Theatermärchen und Klimaworkshop Die deutsche Theatergruppe „DIE MIMOSEN“ zu Besuch in Japan

© Goethe-Institut Tokyo

Am Sonntag den 21.04.2019 haben wir eine Theatervorstellung mit anschließendem Theater(-klima)Workshop mit den Schwerpunkten Umwelt und Klimaveränderung an der Dokkyo Oberschule veranstaltet. Durch das Programm führten Stephanie Siebers und Kai Meister, Organisatoren und Schauspieler der Theatergruppe DIE MIMOSEN, aus Düsseldorf.

DIE MIMOSEN existieren bereits seit 1988 und bieten einem deutschen wie auch internationalen Publikum zahlreiche Workshop-Projekte und Theaterproduktionen mit gesellschaftlich-relevanten Bezugsthemen an, die gleichermaßen Kinder und Jugendliche ansprechen und ebenso  ein erwachsenes Publikum begeistern können. Auch in Japan sind derzeit Themen wie bspw. die „Fridays for future“ Bewegung, Plastikmüll oder der fast schon zum Schlüsselwort aufgestiegene und festetablierte Begriff von der „Nachhaltigkeit“ ein wiederkehrendes Element innerhalb der aktuellen Medienlandschaft und prägen den Alltag und das Bewusstsein der Japaner.  Um PASCH Schüler/innen in Japan die Möglichkeit zur kreativen wie auch sprachlichen Auseinandersetzung auf Deutsch mit Themen wie „Umweltbewusstsein“ oder „Klimaveränderung“ zu ermöglichen, haben wir uns  im Vorgespräch mit den MIMOSEN aus dem Kanon der unterschiedlichen Theaterproduktionen der Gruppe schließlich für das Stück „Josephine und die Brüder des Windes“ entschieden. Die oben skizzierten Themenschwerpunkte sind in diesem Stück eindrucksvoll umgesetzt worden und die Schauspieler haben es bereits mehrfach, auch vor einem internationalen Publikum,  erfolgreich aufgeführt. Die Geschichte von der im Land Terrania lebenden Josephine und ihrem wunderschönen Blumengarten, die um ihre Existenz jedoch bangen müssen, da von einem  auf den anderen Tag plötzlich der Regen ausbleibt und somit die Protagonisten beschließt, sich selbst auf die Suche nach dem Wasser zu begeben, hat das junge Publikum von der ersten Minute an in ihren Bann gezogen. Das Stück besticht durch den Einsatz einer lebendigen authentischen Sprache, getragen von entsprechender Gestik und Mimik und natürlich vielen komischen Elementen, weshalb auch einem nicht-deutschsprachigen Publikum der problemlose Zugang zu der Geschichte nicht verwehrt bleibt. Die Dramaturgie des Schauspiels und szenische Darstellung wurde von beiden Darstellern, die auf der Bühne vor den Augen ihres Publikums ständig in immer wieder neue Rollen schlüpfen, fabelhaft umgesetzt. Obwohl das Bühnenbild nur aus sehr wenigen Requisiten besteht und das Stück komplett auf Deutsch aufgeführt wurde, konnten  die jungen Zuschauer/-innen den Geschichten von Josephine problemlos folgen und in jene fantastische Welten eintauchen, welche DIE MIMOSEN vor den gespannten Auge ihres Publikums auf kleiner Bühne entstehen ließen.

Nach der ca. 60-minütigen Theatervorstellung gab es ein kurzes Q&A zwischen den Darstellern und ihrem Publikum, in denen Herr Meister und Frau Siebers die Gelegenheit nutzten und viele der jungen Deutschlerner/-innen näher kennenzulernen wie auch über deren Motivation zur Teilnahme der Veranstaltung mehr zu erfahren. Viele der  Oberschüler/-innen aus dem Publikum gaben dabei an, dass sie bislang noch keine Gelegenheit dazu hatten, ein Theaterstück oder etwas Ähnliches zu sehen. Die  gesellschaftsbedeutenden Themen des Stückes (und ebenso des späteren Klimaworkshops) wie Umwelt- und Klimaveränderung haben einige von ihnen bereits in der Schule oder auch im privaten Bereich behandelt und hier wichtige Anknüpfungspunkte zur Realität erkannt.

In einem anschließenden ca. 4-stündigen Theaterworkshop konnten DIE MIMOSEN die  eben benannten Themenstränge mit den 30 Teilnehmer/-innen eingehend vertiefen und junge Deutschlerner/-innen für das Thema Klima weiter befindlich machen und interessieren. Bei der Auswahl der im Workshop eingesetzten Übungen und Aktivitäten haben die Organisatoren und Schauspieler u.a. auch auf solche aus der Theaterpädagogik zurückgegriffen, auch um unter den zunächst einander unbekannten Workshop-Teilnehmer/-innen ein erstes Kennenlernen möglich zu machen. Obwohl es unter den teilnehmenden Schüler/-innen hinsichtlich des Sprachniveaus große Unterschiede gab, hatte dies keine Auswirkungen auf die Partizipation der Lernenden, da bei der Ausführung der unterschiedlichen Aktivitäten das kreative und künstlerische Denken und Handeln aller Teilnehmenden gefordert gewesen ist. Dieser zunächst sehr kreative Einsatz von Sprache in Kombination mit Bewegung war für viele der Teilnehmenden neu und hat ihnen sichtlich Freude bereitet. Unterhaltsame Sprechübungen zur Lautmalerei, Vertrauensübungen und „Kennenlernspiele“ zur Förderung der Gruppenatmosphäre und sozialen Kompetenzen, Klassenspaziergänge gefolgt von kleinen „Theaterwerkstätten“ in Gruppen mit anschließender Ergebnispräsentation - das Repertoire zur Schaffung von künstlerischen Dialogen unter den Deutschlernenden und Plattformen zur Auseinandersetzung mit dem Ausgangsthema „Klimawandel“ waren sehr vielfältig angelegt und optimal auf die Ansprüche der Schüler/-innen abgestimmt. Die Teilnehmer/-innen, auch solche mit noch wenigen sprachlichen Kenntnissen, haben die Zusammenarbeit mit den MIMOSEN und den gemeinsamen Projekttag mit anderen Deutschlerner/-innen sichtlich genossen. Sie konnten ihre sprachlichen Kenntnisse auf kreative Art und Weise anwenden und erweitern und haben sich darüber hinaus zu gesellschaftstragenden Themen der Nachhaltigkeit mit anderen Gleichaltrigen ausgetauscht, was sich somit vor dem Hintergrund gegenwärtiger politischer Bewegungen junger Menschen wie bspw. „Fridays for future“ usw. nahtlos in den derzeitigen zeitlichen Kontext einordnen lässt.
 

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