Wolfgang Amadeus Mozart
Hommage an der Fassade des Liceu

Mozart an der Fassade des Liceu © © Goethe-Institut Barcelona | Annette Gutmann Mozart an der Fassade des Liceu © Goethe-Institut Barcelona | Annette Gutmann


Natürlich darf Wolfgang Amadeus Mozart im Stadtbild von Barcelona nicht fehlen!
Sein Name schmückt zusammen mit anderen Berühmtheiten aus der Welt des Theaters und der Oper die Fassade des Gran Teatre de Liceu. Auch eines der vier Medaillons an der Fassade ist ihm gewidmet. Und im Palau de la Múscia finden wir seinen Namen in einer mit Mosaiken reich verzierten Kuppel.
Die Liebe der Barceloneser Opernfans für Mozart hielt sich anfangs allerdings in Grenzen: Nach der Aufführung seiner Oper Cosi fan Tutti im Jahr 1798, acht Jahre nach der Uraufführung in Wien im Teatre de la Santa Creu (dem heutigen Teatre Principal), geriet er erst einmal in Vergessenheit: abgesehen von einigen wenigen Aufführungen des Don Giovanni war Mozart auf keinem Spielplan zu finden. Über den unter den Opernliebhabern unerbittlich ausgeführten Streit, ob nun Wagner oder Verdi der bessere Opernkomponist sei, war kein Platz für ihn.

Mozart-Medaillon am Liceu Erst 1905 ehrte und verteidigte ihn der Dichter Joan Maragall während einer Konferenz in der Associació Wagneriana: Wie eine Fee sei Mozart gekommen, um uns mit zärtlichen, langen Liebkosungen zu trösten. »Mozart, lleuger com una fada [...] aconsolant amb carícies tendres, llargues [...]«*
Wer wollte ihm da widersprechen?
Wer allerdings die dunkle und schmale Carrer de Mozart im Stadtteil Gràcia hinaufgeht, wird schnell erfahren, dass sie so gar nichts mit der Brillanz und Genialität des Komponisten zu tun hat. Die in der Nähe sich befindende Carrer de Verdi führt wenigstens aus der Enge des Viertels hinaus und hinauf bis zur Höhe des Park Güell, wo der Aufstieg mit einem weiten Blick über die Stadt bis zum Meer hin belohnt wird. Die Carrer de Mozart endet dagegen nach einigen Kreuzungen auf der ebenfalls engen und stark befahrenen Travessera de Gràcia.
Carrer Mozart
 

Der Komponist

Wolfgang Amadeus Mozart kam am 27. Januar 1756 in Salzburg zur Welt. Musik gehörte in seine Familie wie das tägliche Brot: sein Vater Leopold war Hofkomponist des Erzbischofs von Salzburg, so kamen regelmäßig Musikerfreunde in das Haus, um gemeinsam zu musizieren, und der kleine Wolferl war immer dabei. Mit fünf Jahren komponierte er sein erstes Werk, der Vater hielt es zunächst für Tintenkleckse, die sein Sohn auf das Notenpapier geschmiert hatte, bis ihn ein genaueres Hinsehen eines Besseren belehrte. Mit sechs Jahren komponierte er ein Menuett und Trio fürs Klavier, das wir heute unter dem Köchelverzeichnis Nummer 1 hören bzw. spielen können. Der Vater erkannte das unglaubliche Talent seines Sohnes und unterrichtete ihn zusammen mit Wolfgangs ebenfalls musikalisch hochbegabten älteren Schwester Maria Anna „Nannerl“ in Klavier, Violine und Komposition.
Mozart im Palau de la Múscia


Schon bald ging Leopold mit seinen beiden Kindern auf Reisen - heute würde man Tourneen sagen -  um der Aristokratie Europas die Wunderkinder zu zeigen. Zunächst beschränkten sich die Reisen auf die damaligen Musikmetropolen München und Wien, später kamen dann noch Frankreich, Holland und England hinzu. Der kleine Mozart triumphierte überall und setzte die Aristokratie mit seinem Können in Erstaunen.
Als 14-Jähriger reiste er mit seinem Vater nach Italien, die Wiege der Oper mit seinen berühmten Opernhäusern in Mailand, Venedig und Neapel. „If you make it there, you’ll make it everywhere!“ Was heute für New York gilt, galt damals für Italien und natürlich: Mozart triumphierte auch hier! Er erhielt sogar einen Opernauftrag: Die Opera seria Mitridate, re di Ponto wurde im Dezember 1770 (Mozart war  15 Jahre alt) in Mailand uraufgeführt und war ein Erfolg!

