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19:00–22:30 Uhr
„Ost, West — und was kommt jetzt?“
Themenabend: Gespräche, Film und Musik|Die deutsche Einheit neu denken (und gestalten)
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Goethe-Institut Amsterdam, Amsterdam
- Sprache Deutsch und Englisch
- Preis Die Veranstaltung ist ausgebucht
- Teil der Reihe: 35 Jahre deutsche Wiedervereinigung
Am 3. Oktober jährt sich die deutsche Wiedervereinigung zum 35. Mal. Doch statt Feststimmung herrscht Unverständnis zwischen Ost und West und Polarisierung im ganzen Land. Wie können wir, trotzdem und gerade jetzt, die Zukunft der Einheit gestalten? Wie könnten die blühenden Landschaften — so wie Helmut Kohl sie vorhersagte — letztendlich aussehen? Ein Themenabend mit Film, Gesprächen und Musik, mit Soziologin Katharina Warda und Journalist Holger Kulick.
Deutschland, 35 Jahre nach der Wiedervereinigung: noch immer verdienen Menschen im Osten durchschnittlich weniger als ihre westdeutschen Nachbarn und sind sie selten in Spitzenpositionen in Politik, Medien, Wirtschaft und Wissenschaft vertreten. Nach jeder Bundestagswahl rücken die neuen Bundesländer in den Fokus, wenn es um die Wahlerfolge der rechtsextremen Alternative für Deutschland (AfD) geht. Und in den Medien wird Ostdeutschland häufig als Heimat der Demokratieverdrossenen und „Abweichung“ von der (westdeutschen) Norm dargestellt.
Auch wenn niemand zurück will nach Vorwendezeiten, so bleibt die deutsche Einheit doch ständiger Gegenstand einer kontroversen Debatte. Dabei ist die Polarisierung nicht nur zwischen Ost und West spürbar. Im ganzen Land erhält die AfD hohe Zustimmungswerte und ist der Kulturkampf in Politik und Medien in vollem Gange. Was für eine Einheit wünschen sich die Menschen vor diesem Hintergrund, und was braucht es ganz konkret, um Zusammenhalt und Demokratie zu stärken?
Am 3. Oktober, dem Tag der deutschen Einheit, diskutieren wir diese Fragen mit der Soziologin, Filmemacherin und Autorin Katharina Warda und dem Journalisten Holger Kulick. Beide sind sowohl Zeitzeug:innen der Wiedervereinigung als auch aktiv an den Debatten zur Zukunft der Einheit beteiligt. Sie stellen neue gesellschaftliche und künstlerische Initiativen vor, die auf Begegnungen und Partizipation setzen, von Dokumentarfilmen bis hin zum Theaterprojekt im Plattenbauviertel. Auch werden wir an diesem Abend über die Chancen des Zukunftszentrums für Deutsche Einheit und Europäische Transformation sprechen, das 2030 in Halle eröffnet werden soll.
Welche Rolle spielen kulturelle Initiativen bei der demokratischen Gestaltung der Zivilgesellschaft und beim Kampf gegen Polarisierung? Das zeigt der aktuelle Dokumentarfilm BLICKWECHSEL – Publika und Politiken der Darstellenden Künste, den wir gemeinsam mit den Referent*innen ansehen werden.
BLICKWECHSEL – Publika und Politiken der Darstellenden Künste
DE 2024, 60 Min., Deutsch mit englischen Untertiteln
Die Kultur ist eines der wichtigsten Angriffsziele rechtsextremer Kräfte. Der ideologische Feldzug gegen die Künste wurde dabei zuletzt immer offener ausgetragen. BLICKWECHSEL untersucht diese Entwicklung im Dialog mit Rimini Protokoll, CHICKS*, Katharina Warda, Sibylle Peters, Julia Wissert und vielen weiteren Persönlichkeiten.
Einblicke in Performances und Stücke aus der Breite der Darstellenden Künste zeigen nicht nur, wie diese der Polarisierung entgegenwirken: Wenn in der Bürgerjury im Harz das queer-feministische Stück diskutiert und ausgewählt wird, im Rathaus Hanau die Chronologie der rassistischen Attentate als performative Anklage nachgezeichnet wird und Kinder vor den Theatertüren in Ost-Berlin über Stereotype und Klassenunterschiede sprechen, dann zeigt sich ganz konkret, wie die Darstellenden Künste tagtäglich zum gemeinsamen Nach- und Weiterdenken einladen. Und damit die Demokratie nachhaltig stärken. Ein Film von Janina Möbius im Auftrag des Fonds Darstellende Künste. Produktion: Soilfilms. Gefördert durch: Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen von NEUSTART KULTUR.
Ein hoffnungsvoller Themenabend mit Film, Gesprächen und Musik, bei dem wir gemeinsam einen offenen Blick werfen auf das, was war, was ist – und vor allem auf das, was sein könnte. Denn Einheit ist kein Zustand, sondern ein Prozess.
Ein Kooperationsprojekt zwischen Goethe-Institut, Duitsland Instituut Amsterdam und Genootschap Nederland Duitsland.
Sprecher*innen
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Katharina Warda
Katharina Warda (geb. 1985) ist Soziologin und Literaturwissenschaftlerin. Sie promovierte in Berlin und New Jersey über das subversive Potenzial biografischer Erzählungen in Tagebuchblogs. Warda arbeitet heute als Autorin, Rednerin und Filmemacherin und beschäftigt sich mit Ostdeutschland in Bezug auf Rassismus, Klassismus und die Punk-Subkultur sowie mit dem schwarzen Internationalismus während des Kalten Krieges. Bekannt wurde sie durch ihr Projekt Dunkeldeutschland, in dem sie anhand ihrer eigenen Erfahrungen als schwarze Frau in Ostdeutschland in der DDR und nach 1989/90 blinde Flecken in der deutschen Geschichtsschreibung beleuchtete.
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Holger Kulick
Holger Kulick (geb. 1960) verbrachte seine Jugend in West- und Ostdeutschland, zwischen Wiesbaden und Neuruppin, und arbeitet seit seinem Studium der Politikwissenschaft in Mainz und Berlin als Journalist. Zunächst für das Fernsehen, beispielsweise für die Fernsehsendung Kennzeichen D, später als Online-Journalist unter anderem für Spiegel Online, Stern und die Stasi-Unterlagenbehörde. Seit 2015 ist er bei der Bundeszentrale für politische Bildung tätig, wo er über die Folgen des deutsch-deutschen Transformationsprozesses und Themen rund um die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit berichtet.
Ort
Herengracht 470
1017 CA Amsterdam
Niederlande