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Unsere Programme DAMOS und APAL
Von der PASCH/Fit-Schule in die Ausbildung nach Deutschland

Früh übt sich! Die Region Südamerika hat das Potenzial von PASCH/Fit-Schulen für die Fachkräftemigration erkannt und baut seit 2021 sein Angebot aus. Mit den Programmen DAMOS und APAL möchten die Goethe-Institute der Region Schüler*innen und Alumni*ae auf eine Ausbildung in Deutschland vorbereiten und so die berufliche Mobilität fördern. Welche Wirkung zeigen die Initiativen?
Jörg Klinner, Leiter der Spracharbeit Südamerika und stellvertretender Institutsleiter in São Paulo, schaut für uns auf die Fortschritte im letzten Jahr zurück.
 

1. Jörg, mit den Programmen (DAMOS) und (APAL) möchte das Goethe-Institut junge Menschen aus Südamerika für eine Ausbildung nach Deutschland holen. Welche Vorteile bieten diese Programme den Teilnehmenden und den Unternehmen?

Die duale Ausbildungsmobilität Südamerika (DAMOS) und die Ausbildungspartnerschaften in Lateinamerika (APAL) sind sehr wertvolle Programme, weil sie eine wunderbare Brücke bauen zwischen unserer schulischen Zusammenarbeit – der Bildungskooperation Deutsch – und der Fachkräftemigration in Deutschland. Deutsch wird hier an vielen Schulen in unterschiedler Intensität unterrichtet, sodass die Affinität zur deutschen Sprache und die Motivation bereits sehr hoch ist. Deutsche Ausbildungsbetriebe können motivierte Azubis gebrauchen, und wir schlagen die Brücke über den Atlantik.

Wir sind keine Agentur, wir machen keine Gewinne, sondern wir sorgen dafür, dass jede*r Teilnehmende gut, informiert und vorbereitet ankommt. APAL bietet beispielsweise eine kostenfreie Berufsausbildung. Neben dem Ausbildungsgehalt bekommen die Teilnehmenden ein Stipendium, das Sprachkurse am Goethe-Institut in Brasilien beinhaltet. Wir schaffen in Brasilien das sprachliche Fundament, das an einem Institut in Deutschland später weiter ausgebaut wird. Wir helfen auch bei der Übersetzung der für das Visum nötigen Unterlagen, es gibt eine Reisekostenpauschale für die Flüge innerhalb des Programms und eine Starthilfe in Deutschland: kostenfreie Unterbringung oder Hilfe bei der Wohnungseinrichtung. In unserem Paket sind also ganz viele Elemente enthalten.

Bei DAMOS helfen wir jungen Menschen mit verschiedenen Trainings durch den Bewerbungsprozess und bereiten sie auf die duale Ausbildung in Deutschland vor.

2. Wie sieht die Ausbildungssituation in Ländern wie Brasilien aus? Was motiviert die Jugendlichen, für eine Ausbildung nach Deutschland zu kommen?

Brasilien ist ein sehr großes und diverses Land. Nicht alle haben die besten Voraussetzungen, ihren Lebensweg zu gehen. Sie sehen in uns die Chance, eine inhaltlich gute Ausbildung zu bekommen, die einen Mehrwert für ihre Karriere darstellt. Gemeinsam mit ihren Eltern überlegen sie, ob eine Ausbildung in Deutschland eine Möglichkeit ist, sich zu qualifizieren und die eigene Zukunft aktiv zu gestalten.

Besonders spannend ist das duale Ausbildungssystem in Deutschland, das es in dieser Form in Brasilien nicht gibt. Das muss man hier erklären. Nicht zuletzt ist eine Ausbildung häufig ein Weg in ein weiterführendes Studium. In Brasilien gibt es an den guten Universitäten Aufnahmeprüfungen und auch die Finanzierung des Studiums kann eine Hürde darstellen. Mit viel Vorwissen aus Deutschland zurückzukommen, kann hier Türen öffnen.

Übrigens sehen die jungen Brasilianer*innen durchaus auch die Risiken eines Deutschlandaufenthalts. Sie beobachten zum Beispiel den Rassismus in Deutschland und müssen abwägen. Wir führen diverse interkulturelle Trainings durch, die die Jugendlichen darauf vorbereiten und ihnen Werkzeuge an die Hand geben, um damit umzugehen. Es ist wichtig, das Deutschlandbild in seiner Realität zu zeichnen und nicht alles rosig darzustellen. Insgesamt glaube ich jedoch, dass es die guten Bedingungen und die berufliche und private Sicherheit ist, die die jungen Leute motiviert, nach Deutschland zu gehen. Der Schritt fällt noch leichter, wenn sie bereits in der Schule mit Deutsch in Kontakt gekommen sind.

3. Seit 2023 steigt die Teilnehmendenzahl für beide Programme rasant an. 2025 hat das Goethe-Institut über 100 Stipendien vergeben, zahlreiche Stipendiat*innen haben Deutschland kennengelernt und eine Ausbildung in Deutschland angetreten. Wie geht es 2026 weiter?

Derzeit sind im Programm APAL etwa 40 Personen in der sprachlichen Vorbereitung in Brasilien und insgesamt 80 Personen von beiden Projekten sind gerade in Deutschland. Als ich neulich mit zwei von ihnen sprach, wurde klar: Sie sind natürlich nervös. In Göttingen gibt es bereits einige Alumni*ae, sodass das vorhandene Netzwerk das Ankommen enorm erleichtert. Wir arbeiten in einem Innovationsprojekt des Vorstands gerade daran, ein Mentorenprogramm zu entwickeln, dass die Neuankömmlinge in Deutschland noch besser unterstützt. Was wir hier deutlich merken: Wir könnten noch mehr Menschen für eine Ausbildung in Deutschland gewinnen oder für eine qualifizierte Beschäftigung empfehlen. Es fehlen jedoch in Deutschland die nötigen Auffangstrukturen dafür. Für große Strukturen wie Universitätskliniken ist das zwar kein Problem. Sie haben Wohnheime, um die Azubis unterzubringen. Aber kleine und mittelständische Unternehmen sind gerade erst im Aufbruch. Ein wenig mehr Mut auf deutscher Seite, um für bessere Startbedingungen zu sorgen, wäre meines Erachtens gut. Nicht zuletzt, um mit unseren tollen Programmen keine falschen Erwartungen zu wecken.

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