Smart City Was versteht man unter einer smarten Stadt?

Jede Stadt möchte wohl smart sein. Kennzeichnet `Smart Citiy‘ doch ein Konzept, das Städte in die Lage versetzen soll, intelligent und flexibel auf veränderte Umweltsituationen wie Bevölkerungswachstum, Klimawandel, Rohstoffknappheit und Umweltverschmutzung zu reagieren.

Oslo hat sich, als eine von weltweit mehreren hundert Städten, diesem Programm verpflichtet und sich sogar bereits einen Namen gemacht: 2009 erreichte die norwegische Metropole den dritten Platz als Europas umweltfreundlichste Stadt. Die Stadtplaner nehmen es als Ansporn.  Bis 2030 wollen sie Oslos CO2-Emissionen  halbieren, um 2050 komplett klimaneutral zu sein.
Das englische Wort "smart", das uns seit einigen Jahren immer häufigerer als Zusatz zu Produkten oder Begriffen begegnet,  bedeutet so viel wie intelligent und clever, aber auch modern, schick und zügig. Smartphones, Smart-TVs und Smart-Keys haben bereits Einzug in viele Haushalte gehalten.
Was aber versteht man genau unter einer smarten Stadt?
Vor dem Hintergrund, dass bereits heute 80% aller CO2-Emissionen in Städten produziert werden -und davon auszugehen ist, dass im Jahr 2050 bis zu 70% der Weltbevölkerung in Städten leben wird - wird die Frage „Wie muss die Stadt der Zukunft aussehen?“ zu einer der drängendsten Fragen unserer Zeit.
Häufig stellt sich der Lösungsweg als Hightech-Strategie dar, bei der vorrangig auf den Einsatz neuer digitaler Technologien (Smart Technology) gesetzt wird.  In einer erweiterten Perspektive kann das "Smart-City- Konzept" auch nicht-technische Aspekte wie Car sharing, Urban Farming und umfassende Bürgerbeteiligung einschließen.
In Kooperation mit der Umweltorganisation Bellona und dem Technologiekonzern Siemens  baut die Stadtverwaltung Oslos darauf enorme Potentiale Energie einzusparen,  v.a. bei  öffentlichen und gewerblichen Gebäuden, Transport und Stromversorgung. Straßenbeleuchtung kann etwa durch energieeffizientere Leuchtmittel und eine digitale Steuerung  Energie einsparen.  Sie sind ausgestattet mit Sensoren, die bei Stau oder Schnee automatisch die Lichtintensität dimmen.  Das Einsparungspotential liegt bei rund 70 Prozent.

Verbrauch aktiv steuern

Auch private Haushalte sind in diesem Sinne gefordert.  Hier wird  sowohl in der EU als auch in Norwegen auf die Einführung sogenannter Smartmeter, "intelligente" Stromzähler, gesetzt. Die Verbrauchsdaten werden zeitnah und  digital gesendet,  Versorgungsunternehmen und private Verbrauchern ermöglicht das einen permanenten Überblick über den aktuellen Stromverbrauch. Durch eine Ankopplung ebenfalls "intelligenter" Haushaltsgeräte sollen Stromkunden zusätzlich in die Lage versetzt werden, ihren
Verbrauch aktiv zu steuern. Doch welche Bewohner setzt eine Smart-City voraus und welche Bewohner grenzt sie eventuell aus? Der Begriff des "Smart Citizen", des jungen, gebildeten und aktiven Stadtbewohners, der in der Lage ist, die neue Technik dynamisch zu nutzen, ist bereits geprägt.
Kritiker des "Smart-City- Konzeptes" sehen außerdem in der flächendeckenden Anwendung digitaler und vernetzter Technologien im öffentlichen und privaten Bereich neben dem unzweifelhaften Nutzen auch Gefahren:  Zum Beispiel in einem möglichen Missbrauch der durch Sensoren, Kameras und Smartmeter gesammelten Daten und in mangelndem Datenschutz. 
Nicht zuletzt warnen Umweltmediziner und Baubiologen vor der Gefahr der zunehmenden Strahlenbelastung. Die neuen Technologien kommunizieren zumeist per LAN, WLAN oder Mobilfunk miteinander, mit den Netzbetreibern und der Hausautomation.
Wie also erreichen wir, dass die innovativen Technologien den Stadtbewohnern nutzen und nicht umgekehrt?
Einen Ansatz hierzu könnte eine sozialökologische Raumordnung und Stadtplanung bieten, die auf innovative und robuste Low-Tech-Lösungen wie ökologischen Hausbau, nachhaltige Nutzung erneuerbarer Ressourcen, regionale Kreislaufwirtschaft sowie Mitbestimmung bei lokalen Entscheidungsprozessen setzt. Sie versteht sich als basisdemokratisches Programm der "kleinen Schritte von unten". Zentrale Aufgaben in diesem Sinne sind der Schutz der Umwelt, Einbeziehung der Natur in den Stadtraum sowie die Planung kurzer Wege zur Arbeit, Geschäften und Freizeiteinrichtungen. Dazu gehört auch eine weitest gehende Selbstversorgung der Stadtbewohner mit Lebensmitteln und Energie.
In fast allen europäischen Städten finden sich hierzu bereits gelebte Beispiele wie Bürger-Energie-Genossenschaften, interkulturelle Gemeinschaftsgärten und sogenannte Co working-Spaces – die mit flexiblen Arbeitsplätzen und Infrastruktur Raum für Ideenaustausch, Innovationen und Zusammenarbeit bieten.
In Anbetracht der sich stellenden Herausforderungen wird es sich wohl letztlich nicht um eine "Entweder-Oder-Entscheidung" handeln, sondern um eine verantwortungsvolle Stadtpolitik, die mit allen heute zur Verfügung stehenden Mitteln bestrebt ist, zukunftsorientierte, weitestgehend klimaneutrale und gleichzeitig menschliche Stadt- und Lebensräume zu schaffen.