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Zusammenhang zwischen "seltsamem Wetter" und der Klimakrise

Landschaft auf Gotland
Axel Lindman, Collection of the National museum in Sweden. XLM.08443 | Axel Lindman, Collection of the National museum in Sweden. XLM.08443

Daniel Urey ist Mitbegründer und Leiter von LABLAB, einem Think Tank, das sich mit den ökologischen und sozialen Aspekten des räumlichen Wandels in der Nord- und Ostseeregion widmet. Er erklärt, warum Wetter, Wolkendienste und Landschaften zusammenhängen und warum wir uns der Verbindung zwischen Klimakrise und Wetterdaten wie Wettervorhersage bewusst sein sollten.

Das Dokumentieren und Reflektieren über das Wetter hat sich in den letzten Jahrhunderten drastisch verändert. Anhand historischer Bilder können wir etwa sehen, wie Künstler*innen sich mit der Illustration des Wetters durch dramatische Wolken beschäftigt haben. Die meisten dieser dramatischen Wetterillustrationen kommunizierten jedoch nicht das tatsächliche Wetter der jeweiligen Zeit, sondern fügten dem Wetter einen symbolischen Wert hinzu. Ein dunkler Himmel war kein "schlechtes" Wetter, sondern eher ein Zeichen des Jüngsten Gerichts oder eine Erinnerung an begangene Sünden.

Doch mit der Aufklärung und der Wissenschaft als Gegenpart zum religiösen Naturverständnis wurde das Wetter zu einer wissenschaftlichen Angelegenheit, die wie jedes andere Naturelement unter die Herrschaft des Menschen gestellt wurde. Wolken wurden zu Cumulus, Stratus, Cirrus, Nimbus, usw... Die Wissenschaft der Wettervorhersage war geboren!

WETTERDATEN UND FRAGILE SYSTEME

Heute sind unsere Gespräche über das Wetter viel komplizierter, da sie eingebettet sind in die Folgen der Klimakrise, eine wachsende Wettervorhersage-Industrie und die Anhäufung von Wetterdaten, die mehr und mehr physische Speicherung erfordern, auch bekannt als "Cloud Services". Diese Wolkendienste, eine Art technologisches Trompe-l'œil, müssen als Illusion verstanden werden, denn oben am Himmel gibt es keine "Informations-Wolken", sondern große Datenzentren, die über die Landschaften Nordeuropas verstreut sind.

Landscape with castle surrounded by sun and clouds, Marten Rijckaert, Collection of the National museum in Sweden. NM 1708. Landscape with castle surrounded by sun and clouds, Marten Rijckaert, Collection of the National museum in Sweden. NM 1708

Das kalte Wetter - das zur Kühlung der Rechenzentren genutzt wird - und grüne Energiequellen sind zu attraktiven Standorten für diese Rechenzentren geworden, denn die Datenanhäufung aus unserem täglichen Leben benötigt nicht nur mehr Platz, sondern auch mehr Energie. Plötzlich erscheinen uns Wetter, Cloud-Dienste und Landschaften als miteinander verknüpft! Eines dieser Beispiele ist die Webseite skisporet.no. Über diese Webseite kann jeder den Status der Skipisten in Norwegen verfolgen, aber man wird auch Zeuge der Reproduktion einer Zeremonie - sprich Skifahren - zwischen der norwegischen Gesellschaft und "ihren" Landschaften.

WISSENSCHAFT TRIFFT AUF EMOTIONEN

Leider korreliert unser Bewusstsein für die Klimakrise nicht immer mit unserem Konsum von Wettervorhersagen. Der Konsum von Wetterdaten impliziert nicht notwendigerweise unsere Bewusstseinsbildung oder Handeln zur Bekämpfung der Klimakrise, wie es eigentlich sein sollte! Der massenhafte Konsum von Wetterdaten kommuniziert vor allem das Bewusstsein, wie anfällig ein bestimmter Wirtschaftszweig aufgrund drastischer Wetterbedingungen sein kann. Der grüne Energiesektor hängt sehr stark vom täglichen Wetter ab, ebenso wie die globale Schifffahrtsinfrastruktur und die Reise- und Tourismusbranche.

Es scheint, dass wir mit einer kognitiven Desorientierung konfrontiert sind, wenn wir nicht in der Lage sind, "seltsames" Wetter mit der Klimakrise richtig in Verbindung zu bringen. Offensichtlich verstehen wir den existenziellen Wert des Erfassens von Emotionen und der Tatsache nicht ganz, dass "wir das Wetter sind", wie uns Jonathan Safran Foer in seinem Buch über menschliches Verhalten und Wetter sorgfältig erklärt. Wo sollten wir also ansetzen bei der Bewusstseinsbildung, dass wir das Wetter sind? Könnte ein bescheidener Schritt darin bestehen, einen Dialog zwischen der Wissenschaft des Klimas und unseren Gefühlen zum Wetter zu führen?

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