MIGRATION – Recherchen

MIGRATION - Recherchen © Goethe-Institut Marokko

Das Projekt MIGRATION – Recherchen des Goethe-Institut Marokko untersucht Dimensionen der Migration von und nach Marokko und Deutschland. Das interdisziplinäre Projekt nimmt unterschiedliche Perspektiven ein und setzt sich u.a. aus einer wissenschaftlichen Studie, Diskursveranstaltungen und einer Kunstausstellung zusammen.

Seit Frühjahr 2020 hält die Corona-Pandemie die Welt fest im Griff. Andere, ebenfalls globale Phänomene wie die Migration verlieren dadurch kurzzeitig an Aufmerksamkeit.

Das Goethe-Institut Marokko hat sich daher im Jahr 2021 mit seinem neuen Projekt MIGRATION – Recherchen vorgenommen, verschiedene Dimensionen der Migration zwischen Marokko und Deutschland respektive der Migration in das jeweilige Land zu untersuchen. Dafür schafft das Goethe-Institut Marokko einen Raum für einen transdisziplinären Dialog zwischen Expert*innen, Kunstschaffenden, Journalist*innen und Veranstaltungspublikum. Ziel ist es, die diversen Dimensionen der Migration aus unterschiedlichen Perspektiven – wissenschaftlichen, künstlerischen und diskursorientierten Perspektiven – zu betrachten und neue Wege der Auseinandersetzung mit Migration zu initiieren.

Die Meinung einer breiten Öffentlichkeit zu Migrationsfragen wird maßgeblich durch die Medien und insbesondere durch digitale, soziale Netzwerke und Plattformen wie Facebook und YouTube bestimmt. Die Wahrnehmungen und Zuschreibungen eines Bildes von Migrant*innen entstammen oft unreflektierten und stereotypen Informationen. Das Projekt MIGRATION – Recherchen möchte Möglichkeiten eröffnen, einen Beitrag zur Sensibilisierung der Zivilgesellschaft in Bezug auf das Thema Migration zu leisten.

Eine wissenschaftliche Studie in Zusammenarbeit der Universität Mohamed V in Rabat, welche die Beweggründe junger Marokkaner*innen nach Deutschland zu emigrieren, erforscht, bildet zusammen mit einem Online-Interview mit dem Studienautor, Professor Said Bennis (Professor für Soziologie an der Universität Mohamed V), den Beginn des Projekts. Die Studie wurde in der ersten Jahreshälfte 2020 durchgeführt.
Anschließend eröffnet eine Kunstausstellung mit Werken marokkanischer und internationaler Künstler*innen neue Perspektiven auf die Auseinandersetzung mit Migration. Kuratiert von Nouha Ben Yebdri (Mahal Art Space, Tanger) zeigt die Ausstellung in den Räumen des Goethe-Instituts Rabat Objekte, Videoinstallationen und Fotografien von Künstler*innen, die sich mit dem Thema Migration beschäftigen.
Zudem sind Diskussionsveranstaltungen mit Buchautor*innen, Journalist*innen und Wissenschaftler*innen sowie Politiker*innen, die über Migration schreiben, forschen oder arbeiten, geplant. Hier soll ein World Café mit Publikumsbeteiligung den eingeladenen Gästen die Möglichkeit bieten, direkt mit Migrations-Expert*innen in Kontakt zu treten und in einem Workshop diverse Aspekte der Migration zu bearbeiten und zu diskutieren.

Studie: Leben? Karriere? Chance?

Waum junge Marokkaner*innen nach Deutschland wollen?

Warum wollen junge Marokkaner*innen nach Deutschland emigrieren und was erwarten sie sich davon?
Eine wissenschaftliche Studie in Zusammenarbeit des Goethe-Instituts Marokko und der Universität Mohamed V fragt nach den Gründen der Emigration junger Marokkaner*innen.
Prof. Dr. Said Bennis der Universität Mohamed V ging den Fragen in der vom Goethe-Institut beauftragten Studie nach. Es wurden über 300 Deutsch lernende Marokkaner*innen in Rabat, Casablanca und Meknes über ihre Motive und Perspektiven der Migration nach Deutschland befragt. Fragen nach dem Leben in Deutschland, einer Karriereentwicklung oder den mit einer Emigration verbundenen, erhofften Chancen standen im Zentrum.

