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19:00 Uhr

„Große Regisseure“

Filmreihe|Dienstage des deutschen Films in Puerto Montt

  • Casa del Arte Diego Rivera, Puerto Montt

  • Sprache Deutsch mit spanischen Untertiteln
  • Preis freier Eintritt

Transit © Schrammfilm, Christian Schulz

Transit © Schrammfilm, Christian Schulz

Es gibt nichts Besseres, als den Sommer zu nutzen, um einige der herausragendsten Regisseure der letzten Jahrzehnte zu entdecken. Mit „Atlas“ gelang David Nawrath der Durchbruch, und er bleibt weiterhin ein Name, den man im Auge behalten sollte. Christian Petzold ist ein weiterer großer Name des zeitgenössischen deutschen Films, der mit „Transit“ über die Emigration spricht – sowohl jene vor 80 Jahren als auch die heutige. Einen Golden Globe erhielt Fatih Akin für das intensive „Aus dem Nichts“, ein Höhepunkt seiner Karriere; ebenso verhielt es sich mit „Die Stille nach dem Schuss“, das 1998 bei der Berlinale zahlreiche Preise gewann – ein wichtiger Meilenstein in der Laufbahn von Volker Schlöndorff, der zuvor mit „Die Blechtrommel“ die ganze Welt bewegt hatte.

Programm


03.02. Atlas (2017), David Nawrath

10.02. Transit (2018), Christian Petzold

17.02. Aus dem Nichts (2017), Fatih Akin

24.02. Die Stille nach dem Schuss (1998), Volker Schlöndorff

Inhaltsangaben der Filme


ATLAS
Farbe, 100 Min.
2017, David Nawrath

Der 60-jährige Walter ist Möbelpacker für Zwangsräumungen. Er ist der treueste Schlepper, den Walters Chef Roland Grone in seiner Spedition hat. Walter ignoriert die Schmerzen, die ihm der Knochenjob bereitet, ebenso wie das Leid der Menschen, in deren Privatsphäre er täglich eindringt. Grone plant mit Hilfe des zwielichtigen Familienklans der Afsaris ein riskantes Immobiliengeschäft. Walters Freund, der Gerichtsvollzieher Alfred, weiß, wie das geht: Die Afsaris, zu denen auch der neue Kollege Moussa gehört, geben Grone ihr Geld, er kauft billig Häuser, entmietet sie – auch mit Gewalt –, um sie für ein Vielfaches wieder zu verkaufen und verhilft den Afsaris so dazu, schmutziges Geld zu waschen. Nur: Ein letzter Mieter weigert sich auszuziehen. Walter glaubt in dem jungen Mann seinen Sohn Jan wiederzuerkennen, den er vor Jahrzehnten im Stich gelassen und seitdem nie wieder gesehen hat. Ohne sich ihm zu offenbaren, nähert sich Walter Jan und dessen Familie behutsam an. Als ihm klar wird, wie unberechenbar die Männer sind, auf die sich Grone eingelassen hat, gerät Walter zunehmend unter Druck. Als er dann bei einem Streit mit Moussa diesen kurzerhand tötet und dessen Leiche verschwinden läßt, hat er schneller als gedacht dessen Familie gegen sich.
 

TRANSIT
Farbe, 102 Min.
2018, Christian Petzold

TRANSIT, mit Franz Rogowski und Paula Beer in den Hauptrollen, orientiert sich frei an dem gleichnamigen Roman von Anna Seghers. Christian Petzold, der auch das Drehbuch zum Film schrieb, verlegte die Geschichte um einen Deutschen, der während des Zweiten Weltkriegs vor den Nationalsozialisten nach Frankreich flieht, in die Gegenwart.
Die deutschen Truppen stehen vor Paris. Georg, deutscher Flüchtling, entkommt im letzten Moment nach Marseille. Im Gepäck hat er die Hinterlassenschaft des Schriftstellers Weidel, der sich aus Angst vor seinen Verfolgern das Leben genommen hat: Ein Manuskript, Briefe, die Zusicherung eines Visums durch die mexikanische Botschaft. In Marseille darf nur bleiben, wer beweisen kann, dass er gehen wird. Visa für die möglichen Aufnahmeländer werden gebraucht, Transitvisa, die raren Tickets für die Schiffspassage. Georg erinnert sich der Papiere Weidels und nimmt dessen Identität an. Er taucht ein in die ungefähre Existenz des Transits. Flüchtlingsgespräche in den Korridoren des kleinen Hotels, der Konsulate, in den Cafés und Bars am Hafen. Er freundet sich mit Driss an, dem Sohn seines auf der Flucht gestorbenen Genossen Heinz. Wozu weiterreisen? Lässt sich anderswo ein neues Leben beginnen? Alles verändert sich, als Georg die geheimnisvolle Marie trifft und sich in sie verliebt. Ist es Hingabe oder Berechnung, die sie ihr Leben vor der Weiterreise mit dem Arzt Richard teilen lässt, während sie gleichzeitig auf der Suche nach ihrem Mann ist? Der, so erzählt man, sei in Marseille aufgetaucht, in Besitz eines mexikanischen Visums für sich und seine Frau.
 

