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19:00 Uhr

Double-Feature mit Boris Nikitin. Magda Toffler & Versuch über das Sterben.

Performance|Mit zwei seiner eindrücklichsten Soloperformances ist Boris Nikitin, einer der interessantesten deutschsprachigen Theatermacher seiner Generation, zum ersten Mal in Bogotá zu sehen.

  • Mapa Teatro

  • Sprache Performance auf Deutsch mit spanischen Untertiteln
  • Preis Eintritt frei

Banner Perfomance Nikitin ©Donata Ettlin

 Magda Toffler  
In „Magda Toffler“ blickt Boris Nikitin auf die Geschichte seiner Großmutter. Nachdem sie im Alter von 87 Jahren stirbt, erfährt er, dass sie ursprünglich aus einer jüdischen Familie stammte. In den Jahren 1944/45 musste sie sich über Monate in einer Scheune in der Ostslowakei verstecken, während ein Großteil ihrer Familie in den deutschen Vernichtungslagern ihr Leben ließ. All dies behielt sie für sich, gründete eine Familie und wurde die erste Professorin der Chemie in der jungen sozialistischen Tschechoslowakei. Selbst vor ihren Töchtern verbarg sie das Geheimnis. 

„Magda Toffler" ist ein Stück Ahnenforschung, in dem sich große Fragen des 20. Jahrhunderts spiegeln. Aber das Familiengeheimnis verändert auch die eigene Biografie und Identität des Regisseurs. 
 
Versuch über das Sterben  
2017, ein Jahr nach dem Tod seines Vaters, beginnt der Autor und Regisseur Boris Nikitin die Geschichte von dessen ALS-Erkrankung aufzuschreiben. Die Krankheit hatte kurzen Prozess gemacht: Von der Diagnose bis zum Tod dauert diese knapp ein Jahr. Sehr früh eröffnet dabei der Vater den Gedanken, einen assistierten Suizid in Erwägung zu ziehen, einen EXIT. Eine Aussage, die alles ändert.  
  
In „Versuch über das Sterben“ verbindet Nikitin die Geschichte dieses Outings mit der Geschichte seines eigenen Coming-Outs als schwuler Mann vor 20 Jahren. Dabei genügt ihm eine leere Bühne, ein Stuhl und der Text selbst. In diesem minimalistischen Setting entwickelt Nikitin einen Theaterabend darüber, was es bedeutet, gesellschaftliche Tabus zu brechen, den Schritt in die Öffentlichkeit zu wagen und sich dabei sichtbar, angreifbar und verwundbar zu machen. 
 
Boris Nikitin, in Basel geboren und Sohn ukrainisch-slowakisch-französisch-jüdischer Einwanderer, ist Theaterregisseur und Autor. In seinen Stücken, Inszenierungen und Happenings beschäftigt sich Nikitin seit 2007 mit der Darstellung und Herstellung von Identität und Realität.   
 
Für sein Gesamtwerk wurde Nikitin 2017 mit dem J.M.R. Lenz - Dramatikerpreis der Stadt Jena ausgezeichnet. 2020 erhielt er den Schweizer Theaterpreis. 
 
Ein Projekt des Goethe-Instituts mit Unterstützung von Pro Helvetia.