Einen ersten Einblick in die Ergebnisse der, in der ersten Jahreshälfte 2020 durchgeführten Studie, gibt ein Online-Interview mit Prof. Said Bennis, Professor für Sozialwissenschaften an der Universität Mohamed V. Es ist auf dem Youtube-Channel des Goethe-Instituts Marokko verfügbar. Hier präsentiert Prof. Said Bennis seine Erkenntnisse aus der Studie und erklärt, woran es liegt, dass die Erwartungen der Auswanderungswilligen letztendlich oft nicht mit der erlebten und gelebten Realität übereinstimmen. Ebenso geht er darauf ein, was für eine Rolle die gesellschaftliche Akzeptanz und das familiäre Umfeld spielen, den Wunsch auszuwandern auch in die Tat umzusetzen.
 

 

Kunstausstellung
MIGRATION – Recherchen

MIGRATION-Recherchen © Goethe-Institut Marokko
Vom 17.05. – 04.06.2021 zeigt das Goethe-Institut Marokko eine Kunstausstellung im Rahmen des interdisziplinären Projekts „MIGRATION – Recherchen“. Eine Online-Vernissage am 17.05. lädt Besucher*innen ein, die Ausstellung erst digital und dann in den Räumlichkeiten des Goethe-Institut Rabat zu besuchen.

Wie reflektieren Künstler*innen das Thema Migration? Nouha Ben Yebdri, Kuratorin, Kulturaktivistin und Gründerin des Kunstraumes „Mahal Art Space“ in Tanger wurde für die Kunstausstellung des Goethe-Instituts Marokko beauftragt, dieser Frage nachzugehen. Ben Yebdri konzipierte eine multidisziplinäre Ausstellung, in der sie Werke von sieben marokkanischen und internationalen Künstler*innen präsentiert, die sich mit Migration auseinandersetzen.

Die Kunstausstellung regt Reflexionen und Diskussionen über Migration an wie über die Formen von Gewalt, die sie verursachen und die durch sie verursacht werden. Sie schafft Raum zur künstlerischen Auseinandersetzung mit individuellen und kollektiven Lebenserfahrungen, die über eine Viktimisierung hinausgehen und sich immer wieder einer (Selbst-)Kritik unterziehen.

Vom 17. Mai bis 04. Juni 2021 sind in den Räumlichkeiten des Goethe-Institut Rabat Kunstobjekte, Videoprojektionen und (Multi-Media) Installationen der Künstler*innen Rachid Benyaagoub, Wiame Haddad, Soukaina Joual, Ahmad Karmouni, Randa Maroufi, Salvador Tomnyuy und des Duos Mukenge/Schellhammer zu entdecken.
 

Informationen zu den Künstler*innen und der Kuratorin

Nouha Ben Yebdri © Yoriyas Nouha Ben Yebdri (Kuratorin)
Nouha Ben Yebdri ist freischaffende Kuratorin, Kulturkoordinatorin und Forscherin. Ihr Hauptinteresse gilt den Fragen der Entwicklung von Kunsträumen, deren Auswirkungen auf die Umwelt und der Beziehung zwischen Kunst und Bildung. Ben Yebdri arbeitet an der Entwicklung und Förderung zeitgenössischer Kunstpraktiken und ist die Leiterin der Mahal Association als auch Gründerin des Mahal Art Space in Tanger, eines unabhängigen Kunstraumes für zeitgenössische Kunst.
Für das Goethe-Institut Marokko konzipierte Nouha Ben Yebdri die multidisziplinäre Ausstellung MIGRATION – Recherchen.