AUS DEM NICHTS – IN THE FADE
Farbe, 106 Min.
2017, Fatih Akin

Katja Şekercis Mann Nuri und ihr kleiner Sohn Rocco sind Opfer eines Bombenanschlags geworden. Die Frau gerät in eine tiefe Krise, zumal die Polizei zu lange den rechtsradikalen Hintergrund ignoriert. Als dann doch die Täter vor Gericht stehen, muss Katja eine neue schmerzhafte Erfahrung machen – sie werden wegen Mangels an Beweisen freigesprochen. Nun will die junge Frau selbst für Gerechtigkeit sorgen. Im Abspann verweist Fatih Akin direkt auf den aktuellen Bezug seines Films, auf die rechte Terrorzelle „NSU“, die in Deutschland gezielt Bürger mit Emigrations-Hintergrund ermordet hat, und auf den Prozess gegen die Angeklagte Beate Zschäpe; vor allem ihre Verteidiger haben dafür gesorgt, dass in dem 2013 begonnenen Verfahren nach fünf Jahren immer noch kein Urteil gefällt werden konnte. Die auch im Abspann erwähnten Anspielungen und Parallelen sind unübersehbar – aber doch bewegt sich AUS DEM NICHTS in einem gewissen Sicherheitsabstand, um juristisch unangreifbar zu bleiben. Das Finale ist ebenso fiktiv wie der Zeitpunkt des Mordes im Jahr 2016.Aus dem Nichts wurde u.a. mit dem Golden Globe und dem Critics Award und der „Goldenen Kamera“ ausgezeichnet und stand auf der Oscar-Shortlist.
 

DIE STILLE NACH DEM SCHUSS
Farbe, 102 Min.
1998, Volker Schlöndorff

Verführt durch ihren Gerechtigkeitssinn und die Liebe zu Andi, wird Rita Vogt in den 1970er Jahren in Westberlin Mitglied einer terroristischen Vereinigung. Nachdem sie einen Polizisten erschossen hat, taucht sie in der DDR unter – die Staatssicherheit verschafft ihr eine neue Existenz. Zwei Welten stoßen aufeinander: der westliche linksradikale Terrorismus und der östliche „real existierende Sozialismus“. Nach 1989 wird beides Geschichte. „Alles ist so gewesen. Nichts war genauso.“ So lautet ein Titel am Ende des Films. Tatsächlich hat die Stasi um 1980 insgesamt zehn westdeutsche Terroristen aufgenommen und ihnen eine neue Identität in der DDR verschafft. Wolfgang Kohlhaase, zuvor einer der markantesten Drehbuchautoren der DDR, und Volker Schlöndorff, einer der renommiertesten westdeutschen Regisseure, haben sich an den Biographienrealer Terroristinnen orientiert und daraus eine fiktive Geschichte kondensiert – eine Geschichte, wie sie nur in einem Land wie Deutschland möglich sein konnte, das im Kalten Krieg in zwei Frontstaaten geteilt war. Als DIE STILLE NACH DEM SCHUSS im Februar 2000 auf der Berlinale uraufgeführt wurde und im September darauf in die Kinos kam, wurde von der Kritik mehrfach bemängelt, der Film sei unpolitisch: weder würde er die Ursachen des Terrorismus beleuchten noch dazu Stellung beziehen. Und wenn schon: Was er vollbringt, ist, ein aufregendes Stück deutscher Geschichte und den Lebensweg seiner Hauptfigur sinnlich erfahrbar zu machen, ohne Rhetorik, auch ohne jede Psychologisierung. Ebenso knapp und pointiert, teilweise auch unterschwellig komisch wie die Dialogesinddie einzelnen Szenen mit ihren prägnant charakterisierten Figuren und ihren stilisierten, dabei immer von Alltagsbeobachtungen unterfütterten Situationen – Szenen, deren Abfolge mit teilweise kühnen Ellipsen gleichwohl einen stringenten Verlauf ergibt.