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19:00 Uhr
Altern im Tanz - Was über den Tanz hinausgeht
Gespräch|Begleitveranstaltung, Tanztheater Wuppertal Pina Bausch 'Sweet Mambo'
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Goethe-Instituts Tokyo, Saal, Tokyo
- Sprache Englisch und Japanisch mit Simultanübersetzung
- Preis 1000 Yen (Nach der Veranstaltung findet ein kleiner Empfang statt)
Im Jahr 2022, also 14 Jahre nach der Uraufführung, wurde 'Sweet Mambo' unter der Leitung des norwegischen Choreographen Alan Lucien Øyen neu einstudiert – zum größten Teil mit den Tänzer*innen der Originalbesetzung. Diese bringen nach über 14 Jahren ihre gewachsene Lebenserfahrung und ihren älter gewordenen Körper in das Tanzstück ein und konfrontieren sich mit einer Choreographie, die für ihren eigenen – erheblich jüngeren - Körper entstanden ist. Die Wiederaufnahme von 'Sweet Mambo' reflektiert auf diese Weise, wie körperliche Alterungsprozesse in den Tanz einfließen und wie Bühnenstücke mit ihren Darsteller*innen altern.
Japan hingegen hat in der Geschichte seiner Bühnenkünste sehr vielfältige und komplexe Ausdrucksformen entwickelt, wie körperliche Alterung, Zerfall und Vergänglichkeit auf der Bühne repräsentiert werden. Im Rahmen dieser Veranstaltung kommen der Noh-Meister Koji Takabayashi und die Butoh-Tänzerin Tenko Ima mit Julie Anne Stanzak und Reginald Lefebvre, zwei Tänzer*innen von 'Sweet Mambo' ins Gespräch. Diskutiert werden die unterschiedlichen Annäherungen an das Thema Altern, und Vergänglichkeit des Körpers aus transkultureller Perspektive.
Konzept und Moderation: Nanako Nakajima
Mit: Tenko Ima, Koji Takabayashi, Reginald Lefebvre, Julie Anne Stanzak
Sprecher*innen
Künstlerische Leiterin der Butoh-Kompanie KIRAZA und Direktorin des Ima Tenko Butoh Studios. Von 1980 bis 1994 war sie Mitglied der Butoh-Kompanie Byakkosha. Im Jahr 2000 gründete sie ihre eigene Butoh-Kompanie unter dem Namen Kiraza. 2005 ging ihre Kompanie auf Europatournee mit Aufführungen in Spanien, Frankreich und Deutschland. Von 2007 bis 2016 trat ihre Kompanie regelmäßig im historischen Gojo Rakuen Kaburenjo Theater in Kyoto auf. Von 2016 bis 2020 präsentierte sie ihr Solo-Werk „Hisoku“ als Langzeitaufführung im Kyoto Butoh Kan Theater, einem spezialisierten Theater für Butoh. 2019, anlässlich ihres 60. Geburtstags, schuf sie die Performance „YAMI NO TSUYA“ im Pontocho Kaburenjo in Kyoto.
Im Jahr 2020 wurde sie für ihre Butoh-Performance „Diamond“ (aufgeführt im UrBANGUILD, Kyoto) mit dem Exzellenzpreis bei der 75. Ausgabe des Nationalen Kunstfestivals der Agency for Cultural Affairs (Bunkacho) ausgezeichnet. Im Jahr 2025 wird ihre Kompanie die Kiraza-Butoh-Performance „Blood of Coral“ im UrBANGUILD in Kyoto uraufführen.
Tenko Ima erforscht und erweitert die Grenzen zwischen Kunst und sich selbst im avantgardistischen Bereich des Butoh. Ihre Kunst basiert auf „tamafuri“ – dem Akt der „Wiederbelebung der Seele“ – einer Praxis, die in den Ursprüngen der japanischen Darstellenden Künste verwurzelt ist.
Reginald Lefebvre wurde auf Korsika geboren und begann seine Tanzausbildung am Conservatoire de Musique et de Danse in Bastia, bevor er 2008 an die École Supérieure de Danse de Cannes Rosella Hightower wechselte.