Rachid Benyaagoub © Houda El Yaagoubi Rachid Benyaagoub
Rachid Benyaagoub (Taourirt/Tetouane) kombiniert in seinen Werken die Techniken von Zeichnung, Video und Installation und hinterfragt die schillernden Illusionen des Kapitalismus. Benyaagoub verfolgt an der Schnittstelle von Schauspiel und Konsum einen visuellen und plastischen Arbeitsansatz, der sich hauptsächlich um die Beziehung des Menschen zur Technologie und um deren soziale, kulturelle und verhaltensbezogene Ausdrucksformen dreht.
Seit seiner Jugend inspirieren Benyaagoub Methoden des Bau- und Tischlerhandwerks, heute bilden technologische Transformationen und aktuelle zeitgenössische digitale Narrative den Kern der Überlegungen des Künstlers. Seit einigen Jahren forscht Benyaagoub an einer Recherche zum kollektiven Gedächtnis von Marokko Oriental und denkt über die Einführung von künstlerischem Design als einer Form der optischen und plastischen Restaurierung von Ruinen nach.  

Im Rahmen der Ausstellung „MIGRATION – Recherchen“ präsentiert Rachid Benyaagoub seine Installation „Sounds at the borders“.

Rachid Benyaagoub Installation © Mahal Art Space © Mohamed Amine Touh – Tslack "Sounds at the borders" ist eine immersive Multimedia-Installation, die darauf abzielt, eine Interaktion zwischen den beiden Ufern des Mittelmeers, zweier Kulturen und zweier Vorstellungen von der Welt, der afrikanischen und der europäischen, zu schaffen, die sich kreuzen und trennen in einem immerwährenden Missverständnis. Das Projekt verhandelt dieses Spannungsfeld durch Klang und Sound; Elemente, die imstande sind, Grenzen zu überwinden. Credits: Koproduziert vom Kollektiv Calypso36º21, im Rahmen der Ausstellung Out.of.the.blue.map, Mahal Art Space, Tanger, November 2020


Wiame Haddad © Wiame Haddad Wiame Haddad
Wiame Haddad (Paris/Tunis/Casablanca) konzentriert sich in ihrem künstlerischen Schaffen auf den Körper als politisches Medium und Mittel zum Ausdruck und lässt sich von allem inspirieren, was zeigt, wie Körper auf Begrenzung, innere oder durch historische oder soziale Kontexte verursachte Konflikte reagieren. Ihre Recherchen, Videos und Fotographien betrachten die Frage nach dem Körper und dessen Verhältnis zwischen "Okzident" und Nordafrika.

Im Rahmen der Ausstellung „MIGRATION – Recherchen” zeigt Wiame Haddad ihr Werk „Über ein besetztes Zimmer (Vision eines Abends im Oktober 1961)“.

Wiame Haddad © Wiame Haddad „Über ein besetztes Zimmer (Vision eines Abends im Oktober 1961)“ (2020)
Ein Mann geht an einem Oktoberabend 1961 in Paris hinaus, um sich einem friedlichen Marsch für die algerische Unabhängigkeit anzuschließen. Er ist im Begriff, den Raum, den er verlässt, in Dunkelheit zu tauchen. Ein Moment, der durch die Fotografie von Wiame Haddad eingefroren wird, die uns, fast wie in einem realen Maßstab, alle Details dieses „Zimmers“ zeigt, das in der Art eines Filmsets aufgebaut wurde. Dieses Setting eröffnet den Blick zu dem Schauplatz eines Geschehens, das unsichtbar bleibt: das historische Ereignis spielt sich im Off-Screen ab.
Es ist die unsichtbare Geschichte, die hier abgebildet wird. Wiame Haddads Arbeit schließt an die Art jener meisterhaften Gemälde an, die historische Ereignisse darstellen, doch nur Fragmente eines alltäglichen Lebens zeigen. Durch die Details, die sichtbar werden (ein Datum, eine Zeit, eine Identität), entsteht eine politische Spannung: die eines Abends eines Massakers in Algerien durch den französischen Staat, aber auch die einer künftigen Unabhängigkeit eines Landes, das sich mitten im Krieg mit seiner Kolonialmacht befindet. Credits: Mit Unterstützung von AFAC und Culture Resource (Al-Mawred Al-Thaqafy).

