Block 5

Erweitere bestehende Aktivitäten!

In diesem Block zeigen wir, wie wir KI-Kompetenzen in bestehende Aktivitäten in unseren Einrichtungen integriert haben, sodass du dies ebenfalls tun kannst, ohne bei null anfangen zu müssen.
 

Minimal abstract illustration of a small node-and-connection diagram in yellow tones with a question mark above it on a light cream background, suggesting uncertainty, inquiry, or an open question related to structured data or systems. © Sandra Kastl

Mit der Weiterentwicklung der Rolle von Bibliotheken und ihrer Angebote für Nutzer*innen und die breitere Community ist es, insbesondere in europäischen Bibliotheken, zunehmend üblich, regelmäßig Bildungsformate anzubieten. Denke an deine eigene Bibliothek: Vielleicht gibt es wöchentliche Workshops zu digitalen Kompetenzen für Senior*innen, einen kreativen Schreibclub oder einen Makerspace mit verschiedenen Aktivitäten? Wenn solche Formate regelmäßig stattfinden, kann das dein idealer Einstiegspunkt sein, um KI-Kompetenzen stärker im Profil der Bibliothek zu verankern. Wie wir festgestellt haben, ist es in vielen Kontexten möglich, bestehenden Aktivitäten eine „Prise“ KI-Perspektive hinzuzufügen. In diesem Block zeigen wir dir anhand unserer Erfahrungen, wie sich das umsetzen lässt, sodass du es selbst ausprobieren kannst.

Im ersten Teil dieses Blocks geht es um den grundlegenden Ansatz zur Anpassung bestehender Formate für die Inklusion von KI-Kompetenzen. Im Anschluss folgen konkrete Beispiele aus den praktischen Aktivitäten des LIBRA.I.-Projekts. Wenn du noch tiefer einsteigen möchtest, findest du zu allen Formaten ausführliche Unterrichtspläne in den verlinkten Materialien.

BESTEHENDE FORMATE KÖNNEN DIE LÖSUNG SEIN

Wenn du darüber nachdenkst, eine Aktivität zur Förderung von KI-Kompetenzen in deiner Bibliothek umzusetzen, solltest du drei zentrale Aspekte berücksichtigen:
  • Was möchtest du vermitteln? KI ist ein Querschnittsthema und lässt sich mit einer Vielzahl anderer Inhalte verbinden.
  • Welche Zielgruppe möchtest du erreichen? Mehr dazu in BLOCK #3.
  • Wie soll deine Aktivität konkret aussehen? Welche Methoden und praktischen Elemente möchtest du einsetzen?
Diese drei Aspekte solltest du berücksichtigen, wenn du deine bestehenden Angebote überprüfst. Wenn ein bestehendes Format gut zu deinen geplanten KI-Inhalten passt, kann es die ideale Grundlage für einen Workshop oder ein Seminar zu KI-Kompetenzen sein.

VON TRADITIONELLEN METHODEN ZUR EINBINDUNG VON KI

Wenn du ein bestehendes Format anpasst, um KI-Kompetenzen zu vermitteln, musst du das Rad nicht neu erfinden. Es hilft, ein Thema zu wählen, das möglichst vielen Menschen vertraut ist. Dieses Thema dient als Rahmen und schafft eine klare Orientierung dafür, welche Aspekte von KI innerhalb der Aktivität behandelt werden sollen. Du kannst den Ablauf einer bereits etablierten Aktivität beibehalten und das ursprüngliche Thema durch einen KI-Bezug ergänzen oder erweitern. Genau das haben wir gemacht, indem wir KI mit Themen wie Autor*innenschaft, Podcasting oder dem kulturellen Erbe Lettlands verbunden haben.

Unabhängig vom gewählten Thema ist es sinnvoll, während der Aktivität Schritt für Schritt zu zeigen, wie KI im Alltag mit diesem Thema zusammenhängt. Diskussionen und Fragen dazu, wie diese zunächst abstrakte Technologie in konkreten Situationen eingesetzt wird, helfen den Teilnehmenden, ihre Relevanz besser zu verstehen und regen oft neue Fragestellungen an, die gemeinsam weiterverfolgt werden können. In unseren Aktivitäten haben sich spielerische Elemente bewährt, zum Beispiel Aussagen oder Fragen im Format „wahr oder falsch“, die für zusätzliche Interaktion sorgen.

ANPASSUNG AN DIE ZIELGRUPPE

Im Lernprozess wirst du wahrscheinlich auf Teilnehmende mit unterschiedlichen Erfahrungs- und Kompetenzniveaus treffen. Idealerweise kannst du anspruchsvollere Aufgaben an erfahrenere Personen vergeben, während zusätzliche Unterstützung für Einsteiger*innen bereitsteht. Gerade bei Zielgruppen wie Senior*innen, die möglicherweise weniger Erfahrung im Umgang mit digitalen Technologien haben, ist diese Differenzierung besonders wichtig, damit alle sinnvoll teilnehmen können.

