Jeden Monat veröffentlicht das Goethe-Institut Südafrika eine Reszension über eine*n Afrikanischen/Südafrikanischen Autor*in. Verfasst von Südafrikaner*innen für Südafrikaner*innen.
Bosadi (2026) der von der Ärztin zur Schriftstellerin gewordenen Kopano Matlwa ist ihr vierter Roman. Darin erzählt sie eine Geschichte für Frauen, von Frauen und über das Leben von Frauen. Das Buch folgt auf ihren preisgekrönten Debütroman Coconut (2007), auf den Spilt Milk (2010) sowie Period Pain (2016) folgten. Letzterer wurde für den Sunday Times Fiction Prize nominiert.
Im Mittelpunkt der Handlung steht Naledi Moloi, geborene Sefako (Twinki), eine aufstrebende schwarze Berufstätige, die mit ihrer Universitätsliebe Lesedi Moloi verheiratet ist, einem erfolglosen Möchtegern-Geschäftsmann und angehenden „Tenderpreneur“, also jemandem, der auf lukrative öffentliche Aufträge hofft. Bosadi ist im Kern eine Erzählung über die Unsicherheit des schwarzen Mittelstandslebens. Thematisiert werden die belastenden Verpflichtungen der sogenannten „Black Tax“, hohe Erwartungen an sozialen Aufstieg, regelmäßige Auslandsreisen und die neuesten SUVs, deren Verwirklichung oft mit erheblichen persönlichen, beruflichen und gesellschaftlichen Kosten verbunden ist.
Gleichzeitig ist es auch die Geschichte von Mercy (von Naledi „Aunty“ genannt), die ihr Zuhause verlassen muss, um als Hausangestellte zu arbeiten. Erzählt wird zudem von ihrer Freundschaft mit Memory, die ebenfalls als Haushaltshilfe für eine andere Familie in Mount Grace arbeitet.
Die Handlung von Bosadi spielt unmittelbar vor und während der weltweiten Covid-19-Pandemie, deren verwirrende Vorschriften zu sozialer Distanzierung, Reiseverboten und dem Verbot gesellschaftlicher Zusammenkünfte das Leben der Figuren prägen.
Zu den weiteren wichtigen Figuren gehört Rakgadi Moloi, Lesedis dominante Mutter. Sie macht es sich zur Aufgabe, Naledi immer wieder dafür zu kritisieren, dass sie kein Kind zur Welt gebracht hat beziehungsweise später ein Kind verliert, obwohl die gesamte Großfamilie erwartet hatte, dass dies viel früher geschehen würde.
Neben den Eheproblemen von Naledi, die von ihrer Schwiegermutter traditionell den Namen Matlakala erhält, behandelt der Roman weitere zentrale Themen: den Druck familiärer Erwartungen innerhalb der Großfamilie, Konflikte zwischen Tradition, Kultur und christlichen Werten, geschlechtsspezifische Gewalt (GBV), Femizide sowie die Art und Weise, wie Frauen gezwungen sind, missbräuchliche Beziehungen und psychische Manipulation („Gaslighting“) zu bewältigen.
In Bosadi richtet Matlwa zudem den Blick auf die Komplexität der Ehe, die Folgen von Untreue und die Last, die Frauen häufig tragen müssen, um Familien zusammenzuhalten. Dies geschieht vor dem Hintergrund einer patriarchalen, urteilenden und wenig vergebenden Gesellschaft.
Über den Verfasser
Tonderai Chiyindiko
Tonderai Chiyindikist ein unersättlicher Leser, der dem betörenden Geruch neuer Bücher verfallen ist und gerne an Buchvorstellungen teilnimmt (wegen des kostenlosen Angebots an Wein, Käse und Snacks). Er lebt und arbeitet in Johannesburg. o
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Diese Rezension ist Teil in der Reihe Buch des Monats 2026 vom Goethe-Institut Südafrika.
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