Mozart Denkmal in Wien

Die Erfahrung, dass Wunderkinder als Erwachsene scheitern, bestätigte sich bei Mozart nur zum Teil. Wahr ist, dass er Schwierigkeiten hatte, als Erwachsener seinen Platz in der Gesellschaft des 18. Jahrhunderts zu finden.
Einer Festanstellung in Salzburg als Hofkomponist kehrte er den Rücken, um als freier Komponist in Wien zu leben. Leider waren die gesellschaftlichen Strukturen dafür noch nicht geschaffen. Ein Komponist war zu Mozarts Zeiten Diener der Aristokratie und so auf sie angewiesen. Mozart aber war sich seiner Genialität sehr bewusst, trat seinen potentiellen Geldgebern teilweise arrogant gegenüber und  beherrschte nicht die Diplomatie, um über Aufträge zu verhandeln. Was Ludwig van Beethoven 20 Jahre später meisterhaft bewältigen konnte, nämlich sich von der Aristokratie sponsern zu lassen ohne zu viele Verpflichtungen eingehen zu müssen, war Mozart nicht gegönnt. Auch hatte er – im Gegensatz zu Beethoven – keine Kontrolle über die Partituren seiner Kompositionen. Viele von ihnen wurden einfach kopiert und aufgeführt, ohne dass er auch nur einen Groschen dafür bekommen hatte. Und er liebte  den Luxus und kümmerte sich wenig um seine finanzielle Situation. Arm war er nicht – einer Untersuchung zufolge verfügte er über ein Jahreseinkommen von 10.000 Gulden, was heute in etwa 125.000€ entspräche. Aber er lebte eindeutig über seine Verhältnisse: Teure Kleidung, prunkvolle Unterkünfte, seine Vorliebe für Karten- und Billardspiele, bei denen wahrscheinlich große Geldsummen verspielt wurden, trugen dazu bei, dass nach seinem Tod am 5. 12. 1791 (Mozart war keine 36 Jahre alt) seiner Witwe und seinen Kindern wenig Geld übrigblieb. So wurde er in ein „einfaches, allgemeines Grab“, das namenlos blieb, bestattet. Seine Witwe Constanze konnte den Lebensunterhalt für sich und den 7-jährigen Carl Thomas und den 6-monatigen Franz Xaver Wolfgang nur decken, weil der damalige Kaiser Leopold ihr eine Pension zugestanden hatte. Auch der Gewinn eines Benefizkonzertes, zu dem der Kaiser eine großzügige Spende beigetragen hatte, half ihr die erste Zeit über die Sprünge.
 

Das Werk

Mozarts umfangreiches Werk ist 1862 – also mehr als 70 Jahre nach seinem Tod –  von Ludwig von Köchel erstmals herausgegeben worden. Ob es vollständig ist, wissen wir nicht. Insgesamt enthält das Köchelverzeichnis 626 Werke, die berühmtesten unter ihnen sind sicher das Singspiel Die Zauberflöte, die Oper Don Giovanni,  Das Requiem, die Serenade Nr. 13: Eine kleine Nachtmusik und der Türkische Marsch aus der Klaviersonate Nr. 11.
 

Übrigens

Mozartkugel

Auch kulinarisch hat Mozart sich verewigt: Wer so gar nichts mit seiner Musik anzufangen weiß, sollte einmal eine „Mozartkugel“ probieren: Ein Nougatkern umgeben von feinem Marzipan und mit zarter Vollmilchschokolade überzogen: einfach umwerfend!
Die Idee für diese Nascherei hatte der Salzburger Konditor Paul Kürst bereits im Jahr 1890.

Mit ihrer Blütenpracht sorgt eine nach Mozart benannte Rose für eine weitere Sinnesfreude. Von ihrem zarten Duft kann man sich jedes Jahr ab Mai im Cervantes-Park betören lassen.  
Rose



Quellen:
* Auszug aus einem Brief von Joan Maragall an Antoni Roura vom 18. Februar 1890: MARAGALL, O.C., vol. I, p. 1092.
Mozart.com - die etwas andere Biographie 
Musik Lexikon
Elias, Norbert, Mozart: zur Soziologie eines Genies, Suhrkamp 1993
© Text: Ulrike Fiedler
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