse daran ging vor allem von den spanischen Universitäten mit Studiengängen für Germanistik oder deutsche Philologie aus. Dort werden Werke wie Wolf unter Wölfen oder Kleiner Mann, was nun? gerne auch in den landeskundlichen Seminaren gelesen, weil sie die Situation der Zwischenkriegsjahre, geprägt von Inflation, Arbeitslosigkeit und versuchten Staatsstreichen, so anschaulich schildern gut und damit nachvollziehbar machen.

Späte (Wieder-)Entdeckung

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wird das literarische Werk Falladas auf dem spanischen Literaturmarkt stärker rezipiert. Teilweise liegt dies an den guten Übersetzungen seiner Werke und am guten Vertriebssystem der Verlage, in denen sie erscheinen. Das Interesse entsteht aber auch, weil die übersetzten Romane historische und soziale Themen behandeln, woran das spanische Publikum in den letzten Jahren ganz besonderes Interesse gezeigt hat. Man denke nur an die Erfolge von Autoren wie Arturo Pérez-Reverte, Manuel Rivas, Javier Cercas oder Julio Llamazares.

Ein Beispiel hierfür ist der Roman Jeder stirbt für sich allein. In Deutschland erschien er 1947 nach dem Tod des Schriftstellers in einer gekürzten und unvollständigen Fassung. 2011 veröffentlichte der Aufbau-Verlag eine neue vollständige Version mit Anhang und Nachwort von Almut Giesecke. In Spanien übersetzte man diese Version kurz darauf und sie wurde zu einem Verkaufsschlager. Deshalb erschien 2013 eine neue Auflage.
Das Interesse an diesem Roman lässt sich darauf zurückführen, dass die Handlung auf Gestapo-Akten basiert, auf die Fallada gestoßen war. Deren historische Realität verwandelte er auf meisterhafte Weise in literarische Fiktion. Der Autor erzählt die Geschichte eines Ehepaars, das Hitler kritisiert, weil sein Sohn auf dem Schlachtfeld starb. Es wird deshalb von der Gestapo festgenommen, kommt vor Gericht und wird zum Tode verurteilt.
Trotz des wachsenden Interesses an Fallada hatte er im Vergleich zu anderen deutschen Schriftstellern nur äußerst geringen Einfluss auf die spanische Literatur. Die Tatsache, dass großartige und interessante Romane von ihm noch nicht ins Spanische übersetzt wurden, lässt jedoch hoffen, dass sich dies ändert und sie bald auf dem spanischen Literaturmarkt erscheinen.