Kuratorischer Text
Kinofest 2026
Unser Alltag wird geprägt von den Räumen, durch die wir uns bewegen, und von der Last, die wir tragen – von Familie und Arbeit bis hin zu unseren Gemeinschaften und den Geschichten der Vergangenheit, die wir nicht ganz hinter uns lassen können.
Wir beginnen das Festival mit dem Eröffnungsfilm Rose(2026, Regie: Markus Schleinzer), schwarz-weiß, aber alles andere als stumm. Der Film erzählt von den stillen Opfern, die man bringt, um sich trotz begrenzter Möglichkeiten ein selbstbestimmtes Leben aufzubauen. Rose stellt uns die Frage: Wie gestaltet man ein eigenes Leben inmitten auferlegter Realitäten?
Diese Frage begegnet uns im gesamten Festival immer wieder – in Institutionen, Glaubenssystemen, Familienstrukturen, historischen Zwängen und gesellschaftlichen Erwartungen. Die diesjährigen Filme zeigen, auf wie unterschiedliche Weise Menschen mit diesem Druck umgehen und ihm begegnen.
Statt einfacher Antworten nähern sich die Filme dieser Frage aus verschiedenen Blickwinkeln: von den leisen moralischen Konflikten in Ich verstehe Ihren Unmut bis zu den generationenübergreifenden Rückblicken in In die Sonne schauen begleiten diese Geschichten Menschen, die sich mit Arbeit, Erinnerung, Zugehörigkeit, Gerechtigkeit, Glauben und der Umwelt auseinandersetzen. Es sind keine isolierten Einzelschicksale, sondern miteinander verwobene Themen, die zeigen, wie wir leben und miteinander in Beziehung stehen.
Gotteskinder fragt, wie man sich innerhalb starrer Glaubenssysteme im Glauben zurechtfindet, während Staatsschutz der Frage nachgeht, wie sich ein Einzelner gegen die Macht von Institutionen stellen kann . In Der Heimatlose geht es um den Preis, den man zahlt, wenn man nach einer Zeit der Isolation in eine Gemeinschaft zurückkehrt – und wie Zugehörigkeit danach aussehen kann. Im privaten, intimen Bereich denken Im Prinzip Familie und Zirkuskindneu darüber nach, was Familie und Fürsorge heute bedeuten können, während Luisa und Heidi – Rettung der Luchse zeigen, wie sich persönliche Entscheidungen auf Familie und Gesellschaft auswirken.
Zusammen zeichnen diese Filme ein vielschichtiges Bild von Deutschland – und laden uns gleichzeitig dazu ein, nach innen zu blicken: auf die Art, wie wir lieben, sorgen, dazugehören und bestehen.