Im Jahr 2012 schloss er seine Ausbildung an der Ballettakademie Rudra Béjart Lausanne ab und zog für ein Jahr nach Madrid, um am Conservatorio Superior de Danza María de Ávila zu studieren. Nach Abschluss seiner Ausbildung trat er 2013 der Jugendkompanie IT Dansa in Barcelona bei, wo er die Gelegenheit hatte, mit einer Vielzahl von Choreografen zu arbeiten, darunter Alexander Ekman, Rafael Bonachela, Sidi Larbi Cherkaoui, Jiří Kylián und Nacho Duato.
Anschließend zog Reginald nach Deutschland und arbeitete fünf Spielzeiten lang mit Gauthier Dance in Stuttgart. Dort tanzte er Werke von Choreografen wie Hofesh Shechter, Ohad Naharin, Marco Goecke, Shahar Binyamini, Cayetano Soto, Nadav Zelner, Barack Marshall, Andonis Foniadakis, Eyal Dadon und vielen anderen. Seit 2021 freut er sich, Teil des Ensembles des Tanztheater Wuppertal Pina Bausch zu sein.
Julie Anne Stanzak wurde in Charlotte, North Carolina, geboren und wuchs in New Orleans auf, wo sie Ballettunterricht nahm und Sommerkurse bei renommierten Lehrkräften in den USA besuchte.
1976 ging sie nach Chicago, um dem Chicago Lyric Opera Ballet unter der Leitung von Maria Tallchief beizutreten. Nach mehreren Auditions bei europäischen Ballettkompanien wurde sie von Rudi van Dantzig eingeladen, sich dem Het Nationale Ballet in Amsterdam anzuschließen. Dort tanzte sie von 1979 bis 1986 im umfangreichen und vielfältigen Repertoire der Kompanie. Während dieser Zeit beobachtete Julie den kreativen Arbeitsprozess von Pina Bausch für ein Stück beim Holland Dance Festival 1982 und war tief beeindruckt von dem Ensemble und seiner einzigartigen Atmosphäre.
Seit 1986 ist Julie festes Mitglied des Ensembles des Tanztheater Wuppertal und hat in über 30 Stücken von Pina Bausch getanzt.
Heute unterstützt sie die Wiederaufnahme von Pinas Repertoire und arbeitet als Probenleiterin. Darüber hinaus leitet sie Workshops, Bildungsprojekte und Öffentlichkeitsarbeit für das Tanztheater und engagiert sich in zahlreichen Projekten der Pina Bausch Foundation.
Noh-Meister, Shitekata-Darsteller, Kita-Schule
Geboren 1935 in Kyoto. Bereits in früher Kindheit erhielt er ausschließlich Unterricht von seinem Vater, Ginji Takabayashi. 1971 wurde er professioneller Darsteller der Kita-Schule des Noh-Theaters. Seit April 1982 präsentiert er kontinuierlich die Aufführungen des „Yūsen Noh der Kita-Schule“ in Kyoto, die eine 400-jährige Tradition tragen. Dabei widmet er sich der Verbreitung des Noh, der Bewahrung seiner Traditionen und der Ausbildung von Nachfolgern. Sein Bühnendebüt gab er 1938 als Kinderdarsteller in „Asukagawa“. Er verkörperte drei bedeutende Rollen alter Frauen: „Sotoba Komachi“ im Jahr 1998, „Ōmu Komachi“ im Jahr 2009 und „Obasute“ im Jahr 2012. Im Jahr 2016 zog er sich nach seiner letzten Hauptrolle (shite) in „Eguchi“ aus dem aktiven Bühnenleben zurück.
Dr. Nanako Nakajima ist Tanzwissenschaftlerin und Dramaturgin. Im Jahr 2017 erhielt sie eine besondere Anerkennung im Rahmen des Elliott Hayes Award for Outstanding Achievement in Dramaturgy von den Literary Managers and Dramaturgs of the Americas. Sie hat mit Festivals, Theatern und Universitäten zusammengearbeitet, wobei sie ihre Forschung zum Thema Alter in den Tanz integriert. Im akademischen Jahr 2019/20 war sie Valeska-Gert-Gastprofessorin an der Freien Universität Berlin und ist derzeit außerordentliche Professorin für Tanzwissenschaft an der Waseda-Universität in Japan. Zu ihren Veröffentlichungen zählen The Aging Body in Dance (Routledge, 2017) und Oi to Odori (Keiso Shobo Verlag, 2019). Derzeit bereitet sie ihr Monographie Dance Dramaturgies of Aging (Routledge, 2025) vor.
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Ort
7-5-56 Akasaka, Minato-ku
Tokyo
107-0052 Japan