Interview mit Aydo Abay
"Rhapsody in Ankara"

ABAY © Goethe-Institut Ankara/Mert Öner

Aydo Abay gehört zu den prägenden Stimmen der deutschen Indie-Szene. Der prominente Sänger der Rockband Blackmail hat im Sommer 2016 gemeinsam mit dem Gitarristen und ehemaligen Juli-Bandmitglied Jonas Pfetzing das erste Album seines neuen Band-Projekts ABAY veröffentlicht. „Everything is amazing and nobody is happy“ klingt aber gar nicht richtig amazing und alles andere als happy, erzählen die Lyrics doch von Umweltzerstörung und zwischenmenschlichen Enttäuschungen. Nie zu philosophisch, nie zu weltfremd singt die Band vom Reifen und Älterwerden in einer Zeit, in der sich jeder zurück zu entwickeln scheint.

Lieber Aydo, die Band ABAY besteht nun schon seit 2012. Wie ist das Band-Projekt ursprünglich zustande gekommen?

Nach Blackmail war ich ein bisschen verloren und habe vieles ausprobiert. Irgendwann sind dann Jonas und ich aufeinandergetroffen und wir haben relativ schnell gemerkt, dass da so ein Vibe ist. Seitdem haben wir immer wieder Songs zusammen geschrieben, bis wir dann irgendwann gesagt haben: Wir müssen eine Band gründen! Das gestaltete sich allerdings zunächst schwierig; wir sind halt alle nicht mehr 20. Alle haben irgendwie Verpflichtungen, teilweise Kinder und so weiter, aber jetzt haben wir eine ganz gute Konstellation. Der eine studiert noch, der andere ist Tontechniker – alle können sich ihre Zeit frei einteilen und jetzt reisen wir seit einem Jahr mit dieser Platte durch die Gegend und haben gerade die zweite fertiggestellt, die wahrscheinlich „Love and Distortion“ heißen wird.

Wie würdest du eure Musikrichtung beschreiben und was ist eigentlich anders im Vergleich zu der Musik, die ihr vorher gemacht habt?
 

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Wovon handelt der Song „Rhapsody in Red“, den du für das 60. Jubiläum des Goethe-Instituts Ankara geschrieben hast?

Raimund [Anm. d. Red. Raimund Wördemann, ehemaliger Institutsleiter des Goethe-Instituts Ankara] hatte letztes Jahr im März 2016 als Spaßtitel „Rhapsody in Ankara“ vorgeschlagen und ich dachte, dass das Wort „Rhapsody“ sehr groß klingt – da müssen wir auch etwas Großes machen! Dann kam der Putschversuch. Auch wir sahen natürlich diese Bilder von den Kampfflugzeugen, die über Ankara geflogen sind. Ein absurdes Bild! Auch die Proteste, das Referendum im April 2017 und die Frage nach dem Ja oder Nein – das ist alles mit eingeflossen. Es geht um eine gespaltene Gesellschaft, die wieder zusammenfinden sollte, ohne das jetzt politisch zu sehen. Es geht eigentlich um Liebe, um Liebhaben, und ich hoffe, dass wir das alle wieder hinkriegen. Die Türkei ist ja nicht das einzige Land, welches gerade damit zu kämpfen hat, dass die Gesellschaft sich spaltet. Wir haben alle das Gefühl, dass die Sachen, für die wir gekämpft beziehungsweise wofür andere für uns gekämpft haben und die wir stets als selbstverständlich wahrgenommen haben, dass die gerade wieder rückläufig sind. Das ist keine gute Entwicklung.
 
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Wie ist es für euch denn jetzt momentan, hier in der Türkei zu sein? Mit welchem Gefühl seid ihr angereist und was habt ihr von der Stadt und dem Publikum erwartet?

Also ich selbst kenne die Türkei schon sehr lange, insbesondere Izmir, weil da meine Eltern immer halbjährlich wohnen. Die anderen waren zwar alle mal im Urlaub in der Türkei, in Antalya oder so, aber das ist ja noch einmal ein ganz anderer Schnack, hier in Ankara zu sein. Das ist kein Urlaubsstädtchen, man ist mittendrin und ich fand alles sehr spannend. Es ist eine recht kalte Atmosphäre – alles sehr busy, aber man wird trotzdem irgendwie herzlich aufgenommen. Musikalisch war ich total verwundert! Während des Festaktes, da hab ich gedacht, die rennen alle weg, aber denen hat es ja anscheinend gefallen. Die scheinen doch ein offenes Ohr für so etwas zu haben!

Und was kommt jetzt als nächstes? Wie sehen eure Zukunftspläne aus?
 
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Mehr Infos zu der Band ABAY:
http://abay.me/
https://facebook.com/ABAYofficial/