Übersetzt von Eleanor Updegraff
Teresa Präauers Kochen im Falschen Jahrhundert: das Aufrechterhalten der Fassade im Internetzeitalter
Wenn Ihnen Zoe Dubnos satirisches Kammerspiel Nur das Allerbeste (übersetzt von Anke Caroline Burger) gefallen hat, werden Sie dieses Buch verschlingen.
Durchschnittliche Lesezeit: 3 Minuten.
Eine Jazz-Playlist, vom Algorithmus zusammengestellt, die perfekte Hintergrundmusik; ein brandneuer dänischer Esstisch; eine ganze Kiste Crémant d’Alsace – in Teresa Präauers Kochen im Falschen Jahrhundert, sind das nur ein paar der gediegenen Zutaten für die gründlich geplante Dinnerparty der Gastgeberin.
Die Spannung köchelt von Beginn an in diesem Roman, und die schleichende Unruhe wird schlau von Eleanor Updegraff ins Englische übertragen. Im Verlauf der Geschichte fängt die Dinnerparty mehrmals von vorne an: Das Benehmen und die Ankunftszeiten der Figuren verändern sich und der Ausgang der Dinnerparty ist in einem Moment gefährdet und im nächsten wieder gerettet. Jede Wiederholung der Nacht entfaltet sich aus dem Blickwinkel der Gastgeberin in der dritten Person, jedes Mal durch kurze Zutatenlisten eingeleitet und mit Rückblenden, in denen die Lesenden direkt angesprochen werden, versetzt. Nur die Gastgeberin weiß, wie sorgfältig geplant der Abend ist – jedoch wird angedeutet, dass eine solche Aufführung (von den vielen ungelesenen Büchern im Regal, bis zu dem kenianischen Salzgefäß aus Büffelhorn, das „an diesem Abend für die Welt stehen“ muss) ein fester Bestandteil vom Veranstalten einer Dinnerparty ist, die auf Instagram „öffentlich ausgestellt“ wird.
Die Figuren sind durch Ihre Rollen gekennzeichnet: die Gastgeberin und ihr Partner, der Ehemann und die Ehefrau, und der Schweizer. Sie haben keine Namen. Das erhöht das allumfassende, beengende Gefühl dieser Dinnerparty. Wir lernen diese Figuren nur als Gäste, im Kontext dieses Abends, kennen. Und selbst dann wissen wir nicht viel darüber, wer sie sind, weil in diesem Roman ein starker Eindruck entsteht, dass die Charaktere eine Fassade aufrechterhalten, begünstigt durch den fließenden Alkohol und ein Bedürfnis, zu beeindrucken. Angesichts dessen und ihrer Freund*innen, die spät kommen, ihre Schuhe in der Wohnung anbehalten und mit Zigaretten Löcher in ihre teuren Geschirrtüchern brennen, versucht die Gastgeberin, sich an ihrer geübten Gelassenheit festzuhalten.
Köstliche Beschreibungen von vergangenen leckeren Mahlzeiten und der hausgemachten Quiche der Dinnerparty sind zwischen Diskussionen über Gentrifizierung, Einwanderung, Geschlechterrolle und die Überlegenheit der englischen Sprache geschichtet: „Früher sagte man Prost, heute heiße es Cheers, sagte der Schweizer.“ Die erzählende Stimme ist passiv, gleichgültig, genauso wie die Stimmen der Figuren, während sie diese Themen diskutieren. Diese Menschen in ihren Vierzigern haben sich „an Luxus mittlerweile gewöhnt“ und ihr sozialer Aufstieg hat sie zum Höhepunkt des guten Geschmacks gebracht: zur anspruchsvollen Dinnerparty.
Präauer zerlegt die Weise, in der unsere Entscheidungen als Verbraucher uns im 21. Jahrhundert definieren: Soziale Medien ersetzen unsere persönlichen Geschmäcker durch persönliche Brands. Ich konnte mir ein Gefühl der Schadenfreude nicht verkneifen, als Präauer ihre bürgerlichen Figuren verspottet und kritisiert. Doch dann kam die unvermeidbare Scham, als ich Teile von mir selbst in den Figuren wiedererkannte. Aufgrund einer kunstfertigen Übersetzung von Eleanor Updegraff ist der Stil des Romans nicht nur scharf, sondern auch verspielt. Lesen Sie es aber nicht, wenn Sie Hunger haben, sonst bekommen Sie Lust auf Quiche.