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Vereinigtes Königreich Glasgow

Übersetzt von: Ruth Martin
Lichtungen von Iris Wolff

Das Buch "Clearing" von Iris Wolff steht auf einer Mauer umgeben von Bäumen
© Goethe-Institut Glasgow

Für Leser*innen, die Claire Keegans Roman Kleine Dinge wie diese (ins Deutsche übersetzt von Hans-Christian Oeser) genossen haben, sollte Lichtungen, geschrieben von Iris Wolff, ganz oben auf der Leseliste stehen.

Beide Bücher erkunden komplizierte Beziehungen zu kulturellen und nationalen Identitäten in Zeiten politischer Unruhe sowie Themen wie Trauma, Maskulinität, Liebe und Freundschaft. Der Roman der deutsch-rumänischen Autorin gewann den Uwe-Johnson-Preis und stand 2024 auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises.

In umgekehrter Chronologie erzählt, folgt Lichtungen Lev, einem jungen Holzfäller aus der Turda-Region Rumäniens, und seiner besten Freundin und Künstlerin Kato rückwärts durch ihr Leben. Wolff setzt diese ungewöhnliche Erzählweise geschickt um: als Leser*in fühlt man sich, als würde man ein literarisches Puzzle lösen. Das Buch bewegt sich reibungslos zwischen dem Inneren und dem Äußeren, dem Persönlichen und dem Globalen; den konstanten Hintergrund von Lev und Katos Freundschaft und aufkeimender Liebe bilden die drastischen politischen Veränderungen, die ihr Heimatland während des zwanzigsten Jahrhunderts durchmacht. Rumäniens politische Unruhe verkompliziert, neben Levs deutschen Wurzeln, seine Beziehung zu seiner nationalen Identität. Als als jemand, der in Deutschland aufgewachsen ist, habe ich Dinge über Rumänien gelernt, die ich längst hätte wissen sollen; jedoch fühlt sich das Buch nie wie eine Geschichtsstunde an. Stattdessen lädt der Roman in seine Welt ein und lehrt, ohne zu predigen.

Wie der Titel des Buches impliziert, fühlt sich Lev von Bäumen umringt am ruhigsten. Lichtungen dienen als Ort der Klarheit und des Heilens alter Wunden, und Wolff ruft diese erholsame Atmosphäre kunstvoll hervor. Doch als Kato das Dorf verlässt, bleibt Lev mit der Einsamkeit, Armut und den erzwungenen Geschlechterrollen seiner Umgebung zurück. Levs Brüder misshandeln in Abwesenheit seines verstorbenen Vaters seine Mutter und halten ihn für schwach, sowohl weil er nicht an der Misshandlung teilnimmt, als auch wegen seiner Behinderung. Ein traumatischer Vorfall in seiner Kindheit lähmte ihn für über ein Jahr, und chronische Schmerzen in seinen Beinen verfolgen ihn bis heute. Nach langen Monaten der Unentschlossenheit entschließt sich Lev, seine Situation zu ändern — er folgt in Katos Fußstapfen und entflieht seinem Zuhause, trotz seiner Liebe zu seinem Dorf. Levs Fahrradtour durch Rumänien und seine spätere Reise zu Kato in der Schweiz bringen ihn durch die Landschaft seines Heimatlandes, teils wunderschön und teils zerstört, was ihn und die Leser*innen mit den Auswirkungen des Krieges und dem totalitären sozialistischen Regime konfrontiert.

Durch den Roman hindurch wird die Leser*in genauso von der enigmatischen Künstlerin Kato fasziniert wie Lev — ihre Gutherzigkeit, ihr Naturtalent und ihre Intensität tragen zur Tiefgründigkeit des Romans bei. Ich kann nicht anders, als mich zu fragen, wie der Roman aus Katos Perspektive erzählt ausgesehen hätte, da Levs Zögern zu handeln und seine Gefühle zu kommunizieren teilweise frustrieren können. Ich war dankbar, dass das Buch kein expliziter Liebesroman ist, sondern die Zukunft von Lev und Kato offenlässt, obwohl ihre gemeinsame Geschichte sie so gründlich miteinander verflicht. Was wie ein Mangel an Auflösung scheinen könnte, ist tatsächlich eine Stärke des Romans — wie im wahren Leben geht die Geschichte weiter. Wie das rumänische Sprichwort, das Wolff im Roman zitiert, besagt: „Sas pe thai nas pe.” (Es war und es war nicht.)

Durchschnittliche Lesezeit: 3 Minuten.
 

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