Um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, ist es hilfreich, im Vorfeld ein klares Konzept oder „Drehbuch“ der Aktivität zu entwickeln und mögliche Abweichungen mitzudenken. Für ein effektives Lernen empfiehlt es sich, mit einfachen Aufgaben zu beginnen und diese schrittweise zu erweitern. Der Übergang von konkreten, klar abgegrenzten Aufgaben hin zu komplexeren und abstrakteren Inhalten erleichtert das Verständnis.

Im Verlauf der Planung wirst du feststellen, dass viele verschiedene Aspekte berücksichtigt werden müssen. Weitere praktische Hinweise dazu findest du in BLOCK #4.

TECHNISCHE ASPEKTE EINBINDEN

Auch wenn der Schwerpunkt von LIBRA.I. darauf liegt, ein grundlegendes Verständnis für KI zu vermitteln und KI-Kompetenzen insgesamt zu fördern, haben wir in unseren angepassten Formaten festgestellt, dass Teilnehmende – unabhängig von der Zielgruppe – ein großes Interesse daran haben, konkrete KI-Tools kennenzulernen. Ein bewährter Ansatz ist es, einen Einblick in sogenannte LLMs (Large Language Models) zu geben, wie etwa ChatGPT, Gemini, Claude, Microsoft Copilot oder vergleichbare Anwendungen. Solche Tools helfen dabei, KI greifbar zu machen und in Verbindung mit deinem Thema zu bringen. Wir empfehlen, in praktischen Trainings diejenigen Tools auszuwählen, die das Potenzial von KI anschaulich und verständlich demonstrieren. Gleichzeitig solltest du vermeiden, zu stark in technische Details einzusteigen, sondern dich auf den Zweck deiner Aktivität konzentrieren. Wenn du beispielsweise mit Senior*innen zu Desinformation im Internet arbeitest, kannst du zeigen, wie KI-Bilder entstehen. In einem kreativen Schreibformat kannst du demonstrieren, wie LLMs bei der Ideenentwicklung unterstützen können. Und wenn du mit Kindern arbeitest, können Bildgeneratoren genutzt werden, um Geschichten zu illustrieren.

Das Einbinden von KI soll deine Aktivitäten bereichern, nicht unnötig verkomplizieren. Die beschriebenen Formate und Unterrichtspläne können dir als Inspiration und Ausgangspunkt dienen.

NUTZE UNSERE UNTERRICHTSPLÄNE

Die folgenden Unterrichtskonzepte basieren auf bestehenden Aktivitäten in den Bibliotheken der LIBRA.I.-Partner, die gezielt um KI-Kompetenzen erweitert wurden – jeweils angepasst an unterschiedliche Zielgruppen. Anhand unserer Beispiele wollen wir zeigen, wie solche Formate entwickelt werden und wie du sie für deine eigene Bibliothek nutzen kannst. Ausführlichere Unterrichtspläne findest du in BLOCK #6.

„Autor*innenstimme vs. Künstliche Intelligenz“ ist ein kreativer Workshop, der von den KI-Botschafter*innen der Mediateka MeMo in Łódź entwickelt wurde. Er richtet sich an junge kreative Zielgruppen und lädt dazu ein, sich intensiv mit stilistischen Merkmalen von Texten auseinanderzusetzen, etwa Rhythmus, Metaphern oder individueller Ausdrucksweise. Die Teilnehmenden vergleichen Originaltexte von Autor*innen mit stilistisch nachgeahmten Texten und KI-generierten Varianten. Neben diesem spielerischen Zugang vermittelt der Workshop konkrete Hinweise zur Erkennung KI-generierter Texte, etwa anhand typischer sprachlicher Muster.  
„Künstliche Intelligenz und Nostalgie im kulturellen Erbe – Hilfe oder Spielerei?“ ist ein Workshop für Senior*innen, entwickelt von den KI-Botschafter*innen der Lettischen Nationalbibliothek. Hier werden KI-Tools anhand von Beispielen aus dem kulturellen Erbe erkundet. Interaktive Elemente wie „Aussagewürfel“ helfen dabei, Mythen über KI zu hinterfragen, während praktische Übungen – etwa das Schreiben von Texten mit ChatGPT oder die Umwandlung in Sprache – neue Zugänge eröffnen.
„KI-Toolkit für Podcaster*innen“ wurde von den KI-Botschafter*innen der Bibliothek Muntpunt in Brüssel entwickelt und richtet sich an junge Kreative sowie erwachsene Lernende. In diesem Workshop wird KI als unterstützendes Werkzeug im kreativen Prozess vermittelt – von der Ideenfindung über die Strukturierung bis hin zu technischen Aufgaben wie Transkription oder Audiobearbeitung. Ziel ist es, Teilnehmenden Orientierung zu geben und ihnen zu ermöglichen, bewusst zu entscheiden, wie und in welchem Umfang sie KI in ihre eigene Praxis integrieren möchten.