Einblicke in die Welt der Justiz

PASCH Mock Court "Peter und der Wolf" © Goethe-Institut Tokyo

Zum zweiten Mal führten die PASCH Schüler*innen einen „Mock Court“ (Scheinprozess) in einem echten Gerichtssaal im Gebäude der TKC Group durch. Der vor Gericht behandelte Fall basierte auf dem musikalischen Märchen „Peter und der Wolf“ von dem russischen Komponisten Sergei Prokofjew, wobei der Jäger aus der Geschichte für seine Taten zur Rechenschaft gezogen wurde.
Herr Shinichi Ishizuka, Professor Emeritus an der Ryukoku Universität in Kyoto und Rechtsanwalt, sowie Herr Jesco Lindner, Rechtsanwalt für ausländische Rechtsangelegenheiten, gewährten den Teilnehmenden einen detaillierten Einblick in das deutsche und japanische Rechtssystem und bereiteten sie auf das Gerichtsverfahren vor. Genaueres über den diesjährigen PASCH-Mock Court können Sie in Herrn Lindners Bericht nachlesen:
 

Bericht von Jesco Lindner
Rechtsanwalt für ausländische Rechtsangelegenheiten

Am 9. November fand in den Räumlichkeiten der TKC ein besonderer Mock Court mit japanischen PASCH Schüler*innen statt. Ein Mock Court ist ein simuliertes Gerichtsverfahren, bei dem die Teilnehmenden echte Rollen wie Richter*in, Staatsanwalt/Staatsanwältin, Verteidiger*in oder Zeuge*in übernehmen und einen Fall wie in der Realität verhandeln. Die Veranstaltung konnte in einem detailgetreu nachgebildeten Gerichtssaal durchgeführt werden, was den Teilnehmenden ein authentisches Erlebnis bot.

Insgesamt nahmen 15 Schüler*innen aus verschiedenen Schulen teil. Für viele war es das erste Mal, dass sie intensiver mit juristischen Fragestellungen in Berührung kamen und dies gleich im spannenden Bereich des Strafrechts.
 

Damit die Teilnehmenden über das juristische Grundhandwerkszeug verfügten, erklärten Herr Ishizuka und ich zunächst die wichtigsten Basics des Strafrechts. Das Strafrecht in Japan ähnelt in vielerlei Hinsicht dem deutschen Strafrecht. Anschließend erarbeiteten die Schüler*innen in Gruppen den Fall, diskutierten die verschiedenen Rollen und entwickelten eigenständig und mit viel Kreativität ihre jeweilige Verhandlungsstrategie. 

Besonders beeindruckend war, dass die Verhandlung nicht nur auf Japanisch, sondern häufig auch auf Deutsch geführt wurde. Die Schüler*innen standen damit vor einer doppelten Herausforderung: sich mit strafrechtlichen Fragestellungen auseinanderzusetzen und dies teilweise in einer Fremdsprache zu tun. Diese Aufgabe meisterten sie mit großer Sicherheit und bemerkenswertem Engagement.

Verhandelt wurde der Fall „Peter und der Wolf“. Nach einer äußerst engagierten und lebendigen Verhandlung, bei der die Staatsanwaltschaft, die Verteidigung, die Zeugen sowie das Richterteam alles gaben, endete das Verfahren mit einem – in Japan eher seltenen – Freispruch für den angeklagten Jäger!
 

Der Mock Court zeigte eindrucksvoll, wie motiviert und talentiert die Schüler*innen an die juristische Materie herangingen und wie souverän sie dabei auch ihre Deutschkenntnisse einsetzten. Zum Abschluss hatten die Teilnehmenden zudem die Gelegenheit, sich über Berufsperspektiven und Chancen im deutsch-japanischen Rechtsmarkt zu informieren.

Eine großartige Leistung aller Beteiligten und ein rundum gelungener, inspirierender Tag für alle, die teilgenommen haben! Herzlichen Dank an Rebecca Lüken vom PASCH-Team für die herausragende Leitung und Betreuung des gesamten Projekts!
 

Folgen Sie uns