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9:40 Uhr

Bibliotheken im digitalen Umfeld - Anpassung rechtlicher Rahmenbedingungen

Vortrag|Vortrag von Barbara Schleihagen (Geschäftsführerin, Deutscher Bibliotheksverband) für „Library: The Power of Social Progress“

  • Baiyun International Convention Center Guangzhou, Guangdong

Bibliothek © Bilddatenbank

Mit fortschreitender Digitalisierung aller Lebensbereiche wurden auch viele Bibliotheksangebote modernisiert. Als öffentlich finanzierte Bildungs-und Kultureinrichtungen müssen sie auch im digitalen Umfeld ihrem Auftrag nachkommen, Teilhabe und einkommensunabhängige Zugänglichkeit zu Informationen für alle Menschen sicherzustellen.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind jedoch noch nicht in allen Bereichen an die digitale Medienwelt angepasst worden. Dies betrifft das Urheberrecht und die dort für Bibliotheksnutzer geltenden Ausnahmeregelungen für Bildung und Wissenschaft sowie das Verleihrecht von öffentlichen Einrichtungen. So wird Wissenschaftlern und Studierenden die Rezeption und die wissenschaftliche Arbeit derzeit erschwert. Es führt auch dazu, dass viele Werke nicht als E-Books in Öffentlichen Bibliotheken ausleihbar sind, was  dem kulturpolitischen Interesse an einem umfassenden und breiten Zugang zu Kulturgut widerspricht.

Die Verarbeitung personenbezogener Daten wird immer komplexer und umfassender. Die Informationstechnologie ermöglicht damit auch ein bisher ungeahntes Ausmaß an Datenmissbrauch und Kontrolle von Nutzerverhalten. Daher muss über jede Datenverarbeitung transparent und leicht verständlich informiert werden, denn Bürger sorgen sich zu Recht um ihre Privatsphäre. Derzeit  verwirklichen die Bibliotheken sehr hohe Datenschutzstandards. Die gesetzlichen Vorschriften müssen weiterhin gewährleisten, dass die Privatsphäre sowie das Recht auf informationelle Selbstbestimmung gesichert sind.

Für ein leistungsstarkes Bibliothekswesen bedarf es einer gesetzlichen Verankerung im nationalen Recht, dass eine verbindliche Förderung enthalten und einer kontinuierlichen Evaluierung unterzogen werden sollte. Nur diese Bestandteile können eine Weiterentwicklung des Bibliothekswesens garantieren.

Der Vortrag stellt die vom internationalen, europäischen und deutschen Bibliotheksverband entwickelten Lösungsansätze und Empfehlungen vor.


Barbara Schleihagen - Deutscher Bibliotheksverband, Geschäftsführerin
Barbara Schleihagen leitet seit 2006 als Geschäftsführerin den Deutschen Bibliotheksverband (dbv) mit mehr als 3.000 Mitgliedsbibliotheken. Nach Studium des Bibliothekswesens in Köln und einem Master in „Management of Library and Information Services“ von der Universität Aberystwyth in Wales war sie an verschiedenen Positionen in der auswärtigen Kulturpolitik tätig.
 
Sie war von 2000-2003 als Generalsekretärin für die Organisation des Weltkongresses der International Association für Library Associations and Institutions (IFLA) 2003 in Berlin verantwortlich, bevor sie von 2004-2005 den Bereich Internationale Kooperation beim Deutschen Bibliotheksverband e.V. im Rahmen des neu eingerichteten Kompetenznetzwerkes für Bibliotheken (KNB) aufgebaut hat. Von 1996-2000 vertrat sie als Direktorin von EBLIDA, dem europäischen Dachverband für Bibliotheken mit Sitz in Den Haag, Niederlande, die Interessen der Bibliotheken bei der Europäischen Kommission und dem Europäischen Parlament, und koordinierte verschiedene europäische Projekte im Bereich des Urheberrechts.
 
Sie war von 2002-2007 die deutsche Vertreterin im IFLA/FAIFE Ausschuss (Free Access to Information and Freedom of Expression). In 2007 wurde sie in den Vorstand der IFLA gewählt, und in 2009 wiedergewählt für eine insgesamt vierjährige Amtszeit, in der sie auch als Schatzmeisterin der IFLA fungierte. Sie ist seit 2007 Mitglied im Ständigen Ausschuss der IFLA-Sektion „Management von Bibliotheksverbänden“, derzeit in der Funktion der „Secretary“.
 
Seit 2013 ist sie die deutsche Vertreterin in NAPLE, dem europäischen Zusammenschluss der für Öffentliche Bibliotheken zuständigen Regierungsstellen, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der „Stiftung Lesen“ sowie stellvertretende Beiratsvorsitzende der „Stiftung Digitale Chancen“.
 
Zahlreiche Publikationen zu internationaler, europäischer und nationaler Lobbyarbeit, europäischem Urheberrecht, Bibliotheken in Europa, Bibliothekspolitik, Bibliotheksgesetzgebung, digitale Medien, digitale Leseförderung, Informationsfreiheit und Zensur in Bibliotheken.