Ahmad Karmouni © Pierre de Loheac Ahmad Karmouni
Ahmad Karmouni (Asilah) interessiert sich für Werkstoffe und Materialien in ihrem Rohzustand wie Kupfer, Kalk oder Salz, mit denen er im Laufe seiner Forschung experimentiert als auch Medien wie Zeichnung, Installationen oder Drucktechniken (Gravur, Monotypie, etc.). Im Fokus seiner Arbeit steht Salz, das mit vielfältigen Bedeutungen, Konnotationen und Überzeugungen behaftet ist. Hier hinterfragt Ahmad Karmouni den Stellenwert und die Bedeutung von Salz in verschiedenen Zivilisationen.

Im Rahmen der Ausstellung „MIGRATION – Recherchen“ zeigt Ahmad Karmouni seine Installation „Fawka lmilh“.

Ahmad Karmouni ( Installation „Fawka lmilh“ ) © Mahal Art Space © Mohamed Amine Touh – Tslack „Fawka lmilh“ (2020) Die Installation „Fawka lmilh“ versucht, die Plastizität von Grenzen zu materialisieren. Salz, ein geschichtsträchtiges Material, verwandelt sich mit der Veränderung seines Kontextes. Diese Eigenschaft hat das Salz zur Grundlage der künstlerischen Forschung von Ahmad Karmouni gemacht. Credits: Koproduziert vom Kollektiv Calypso36º21, im Rahmen der Ausstellung Out.of.the.blue.map, Mahal Art Space, Tanger, November 2020


Soukaina Joual © Sara Ouhaddou Soukaina Joual
Soukaina Joual ist eine multidisziplinäre Künstlerin, die aufzeigt, wie der eigene Körper verschiedene Spannungen, Dynamiken und Unterschiede kompensieren und reflektieren kann. Sie betrachtet den Körper aus verschiedenen Perspektiven: wie er sich verändert, seine Interaktion mit der eigenen Identität und wie er zu einem Ort werden kann, an dem ideologische Debatten geführt werden. Joual stellt die Existenz ins Zentrum des Schaffens und betrachtet dem Wandel zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, Zugehörigkeit und Abwesenheit. Der Körper wird zum mythischen Objekt, zur Metapher für die Gesellschaft. Gleichzeitig verwischt Joual die Grenzen zwischen Dualitäten: öffentlicher und privater Raum, Individuum und Gemeinschaft, Inneres und Äußeres unserer Körper; indem sie Vorschläge ausarbeitet, die die Grenzen zwischen einer künstlerischen Intervention und einer alltäglichen Handlung thematisieren.

Im Rahmen der Ausstellung „MIGRATION-Recherchen“ präsentiert Soukaina Joual ihre Installation „سجن الوطن ولا حرية المنفى Jail in my native land to freedom in exile“.

„سجن الوطن ولا حرية المنفى Jail in my native land to freedom in exile” (2017) © Walther Le Kon „سجن الوطن ولا حرية المنفى Jail in my native land to freedom in exile” (2017)
“Jail in my Native Land to Freedom in Exile“ ist ein in blaues Neon eingeschriebenes arabisches Zitat aus dem Buch "For bread alone" des marokkanischen Schriftstellers Mohamed Choukri. Das Werk thematisiert das Leben des Autors selbst und war eines der ersten arabischen Bücher, das sich mit den Tabus der nordafrikanischen Gesellschaften in der Zeit zwischen den 1930er und 1950er Jahren auseinandersetzte. Choukri enthüllt die soziale und politische Struktur des Kolonialismus durch das Elend seiner Kindheit und Jugend sowie seiner Familie, welcher er im Exodus aus dem Rif nach Tanger folgte, wo Choukri bis zu seinem Tod im Jahr 2003 lebte. Das Buch wurde 1973 veröffentlicht und nach seiner Veröffentlichung in Marokko bis 2000 zensiert.

Randa Maroufi © Ben Joseph Randa Maroufi
Randa Maroufi (Tétouan/Paris) gehört zu der Generation, die mit der Macht der Bilder aufgewachsen ist. Sie sammelt sie mit ebenso viel Eifer wie Misstrauen und stellt deren Wahrheitsgehalt ständig in Frage. Mit Vorliebe stellt sie ihre mehrdeutigen Erzählungen in den Dienst der Realität, und das Spektrum ihrer Experimente reicht von der Besetzung des öffentlichen Raums bis zur Auseinandersetzung mit Gender, dessen Konstruktionsmechanismen sie untersucht. Ihre Arbeiten, die sich durch Fotografie, Installation, Performance, Sound und Film ausdrücken, wurden bei zahlreichen bedeutenden zeitgenössischen Kunst- und Filmveranstaltungen präsentiert.

Im Rahmen der Ausstellung „MIGRATION – Recherchen“ präsentiert Randa Maroufi ihre Arbeit „Stand-by Office“ (2017).

„Stand by Office“ (2017) © Randa Maroufi „Stand by Office“ (2017)
Eine Gruppe von Personen in einer büroähnlichen Umgebung. Tägliche Arbeitshandgriffe werden im gesamten Gebäude ausgeführt. Dennoch scheint sich nichts zu bewegen. Die Kamera zirkuliert kontinuierlich und verändert allmählich unsere Wahrnehmung des Raumes. Wir fragen uns: Was bedeutet dieser Ort für diese Gruppe von Menschen?
„We Are Here“ ist eine Gruppe von Menschen mit Fluchthintergrund in Amsterdam, denen die Regierung keine Wohnungen zur Verfügung stellt, die aber auch nicht arbeiten dürfen. Die Gruppe beschloss, die menschenunwürdige Situation, in der sie sich befinden, sichtbar zu machen, indem sie sich nicht mehr verstecken, sondern die Situation von Menschen mit Fluchthintergrund, die sich „außerhalb des Gesetzes“ in den Niederlanden befinden, sichtbar machen.

Mukenge/Schellhammer  ©  Mukenge/Schellhammer  Mukenge/Schellhammer
Mukenge/Schellhammer (Kongo/Deutschland) sind als Duo seit 2016 ein Laboratorium für post-postkoloniale Theorie und Praxis zwischen Europa und Kinshasa. In ihrer Arbeit, die sich zwischen diversen kulturellen, sozialen und ökonomischen Räumen bewegt, werden persönliche Wahrnehmungen und individuelle Komfortzonen in Frage gestellt und aufgebrochen. Alltagserlebnisse bilden den Ausgangspunkt für einen konzeptionellen Ansatz, der Gegensätze stehen lässt, anstatt sie aufzulösen und als Gemälde, Zeichnungen, Performances und Szenenbilder, die gemeinsam entworfen werden, sichtbar wird. Im künstlerischen Ansatz von Mukenge/Schellhammer werden traditionelle visuelle Praktiken mit animierten Zeichnungen, experimentellen Videos und digitalen Collagen angereichert.

Im Rahmen der Ausstellung „MIGRATION – Recherchen“ präsentieren Mukenge/Schellhammer ihre Installation „Deine Exotik ist mein täglich Brot“.

Mukenge/Schellhammer  ©  Mukenge/Schellhammer  Installation „Deine Exotik ist mein täglich Brot“ (2020)
Das Wort Exotik bezieht sich auf das, was dem Subjekt fremd oder fern ist, und berührt damit das Bild des Anderen, das Imaginäre, Stereotypen und Normvorstellungen. Diese Bilder des Anderen, oft genutzt als Mittel zur Verleugnung von Realitäten wurden immer wieder hinterfragt. Die Konstruktion der Andersartigkeit spiegelt eine hierarchische Position wider: Weit davon entfernt, den anderen zu begreifen, dient die Konstruktion seiner Andersartigkeit dazu, das Selbst zu konstruieren und die eigenen Vorstellungen von der Welt zu rechtfertigen. Durch eine Umkehrung der Blickwinkel ist die Serie von Fotos und Videos von Mukenge/Schellhammer inspiriert von Strategien zur Umlenkung stereotyper Bilder, um die Dynamiken von Macht und Hierarchien zu dekonstruieren, die aus der Konstruktion des westlichen Imaginären des Anderen resultiert.  

Credits: Duo Mukenge/Schellhammer (Konzept, Produktion und Regie), Harmonie Eley Yambe und Pasquien alias Choco Yoshi (Performance) und Maitre Claude (Sprecher).

Salvador Tomnyuy © Salvador Tomnyuy Biographie Salvador Tomnyuy
Salvador Tomnyuy (Jakiri, Kamerun) war leidenschaftlicher Boxer, bevor er seine Liebe zur Malerei entdeckte. 2013 verließ Tomnyuy Kamerun Richtung Äquatorialguinea, und brach schließlich auf die gefährliche Reise durch die Sahara Richtung Marokko auf. Marokko wird ihm Heimat und Ort der Zuflucht. Hier trifft Tomnyuy marokkanische und ausländische Künstler*innen, die ihn willkommen heißen und deren kreatives Umfeld ihn inspirieren, sich anhand der Malerei mit den schmerzhaften und dunklen Bildern seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen.
Neben der Malerei experimentiert Tomnyuy mit Materialien aus dem Alltag wie Straßenbahntickets aus Casablanca, recycelt Geschenk- oder Zeitungspapier für seine Kunst und sieht diese Form der künstlerischen Auseinandersetzung mit Materialien als Möglichkeit, auf die Klimakrise aufmerksam zu machen. Marokko sieht er als kulturelle Brücke zwischen dem kulturell-diversen Reichtum des afrikanischen Kontinents und Europa, das künstlerischen Praktiken und deren kulturellen Erbe eine Plattform gibt.

Im Rahmen der Ausstellung "MIGRATION – Recherchen" präsentiert Salvador Tomnyuy seine Arbeit „Les insolites“.

„Les Insolites“ (2019) © Salvador Tomnyuy „Les Insolites“ (2019)
„Les Insolites“ (das Ungewöhnliche) ist eine Serie von drei Gemälden, die während eines Abschnitts im Leben von Tomnyuy entstanden sind, den er als herausfordernd, schwierig und seltsam beschreibt, „eine Zeit, in der viele Veränderungen in mir stattfanden, eine Zeit, in der ich konzentriert bleiben musste, um mein Leben als illegaler Einwanderer und als Künstler gleichzeitig bewältigen zu können". Der Titel der Arbeit geht auf das „ungewöhnliche“ Gefühl der Erfüllung, Befreiung und Heilung zurück, das der Künstler durch den Entstehungsprozess dieser drei Bilder erfahren hat.

Informationen zum Besuch der Ausstellung

Der Besuch der Ausstellung ist frei und in den Räumlichkeiten des Goethe-Institut Rabat für Besucher*innen von Montag, dem 17.05. bis Freitag, dem 04.06.2021 geöffnet! Eine Voranmeldung ist nicht nötig. Während des Besuchs ist das Tragen einer Maske obligatorisch. Aufgrund der Hygienemaßnahmen können nur 5 Personen zeitgleich die Ausstellung besuchen (es kann daher eventuell zu Wartezeiten kommen).

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag von 10:00 bis 17:00 Uhr (letzter Einlass 16:30 Uhr)
Samstag von 12:00 – 18:00 Uhr (letzter Einlass 17:30 Uhr)
Sonntag geschlossen.

Vernissage: Online, 17.05.2021 um 19:00 Uhr auf dem YouTube-Kanal des Goethe-Institut Marokko.
Adresse: Goethe-Institut Rabat, 7 rue Sana’a, 10 001 Rabat

Kontakt

Friederike Frost
Kulturprogramme
Friederike.Frost@goethe.de

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